Anthrax - Cursum perficio
Nuclear Blast / Rough Trade
VÖ: 18.09.2026
Unsere Bewertung: 6/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
All inclusive
Die Big 4 ziehen sich allmählich zurück. Slayer sind bereits in Rente, treten nur noch auf ausgewählten – vermutlich hochdotierten – Festivals auf, Megadeth befinden sich auf ihrer Abschiedstour, einzig Metallica sind noch auf gewohnt gigantomanischen Touren unterwegs. Und Anthrax? Die Pause war lang nach dem letzten Album "For all kings", fast zu lang. Auch wenn ein Teil der Wartezeit durch die Pandemie erklärbar ist. Und der Titel des neuen Albums "Cursum perficio" (für die Nicht-Lateiner unter uns: "Ich vollende meinen Weg") lässt Spekulationen freien Raum, dass auch die New Yorker nach 45 Jahren Karriere so langsam über einen Abschied nachdenken könnten. Bandchef Scott Ian ist jedenfalls höchst bemüht zu erklären, dass dem nicht so ist, sondern dass das Album alles umfasst, was die Band in dieser Zeit so ausgemacht hat. Zumindest das Artwork spricht dafür, schreit es in seiner Liebe zum Detail doch nach der Vinylversion und ist garniert mit jeder Menge Anspielungen auf frühere Alben. Nun denn, viel Spaß beim Suchen.
Ganz und gar nicht vertraut oder altbekannt wirkt der Beginn der Platte. Klar, der Titel des Intros "Persistence of memory" spielt auf das gleichnamige Kunstwerk von Salvador Dalí an, das wiederum Pate für das Album "Persistence of time" aus dem Jahr 1990 stand. Und der eigentliche Opener "The long goodbye" (aha!) ist mutig. Sehr mutig für eine Thrash-Metal-Band. Denn statt erst einmal wie üblich Kleinholz zu produzieren, bewegt sich der Song im Midtempo, versucht, die Stimmung langsam aufzubauen. Mal was anderes, ja, ein Experiment sicherlich, aber trotz der wohlbekannten Stakkato-Riffs nicht notwendigerweise geglückt. Viel besser macht es da "It's for the kids", das jeglichen Ballast über Bord wirft und so entfesselt losrennt, dass das dazugehörige Video direkt einmal Parallelen zum allerersten Video zu "Madhouse" von 1985 zieht. Gewagt, dieses Mal allerdings auch gelungen, ähnlich wie das Hook-Monster "Everybody's got a plan".
Und dann gibt es ihn doch noch, den großen Aha-Moment, an dem eine große Band noch einmal zeigt, wozu sie imstande ist. "The edge of perfection" ist eben nicht vollgestopft mit Reminiszenzen an die gute alte Zeit, sondern schlicht ein Feuerwerk brillanter Ideen. Flirrende Riffs wechseln sich mit einem gigantischen Refrain ab, laden sowohl zur Analyse unter dem Kopfhörer ein als auch zum bierseligen Mitsingen des Chorus in der nach all den Jahrzehnten doch noch irgendwie passend gemachten Kutte. Nicht nur, dass der Song schlicht bockstark ist, er ist auch für eben jenes Live-Erlebnis bitter nötig, wenn die Konzerte mehr sein sollen als reine Nostalgie-Shows – Frontmann Joey Belladonna weigert sich bekanntermaßen beharrlich, bis auf "Only" Songs aus der Ära mit John Bush und dem Kurzzeit-Sänger Dan Nelson live zu performen, sodass die Zeit von 1992 bis 2010 auf der Bühne zumeist nicht stattfindet.
Doch auch die zweite Albumhälfte will nicht immer zünden. "Infectious" plätschert so dahin, wird jedoch von der Hardcore-Hymne "NYC 93" aus der Lethargie gezerrt, und auch der Titeltrack feuert die Riffs aus allen Rohren. Es sind allerdings diese Niveauschwankungen, diese "nur" soliden Songs wie "Target on my back", die "Cursum perficio" zu einer schwierigen Angelegenheit machen. Klar, der größte Fehler wäre, ein neues "Among the living" zu erwarten, und wenn ein Album ganze zehn Jahre auf sich warten lässt, sind die Erwartungshaltungen naturgemäß überhöht. Insofern ist "Cursum perficio" noch nicht einmal eine Enttäuschung. Es ist aber auch nicht die bahnbrechende Platte, die nach den starken Singles und den entsprechend euphorischen Reaktionen vielleicht erhofft werden konnte. Am Ende bleibt als einzige Frage übrig, ob die Band wusste, dass "Cursum perficio" bereits ein Song der New-Age-Chanteuse Enya war, nämlich auf ihrem Debütalbum "Watermark" von 1988. Irgendwann kommt tatsächlich alles zusammen.
Highlights
- It's for the kids
- The edge of perfection
- Cursum perficio
Tracklist
- Persistence of memory
- The long goodbye
- It's for the kids
- Everbodys's got a plan
- The edge of perfection
- Infectious
- NYC 93
- Cursum perficio
- Target on my back
- Watch it go
- My victory
Gesamtspielzeit: 55:44 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
| User | Beitrag |
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nagolny Postings: 2515 Registriert seit 06.11.2022 |
2026-09-24 17:03:12 Uhr
Beste große Thrash Band ist eh OverKill. |
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MickHead Postings: 16248 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-09-18 14:20:22 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_nTE8SqNeyVjneZABsrTAg43F4polLt9Ro&si=MdDtYNDCRJqr6ACT FRONTSTAGE MAGAZINE 8.2/10 https://frontstage-magazine.de/2026/09/16/review-anthrax-cursum-perficio/ |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 31234 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-09-17 20:39:30 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.Meinungen? |
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MickHead Postings: 16248 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-07-11 10:11:49 Uhr
2. Song "The Edge Of Perfection"https://youtu.be/uqbhWhN4F74?si=VwXyP18p7oVNmSvf |
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embele09 Postings: 330 Registriert seit 06.11.2024 |
2026-05-16 13:32:25 Uhr
Der Song kickt. War nicht anders zu erwarten. Keine wirkliche Neuerung, aber Anthrax at it's best. Guter Vorbote...mal sehen, was da so kommt. |
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Referenzen
Megadeth; Metallica; Slayer; Testament; Overkill; Exodus; Annihilator; Flotsam And Jetsam; Exciter; Death Angel; Sacred Reich; Pantera; Heathen; Vio-Lence; Forbidden; Evile; Kreator; Destruction; Sodom; Tankard; Metal Church; Artillery; Lost Society; Suicidal Tendencies; Dark Angel; Armored Saint; Corrosion Of Conformity; Exumer; Anvil; Municipal Waste; Hirax; Whiplash; Warbringer; Gama Bomb; Lääz Rockit; Coroner; Anacrusis; Nuclear Assault; S.O.D.; M.O.D.; Iron Maiden; Judas Priest
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