Culk - Smogstar
Siluh / Cargo
VÖ: 04.09.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
Teile des Ganzen
"Is my heart full? Is my heart numb? Did we just start, or am I done?" Eine Verwirrung, der man wohl nur mit Weiterentwicklung und der Flucht nach vorn begegnen kann. Die Österreicher*innen Culk um Sophie Löw aka Sophia Blenda haben sich ihre Plattensammlungen noch mal genauer angehört, um Einflüssen Raum zu geben, die in ihrer Musik bisher noch nicht so stark zu Tage getreten sind. Heißt: weniger Diffuses, weniger Wave, stattdessen (noch) mehr dichte Gitarrenwände – aber vor allem Tempo, Riffs und Rock. Das Gerüst der Single "Twenty, eighteen", deren Titel sich auf das Gründungsjahr der Band bezieht, klingt unterhalb von Löws charakteristischem Gesang eins zu eins nach einem flotten Sonic-Youth-Track aus den Neunzigern. Auch der zwischenzeitliche Switch ins Englische ist nach zwei gänzlich deutschsprachigen Platten zunächst ungewohnt, passt aber genauso gut zum einzigartigen, leicht leiernden (lieb gemeint!) Duktus der Sängerin. Ganz "Smogstar", das vierte Album der Band, hat einen dezent verschobenen Ansatz. Dem Culk allerdings mit Bravour Ausdruck verleihen.
Vor allem sorgt er für eine erfrischende Eindeutigkeit, ohne dadurch an der Oberfläche kleben zu bleiben. Die soziologische Schwere, die Werke wie "Zerstreuen über Euch" auszeichnete, weicht ein Stück – und es wird privater. Besonders deutlich wird das in "Kaputte Speaker", das so klingt, als hätte man "Echolot" von Wir Sind Helden ins Emo-Ferienlager geschickt. Erinnerungen an eine Jugendliebe und grenzenlose Sehnsucht verwandeln sich in eine riesige Hymne: "Neben Dir bleibt niemand allein." Eingängig, monumental. Auch "Weiß nur wer ich nicht bin", das schließlich in meterhohem Shoegaze zerfließt, sucht nach seiner heranwachsenden Identität: "Frankensteins Kind / In Stücke zerrissen / Von Neuem genäht." Grandioses Coming-of-age im dunklen Schlafzimmer.
Gleichzeitig verortet "Smogstar" das Individuum weiterhin im großen Ganzen, im Makrokosmos: "Willkommen in der Stadt, mein Kind." Der Blick aus dem "7. Stock" nimmt seine Umgebung mit allen Sinnen wahr; zu windschiefen Akkorden ergibt sich "Im Strom" ganz dem verführerischen Ruf der Anonymität. Culk widmen ihre Aufmerksamkeit weiterhin dem Komplizierten und den gesellschaftlichen Schattierungen, sodass es sich bemerkbar macht, wenn "Die Welt in Kreisen" eine auffällige Sonnigkeit hereinbringt. Die aber trotzdem klare Kante zulässt: "Ich lasse mich fallen / Ich will nichts und niemandem gefallen / Eure Parolen verhallen." Die namenlose weibliche Hauptfigur der "Smogstar"-Chroniken, die auch als von Löw selbst designtes, Manga-artiges Artwork das Albumcover ziert, zeigt Agency und Selbstbestimmung. Die Wiener*innen erschaffen ihr ein ganz eigenes Worldbuilding, in dem sie agieren kann. "Bin ich schon, wer ich bin, oder noch Erzählerin?"
Schon im Drangsal-Feature "Mein Mo(nu)ment" hat Löw 2025 einen schmissigen (Düster-)Rocksong veredelt – führt man sich nun "Smogstar" zu Gemüte, lässt sich das durchaus als Vorzeichen deuten. Culk bauen ihren Sound aus, ohne die liebgewonnenen Markenzeichen fallen zu lassen; Stücke wie "Siren" entwickeln dadurch einen mitreißenden Drive, der die Stärken der Band um eine glanzvolle zusätzliche Komponente ergänzt. Denn aller Zweifel zum Trotz ist Identität am Ende maßgeblich im Werden begriffen. Sie entsteht in Wechselwirkung mit ihrem Setting und oft auch erst im Rückspiegel: "Sag mir, wo warst Du verborgen in all den Jahren? / Sekundenlang sind wir die, die wir mal waren."
Highlights
- Kaputte Speaker
- 7. Stock
- Weiß nur wer ich nicht bin
- Die Welt in Kreisen
Tracklist
- Kaputte Speaker
- 7. Stock
- Im Strom
- Twenty, eighteen
- Weiß nur wer ich nicht bin
- Willkommen in der Stadt
- Siren
- Die Welt in Kreisen
- Nordwind
- Das Schillern
Gesamtspielzeit: 33:12 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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n00k Postings: 306 Registriert seit 26.01.2021 |
2026-09-10 19:06:38 Uhr
Akustisch |
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Affengitarre User und News-Scout Postings: 12212 Registriert seit 23.07.2014 |
2026-09-10 18:05:41 Uhr
Akustisch oder inhaltlich? |
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n00k Postings: 306 Registriert seit 26.01.2021 |
2026-09-10 17:58:33 Uhr
Seit Generation Maximum verstehe ich ihre Texte leider so schlecht. Leider auch hier wieder. |
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nörtz User und News-Scout Postings: 18710 Registriert seit 13.06.2013 |
2026-09-10 16:49:03 Uhr
Komplettes Album live: |
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Affengitarre User und News-Scout Postings: 12212 Registriert seit 23.07.2014 |
2026-09-07 14:45:36 Uhr
Die vertrackten Drums bei „siren“ sind auch echt klasse. Viel zu entdecken. |
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Referenzen
Sophia Blenda; Sophie Löw; Sonic Youth; Slowdive; Lyschko; All Diese Gewalt; Bipolar Feminin; Die Nerven; Messer; Kreisky; Karies; Klez.E; Friends Of Gas; International Music; The Düsseldorf Düsterboys; Kaufmann Frust; Der Ringer; Die Arbeit; Fehlfarben; Cocteau Twins; Drangsal; Gewalt; Die Verlierer; Nils Keppel; Die Heiterkeit; Ja, Panik; Christin Nichols; Isolation Berlin; Wir Sind Helden; Nichtseattle; The Cure; Joy Division; Wire; Gang Of Four; Mission Of Burma; Kim Gordon; Unhappybirthday; Mojave 3; My Bloody Valentine; Ride; Lush; Galaxie 500; The Jesus And Mary Chain; Spacemen 3; Pale Saints; X-mal Deutschland; Siouxsie & The Banshees; Mazzy Star; Swirlies; Julie; Juli
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