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Arab Strap - Half-told tales

Arab Strap- Half-told tales

Rock Action / Integral
VÖ: 04.09.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Alles muss drauf

"The last thing we wanted to be was one of these heritage bands that just keep touring old records." Zehn Jahre nach dem Comeback von Arab Strap lässt sich dieser von Aidan Moffat formulierten Mission ein glasklares "erfüllt" attestieren. Seit "As days get dark" haben sich die Schotten zwar nicht komplett neu erfunden, aber ihren nachtwandlerischen Indie-Rock um so viele Facetten erweitert, dass es fast wie eine zweite Diskografie wirkt. "Half-told tales" treibt diese künstlerische Freiheit auf die Spitze. Nach eigener Aussage haben Arab Strap auf der 14 Tracks starken Platte diesmal alle Songs aus den Aufnahmesessions untergebracht, und auch stilistisch halten sie nichts zurück. Moffats wie üblich mit herrlichstem Akzent vorgetragener Sprechgesang vereint sich mit Disco-Rhythmen gleichermaßen symbiotisch wie mit folkigen Zärtlichkeiten und teils überraschend harten Riffs, was dieser knappen Stunde misanthropischer Musik den notwendigen Abwechslungsreichtum schenkt.

Inhaltlich geht es in diesem Sinne wieder düster zu, allerdings nicht ohne Auflockerung. Moffats Texte kreisen längst nicht mehr um das eigene, in Alkohol und romantischer Verzweiflung ertränkte Elend, sondern haben die ganze Gesellschaft im Blick. Da sieht es zugegebenermaßen nicht gerade rosiger aus, doch wollten Arab Strap diesmal auch Optimismus und Humor vermitteln – was sich oft besonders im Zusammenspiel von Musik und Lyrics zeigt. So sehnt sich Moffat im eröffnenden "I get noise" nach nichts anderem als Seelenruhe, während um ihn herum der Lärm mit Schepper-Drums, aufgeputschten Saiten und freidrehendem Saxofon tobt. "Be a man" hält seine Reflexionen über Geschlechterbilder wiederum mit Drumcomputer- und Piano-dominierter Sanftmut fest, womit das Stück seine Haltung zu stereotypischer Männlichkeit bereits ohne Worte verdeutlicht. Dass Arab Strap auch anders können, zeigt gleich im Anschluss das famose "Fighting for you", das mit angemessen wütendem Drive gegen rechte Volldeppen schießt.

Nicht nur hier entfaltet sich "Half-told tales" als ein Album der Kontraste. Neben solchen schroffen Ausbrüchen stehen die Momente, in denen das Duo den zuletzt entdeckten Pop in den Vordergrund rückt. "You you you" pumpt als mächtiger Synth-Dampfer durch den Morast – zu Beginn noch etwas schwerfällig, im weiteren Verlauf aber zusehends intensiver, wenn weitere instrumentale Schichten samt Malcolm Middletons Gitarrenwirbeln dazukommen. Im dezent Trip-Hop-artigen "Gape" ringt sich Moffat eine Gesangsmelodie von seltener Klarheit ab, die sich zu einem hypnotischen Sog steigert. Auch ein Track namens "Sunsong" wäre zu Zeiten der "Fucking little bastards" noch kaum vorstellbar gewesen, doch im Jahr 2026 steht Arab Strap diese luftige Akustiknummer mit ihren gen Ende kurz aufflackernden Konservenstreichern so gut, als hätten sie nie etwas anderes getragen.

