Listen




Banner, 120 x 600, mit Claim


Personal Trainer - Human assholes

Personal Trainer- Human assholes

Bella Union
VÖ: 04.09.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Warum in die Ferne schweifen?

Mal angenommen, man stünde so richtig auf ein anmachendes, dynamisches und abwechslungsreiches Amalgam aus unausgeschlafener Slackermusik und gitarrenbetontem (im Zweifelsfall gerne Akustik- gegenüber E-Gitarre im Vordergrund) Alternative Rock? Na, da würde man doch zunächst nach Großbritannien und in die Vereinigten Staaten von Amerika blicken. Jaja, alles nicht falsch – aber direkt hinter der deutschen Landesgrenze findet sich mit Personal Trainer tatsächlich eine Formation, die genau die genannten Genres mit massiver Spielfreude, stupender Originalität und noch dazu ausgereiftem Songwriting bedient. "Human assholes" ist das nunmehr dritte Album der Niederländer – und nachdem die ersten beiden Scheiben hier bisher durchgerutscht sind, soll nun aber wirklich mal eine Lanze für das Œuvre der Herren rund um Frontmann Willem Smit gebrochen werden.

Denn: Diese 15 Tracks machen richtig, richtig Spaß! "Scrambled egg" und "The Burrows" zum Beispiel stolpern wie ein leicht trunkenes, zugleich perfektes Zwitterwesen aus Pavement, Dinosaur Jr. und Radiohead daher (vor allem "The Burrows" erinnert an "Karma police"), "Punch drunk love" überrascht mit kratziger Violine, bekifften Querflöten und reichlich überraschenden Akkordwechseln – und "Bone" ist dann die erste echte Überfliegernummer des Albums: Das könnte glatt der beste Song sein, den die Pixies nie geschrieben haben; Frank Black dürfte vor Neid erblassen. Anders als die vorgenannten Bands erlauben sich Personal Trainer aber auch reichlich Exkursionen in andere Genres: So besticht "Moping" durch hochpräzise-feinnerviges Schlagzeugspiel, ausgefeilte Terrassendynamik – und nicht zuletzt den beherzten Einsatz von Synthies, um die Refrains zusätzlich geschickt anzudicken. "Hole" wiederum zeigt sich herrlich abgedreht und wechselt zwischen Flamenco-Rhythmik nach Art von den Gipsy Kings und wildgewordenen Gitarren-Schlagzeug-Ausbrüchen à la Deerhoof. Komplett irre. Auch der Titeltrack ist ein echter Bastard: Zunächst wechselt Willem Smit zwischen knarzendem Bariton und quengelnder Kopfstimme hin und her, untermalt von irisierend-rhythmischen Akustikgitarren, bevor der Song ausfasert und sich in synkopischen Drums und schrägen Sounds verliert.

Kann man dem Album irgendwas vorwerfen? Nun, es enthält drei weniger als 30 Sekunden lange Filler Tracks, auf die man streng genommen auch hätte verzichten können. Doch am Ende bleiben auch dann noch zwölf geile Nummern übrig. Man könnte auch kritisieren, dass insbesondere Pavement hier schon sehr stark als Inspiration durchscheinen. Andererseits: Das ist ja nicht verboten – und wenn dieser spezielle Sound, der immer zwischen Schluffigkeit und zornigem Ausbruch oszilliert, nicht nur gekonnt emuliert, sondern kongenial aufgegriffen und erweitert wird, dann schafft das am Ende einen eigenen Wert. Anders gesagt: Man kennt von Stephen Malkmus und den Seinen nicht wenige Songs, die deutlich schlechter geraten sind als das, was Personal Trainer über weite Strecken abliefern. Eines bleibt, eines steht fest: Das ist eine geile, kraftvolle, originelle Platte, die sich nachhaltig im präfrontalen Kortex verankert, auch über einen längeren Zeitraum trägt – und noch dazu macht sie reichlich Vorfreude auf die drei Live-Gigs, die die Holländer im Oktober und November dieses Jahres in Deutschland absolvieren werden. Der Kauf von Tickets kann an dieser Stelle vorbehaltlos empfohlen werden.

(Jochen Reinecke)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen bei Amazon / JPC

Highlights

  • Scrambled egg
  • Bone
  • The Burrows
  • Human assholes

Tracklist

  1. Marvin's curtain up
  2. Scrambled egg
  3. Punch drunk love
  4. Bone
  5. Moping
  6. Places!
  7. The Burrows
  8. Barely Guillaume
  9. Hole
  10. Human assholes
  11. Rim shot / event horizon
  12. Tempo
  13. Tyres skid
  14. Object permanence
  15. Letter from the scentless realm

Gesamtspielzeit: 49:35 min.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify