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Blood Red Shoes - Stay lonely

Blood Red Shoes- Stay lonely

Jazz Life / V2 / Bertus
VÖ: 18.09.2026

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Zweifelnde Zwillinge

"We like traditional songs but not traditional sounds", verkünden Blood Red Shoes in der Promo zu "Stay lonely". Der Titel ihres nunmehr siebten Albums erinnert an "Get tragic", stilisiert die Band aber auch als Underdogs, als ewig Reisende, die sich die Allerwertesten abspielen (müssen), ohne jemals irgendwo anzukommen. Im gleichen Licht präsentieren sich Laura-Mary Carter und Steven Ansell gern auch mal auf Social Media. Muss jetzt die Emo-Polizei kommen? Und wie unkonventionell wollen sie dieses Mal werden? Das Brightoner Tandem hat sich bisher noch auf jeder Platte neu erfunden und ganz im Sinne des Eingangszitats durch geglückte Sound-Experimente überzeugt, ob nun mit elektronischerer Schlagseite oder auch morbid-faszinierenden Geisterbahn-Vibes auf "Ghosts on tape". Auf "Stay lonely" wirken Blood Red Shoes zum ersten Mal ein wenig ratlos.

"Get back into myself" mit verfremdeter Quietschgitarre als Hook bietet einen coolen, nicht-traditionellen Sound, hat als Song aber nicht allzu viel zu erzählen. In Sachen Produktionsentscheidungen setzen Ansell und Carter auf allerlei Störfeuer und bewegen sich teilweise in Richtung Glitch. Auch "Don't say a word" knistert, knackt und zischt, Beat und Melodie rufen Chvrches ins Gedächtnis – oder auch, na ja, Schlager. "Two weeks" ist ein wiederholtes Stöbern in Depeche-Mode-artigen Synth-Rock-Sphären, während das desillusionierte "2020 on TV" auf einem elektronischen Loop fußt, den auch neuere Bloc Party so einsetzen würden. Die Engländer*innen erfreuen sich an allen möglichen technischen Spielereien, was bei einer Duo-Besetzung (zumindest abseits der Bühne) ja absolut nicht die schlechteste Idee ist. Die Inspiration scheint aber nicht zwangsläufig in jede der Kompositionen geflossen zu sein.

Denn ein nicht unerheblicher Teil von "Stay lonely" hängt im lakonischen Midtempo fest, was gerade auch Carters desinteressierte Vocals nicht besser machen. "Screams" als eine Art übersteuernder Britpopper hat da einfach mehr Energie und schaut nicht so bedröppelt aus der Wäsche. Dass dieser simple und alles andere als unkonventionelle Song am Ende heraussticht, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Auch das düstere "Start to end" channelt den Druck, den Blood Red Shoes schon immer am besten konnten, und schmeichelt noch dazu dem Band-Set-up, wenn Carter und Ansell sich stimmlich immer weiter einander annähern. Musiker*innen wie zweieiige Zwillinge. Die größte Merkwürdigkeit des Albums ist derweil der Psycho-Chanson "Grande valse", der aber leider nirgendwo hinführt.

"I never really understand why I feel so sad / Maybe it's me / Just getting old": Es war einmal unvorstellbar, dass Blood Red Shoes so etwas je passieren könnte. Der passende Song zu diesen Lyrics, "Useless sentiment", ist allerdings wesentlich besser gelaunt als vieles andere auf "Stay lonely" und klettert auch mit einer dieser kleinen gemeinen Melodien ins Ohr, die die Band schon so oft gekonnt im Krach versteckt hat. "Take me out to the sea", fleht Carter schließlich in "Fire on water" und schlägt damit die Brücke: Wo es einst zu langweilig geworden war, liegt nun ein Versprechen in der Luft. Vielleicht jenes, auch auf weiteren Alben in bislang unentdeckte Gefilde vorzustoßen und wieder andere stilistische Verrenkungen in Angriff zu nehmen? Es wäre dann durchaus zu verkraften, dass Blood Red Shoes, bisher Garant*innen für einen Treffer nach dem anderen, ausnahmsweise einmal mit angezogener Handbremse unterwegs waren.

(Ralf Hoff)

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Highlights

  • Screams
  • Useless sentiment
  • Fire on water

Tracklist

  1. Start to end
  2. Get back into myself
  3. Don't say a word
  4. Screams
  5. Two weeks
  6. 2020 on TV
  7. The reader is a deceiver
  8. Useless sentiment
  9. Grande valse
  10. Fire on water

Gesamtspielzeit: 31:07 min.

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User Beitrag

Thanksalot

Postings: 642

Registriert seit 28.06.2013

2026-09-21 13:51:01 Uhr
Dem kann ich mir nur anschließen, die Rezension spricht mir aus der Seele. Habe es bisher nur zweimal gehört und es sind definitiv gute Songs zu finden, aber es fällt schwer, sie auseinanderzuhalten.
Die Produktion gefällt jedoch wieder. Ähnlich der letzten beiden Alben, aber es wird weniger herumexperimentiert. Eher wird ein Schritt in Richtung Vergangenheit getan. Wer weiß, vielleicht wird das nächste Album dann wieder etwas puristisch wie die s/t von 2014.
Ich höre es noch ein paar Mal, vielleicht nehme ich auch gleich noch ein Konzert mit.

noise

Postings: 1226

Registriert seit 15.06.2013

2026-09-21 00:41:59 Uhr
Irgendwie können sich die Songs nicht zwischen Pop und Rock entscheiden und trudeln dann im Midtempo durch. Bleibt auch nicht viel hängen. Ist auch so eine Band die man hören kann aber nicht muss.

Enrico Palazzo

Postings: 10632

Registriert seit 22.08.2019

2026-09-20 19:50:33 Uhr
Ich bin da vollkommen bei Ralf Hassel The Hoff. Bissi viel langweiliger Midtempo.

oldschool

Postings: 1324

Registriert seit 27.04.2015

2026-09-20 19:44:46 Uhr
Nach der etwas ernüchternden Kritik finde ich das Album besser als bewertet. Ein großer Wurf ist es nicht geworden, recht kurz gehalten und große Hymnen sind auch nicht dabei. Hatte ich aber ehrlich gesagt auch nicht erwartet.
Es ist etwas poppig geworden (Don't say a word - andere nennen es Schlager) Midtempo? Hmmm im Vergleich zu den Songs früherer Alben vielleicht schon. Aber die gingen zum Teil ja auch ganz gut nach vorne los.
Ehrlich gesagt ist vom letzten Album (und auch etwas vom vorletzten) bei mir nicht viel hängen geblieben. Ob man von der Band nochmal so ein hingerotzes Album wie zu den Anfangstagen erwarten kann? Ich weiß es nicht. Dennoch finde ich das Album nicht so bemüht und gewollt, wie der Output zuvor.
Kann man gut durchhören. Tendier ezu ner knappen 7

MickHead

Postings: 16248

Registriert seit 21.01.2024

2026-09-18 19:57:06 Uhr
Jetzt auch komplett bei Bandcamp:

https://bloodredshoes.bandcamp.com/album/stay-lonely-2

Visions 8/12

FRONTSTAGE MAGAZINE 8.3 /10

https://frontstage-magazine.de/2026/09/13/review-blood-red-shoes-stay-lonely/

SOUNDS & BOOKS

https://www.soundsandbooks.com/blood-red-shoes-stay-lonely/
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