Geschenkt, dass der "Alles muss drauf"-Ansatz der Platte mit "Under offer" und "Mr. Splitfoot" auch zwei keineswegs schlechte, aber nicht zwingend notwendige Stücke abwirft – die Inspiration von Moffat und Middleton beeindruckt von Anfang bis Ende. Da poltert "Basic physics" mit scharfkantigem Bass los, nur um sich mit Piano-Anschlägen und eingängigem Gitarrenmotiv zur kleinen Hymne zwischen The-National-Gravitas und geschmackvoller Stadion-Geste zu formen. Ebenso unmittelbar nistet sich der perlende Slowcore von "Ampersand" im Ohr ein, das den schönsten Refrain des Albums knospen lässt. Als obligatorische Social-Media-Abrechnung nimmt das böse groovende "Glamour magick" Wellness-Absurditäten aufs Korn, ehe "Dollar park" zwischen Saxofon und fragilen Tasten die Verstärker aufdreht. Zum Abschluss liefert "Beats per minute" einen waschechten Plot-Twist, wenn sich seine physikalischen und biologischen Fakten als Kontext für eine an den eigenen Nachwuchs gerichtete Ode an die Flüchtigkeit entpuppen. Unter der miesepetrigen Oberfläche sind Arab Strap eben doch Menschenfreunde – und das hat sich im Wesentlichen seit 30 Jahren nicht geändert.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • I get noise
  • Fighting for you
  • Basic physics
  • Ampersand

Tracklist

  1. I get noise
  2. You you you
  3. Be a man
  4. Fighting for you
  5. Glamour magick
  6. Gape
  7. Under offer
  8. Basic physics
  9. Sunsong
  10. Dollar park
  11. Mr. Splitfoot
  12. Ampersand
  13. Fragments
  14. Beats per minute

Gesamtspielzeit: 56:04 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

oldschool

Postings: 1299

Registriert seit 27.04.2015

2026-09-10 08:29:16 Uhr
"Komisch. Der Vorgänger hatte mich komplett begeistert. Aber nun hab ich nicht mal Lust, ins neue Album reinzuhören."


Hmmm...ging mir auch etwas so. Habe das Album nun erst gehört.
Ja- es ist zu lang und es sind auch einige nicht zwingend notwendige Songs auf dem Album. Songs, bei denen nicht viel passiert und die mich langweilen.

Natürlich hat das Album auch viele große Songs. Tolle Songs. Wenn ich aber bedenke, wie oft ich damals "As days get dark" gehört habe, dann hält sich die Begeisterung in Grenzen. Liegt nicht unbedingt an den Songs, vielleicht hab ich grad auf Anderes mehr Bock. Aber scheint einigen so zu gehen....

Blanket_Skies

Postings: 703

Registriert seit 21.09.2013

2026-09-09 10:33:29 Uhr
Bisher waren Arab Strap immer eine Band, die stets zwei, drei gute Lieder pro Album für mich dabei hatten - Half-Told Tales nimmt mich vollkommen mit. Die Texte sind eh pures Gold und vielleicht sind die Instrumentale zugänglicher geworden oder abwechslungsreicher. In jedem Fall: Ich liebe es.

MickHead

Postings: 15424

Registriert seit 21.01.2024

2026-09-04 11:48:26 Uhr
Jetzt auch komplett bei Bandcamp:

https://arabstrapband.bandcamp.com/album/half-told-tales

MickHead

Postings: 15424

Registriert seit 21.01.2024

2026-09-04 09:58:04 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:

https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_ls3V8e4VnWOXcuEEJbF8NYwRr2AsPScpE&si=2bceDpVRJr2qfwAe

Rolling Stone 4/5

https://www.rollingstone.de/reviews/arab-strap-half-told-tales-review/

Gaesteliste de: Platte der Woche

https://gaesteliste.de/2026/09/04/review/arab-strap-half-told-tales/

MusikBlog

https://www.musikblog.de/2026/09/arab-strap-half-told-tales/

Visions 9/12

fakeboy

Postings: 6948

Registriert seit 21.08.2019

2026-09-03 08:37:47 Uhr
Komisch. Der Vorgänger hatte mich komplett begeistert. Aber nun hab ich nicht mal Lust, ins neue Album reinzuhören.
Zum kompletten Thread

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