Mine - Killer
Edel / Recordjet
VÖ: 04.09.2026
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
Sie hat sich's verdient
"Comedyclips" nennt der SWR in einem Artikel die kurzen Videos, die Mine seit einigen Monaten erstellt und als Reels auf Instagram teilt. Darin lässt sie Originalausschnitte laufen, in denen prominente Männer misogyne und frauenverachtende Statements vom Stapel lassen, und spricht das Gesagte mit meist stoischer Miene synchron mit. Das Konzept ist so simpel wie genial und entlarvt, dass Alphamann-Ideologien nicht erst von Andrew Tate und Konsorten erfunden wurden. Die Videos beweisen außerdem, dass Mine sich nicht darauf beschränkt, Musik zu machen und nur in ihren Songtexten Ansichten zu Politik oder Gesellschaft zu teilen. Für ihr neues Album "Killer" sind die Clips die perfekte thematische Vorlage.
Toxische Beziehungen und Gewalt sind der blutig-rote Faden des Albums, selten jedoch so explizit wie im Titeltrack: "Ich bin am Boden, Du bist über mir / Bitte erzähl mir nicht, wie es war", singt Mine und der Song entfaltet, getragen von Streichern und elektronischen Klängen, eine intensive Wucht. Die 40-Jährige ist eine Meisterin darin, Gefühle und seelische Konflikte einzufangen, ohne in die Kalenderspruch-Falle zu tappen. Es ist eigentlich ein Wahnsinn, dass Mine hierzulande nicht auf demselben Podest steht wie Raye oder Rosalía in ihren Heimatländern. Kaum ein Artist in diesen Gefilden ist so wandlungsfähig und kreativ und liefert seit Jahren auf ähnlich hohem Niveau ab. Mit "Killer" veröffentlicht die akribische Wahl-Berlinerin ihr stimmigstes Werk – so far.
Das Album klingt wie das Destillat ihres bisherigen Schaffens: Der poetische Abgesang "Ohne Dich" erinnert an das Debüt, das unterkühlt-elektronische "Bild von mir" an "Das Ziel ist im Weg". Und bei "Dunkel intro" taucht ein imposanter Chor auf, der den Bogen zu "Danke, gut" vom 2024 erschienenen "Baum" schlägt. Beim so stimmungsvoll eingeleiteten Weltuntergangs-Track "Dunkel" stolpert der Gesang gekonnt am Beat vorbei und ahmt einen Leierkasten nach. Die häufig eingesetzten Stimmverzerrer und verfremdeten Vocals ergänzen die Inhalte, wie beim beklemmenden "Gegen die Wand". Eine Frau beschreibt, wie sie in ihrer Wohnung ausharrt, während vor der Tür der Ex-Partner wütet. Im Gegensatz dazu steht die Hyperpop-Nummer "Oxytocin", die ganz selbstbewusst sexuelle Selbstbestimmung ausformuliert: "Was ich von Dir haben will, ist Oxytocin / Du machst es gut und ich hab's mir verdient."
Bereits im Dezember 2025 kündigte Mine an, dass sie nach ihrer nächsten Tour eine "kleine Pause" einlegen werde. Womit sie wohl die Auszeit füllen wird? Vielleicht reist sie um die Welt, wahlweise auf der Suche nach abgefahrenen Musikinstrumenten oder extravaganten Brillen? Oder sie feilt weiter an ihren Akrobatikkünsten, mit denen sie neuerdings bei ihren Live-Shows das Publikum in Staunen versetzt. Dass sie ins Comedy-Fach wechselt, darf an dieser Stelle aber wohl ausgeschlossen werden.
Highlights
- Lichter aus
- Relativ
- Killer
- Ohne Dich
Tracklist
- Dicht
- Lichter aus
- Einig
- How
- Bild von mir (feat. Eleo)
- Dunkel Intro
- Dunkel
- Relativ
- Bis einer weint
- Killer
- Oxytocin (feat. Lionstorm)
- Gegen die Wand
- Eattherich
- Ohne Dich
Gesamtspielzeit: 31:18 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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Edrol Postings: 753 Registriert seit 19.10.2018 |
2026-09-09 23:27:44 Uhr
Schön, dass es diesmal zum Album der Woche gereicht hat. Bereits die beiden Vorgänger waren sehr gut, "Killer" ist nun aber wirklich von Anfang bis Ende ohne Makel. Großartige Künstlerin. Könnte für mich sogar zu einer 9/10 anwachsen, der Albumfluss ist perfekt. |
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Thom73 Postings: 13 Registriert seit 06.02.2021 |
2026-09-05 12:00:53 Uhr
Danke für das AdW - hab Mine vorher noch nie gehört - und die Zeit bis zum Release mit Baum gefüllt - gefällt sehr gut - mal schauen, wie es mit Killer läuft 😊 Zürich darf gerne noch zur Tour hinzugefügt werden! |
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n00k Postings: 306 Registriert seit 26.01.2021 |
2026-09-04 23:14:40 Uhr
Kurz sind vor allem einfach mal alle Tracks |
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Furchtbonbon Postings: 140 Registriert seit 12.01.2023 |
2026-09-04 17:14:13 Uhr
Ich fand Baum auch etwas kurz, aber nie langweilig und dann doch stimmig. Ich werde mir Killer dann doch mal bald zulegen und ich freu mich drauf :) |
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Das Hü Postings: 5 Registriert seit 03.06.2020 |
2026-09-04 17:05:05 Uhr
Wieder ein sehr gutes Album von ihr. Leider viel zu kurz, aber seltsamerweise fällt das eigentlich bei keinem einzigen Track negativ auf. |
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Referenzen
Sophie Hunger; Balbina; Kat Frankie; Charlotte Brandi; Cäthe; Rosalía; Ebow; Ami Warning; Alin Coen; Blond; Catt; Paula Hartmann; Mola; Raye; Caroline Polachek; Lucie Antunes; Steiner & Madlaina; Gwen Dolyn; Kapa Tult; Ätna; Resi Reiner; FKA Twigs; Lorde; Agnes Obel; Laing; Lionstorm; Austra
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