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Dottie Andersson - Andersson funeral home

Dottie Andersson- Andersson funeral home

Royal Mountain / Bertus
VÖ: 04.09.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Grinsen nach dem Donner

Dottie Andersson ist eine faszinierende Person. Folgt man der Schwedin auf einschlägigen Social-Media-Portalen, versteht man viel und wenig zugleich – aber wird gut unterhalten. Die Songwriterin, Sängerin und Drummerin aus Småland tauft sich mal eben "Swedish drummer vampire, born at IKEA" und schnell ist klar, dass man an vieles, was die Dame so von sich gibt, ein überdimensionales Zwinker-Smiley dranheften darf: Nicht zuletzt verraten auch Albumtitel und Artwork: Ironie, Humor und Sarkasmus bilden eine wichtige künstlerische Klammer. Dabei hat Andersson wie viele andere junge Menschen bereits durchaus ernste Dinge erlebt. Zum Beispiel ein nennenswertes Alkoholproblem schon in jungen Jahren überwunden. Das abrupte Ende der letzten Paarbeziehung, ihrer ersten großen Liebe, hingegen noch nicht.

Und weil das Verarbeiten Zeit braucht, die Selbstfindung und Neujustierung ein andauernder Prozess ist, liegt es recht nahe, dass die erste offizielle LP der Schwedin mit sehr persönlichen Emotionen und Texten aufwartet. Sich in eine Art bittersüßen Sog ziehen zu lassen, sich in Traurigkeit zu üben, kann karthatische Wirkung haben, das offenbart die junge Singer-Songwriterin im melancholischen Quasi-Opener "I love being sad". Auf gerade mal knackige 2:15 Minuten modernen Pop bringt es "Only metaphorically", doch im Kontext von "Andersson funeral home" klingt das Stück auch nur bedingt optimistisch, denn schließlich fehlt der Verflossene bei so ziemlich allem, was man tut. Und irgendwann kommt die Gewissheit, dass es kein Zurück gibt, wie das pointierte "I leave the party" festhält: "I know I can't change a heart of stone."

Andersson schreibt die Songs selbst, verfeinert werden ihre Skizzen vom Multi-Instumentalisten Ben Jackson Cook, der auch Gitarrenparts und Keyboard-Sounds beisteuert. Und für Variation sorgt. Hier sticht "Marlow first" hervor, das gewissermaßen die Trotzphase im Prozess der Gesundung abbildet und sowohl auf einem feinen Beat daherkommt als auch vor dem Refrain leicht verzerrte Gitarren raushaut. Das vermutlich kurioseste und eingängigste Stück schrieb Andersson, während sie eines Abends ein wenig abewesend und verträumt durch einen Berliner U-Bahnhof schlenderte. "Wind that makes the subway sound" will zumindest so gar nicht mehr aus den Hörwindungen verschwinden. "Whoo whoo!"

Bei allem sauren Schmerz, bei aller süßen Verspieltheit und Introvertiertheit ihres extrem melodischen Indiepop-Sounds schreibt die Schwedin nicht nur schöne Songs, sie pinselt auch einige kluge Sätze an die Wände, die den Aufbruch zu Neuem wiederspiegeln, die ein Kapitel des Nach-vorn-Blickens zeichnen. Mit den Zeilen "Wishful thinkin' / Is making life worth living" in "Wash my hair" zeigt Andersson eindrucksvoll, das Imagination und der Blick für Schönes, das kommen mag, ebenfalls bewegend sein kann. Zu dem Stück sagt sie: "Was könnte näher, ja intimer sein, als jemandem die Haare zu waschen!?" Zuversicht rückt auch der einzige schwedischsprachige Titel der Platte in den Fokus: "Skrattar när det åskar" bedeutet so viel wie "Lacht nach dem Donner". Und da Selbstmitleid auf Strecke zwar zur seelischen Heilung beitragen kann, Selbstbeerdigen allerdings keine Option ist: Was bleibt uns anderes übrig?

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Wash my hair
  • Wind that makes the subway sound
  • Only metaphorically
  • Marlow first

Tracklist

  1. Andersson's sermon
  2. I love being sad
  3. Wash my hair
  4. Wind that makes the subway sound
  5. Only metaphorically
  6. Marlow first
  7. Who wants to love me
  8. Ipecac
  9. Skrattar när det åskar
  10. Scandi underground
  11. Andersson's hmyn

Gesamtspielzeit: 36:11 min.

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User Beitrag

Vive

Postings: 1623

Registriert seit 26.11.2019

2026-09-08 13:29:12 Uhr
es erinnert mich auch an das unter dem radar geflogene album "june" von julia marcell. da schwingt ein ähnlich freier studio-spirit mit.

Vive

Postings: 1623

Registriert seit 26.11.2019

2026-09-08 13:25:22 Uhr
"only metaphorically" hat nen chorus for the ages, schade dass sie es mit 2:16 dauer nur als diddy abgetan haben, den hätte man nochmal sowas von ausbauen können. aber halt spotify age - repeats are everything

Vive

Postings: 1623

Registriert seit 26.11.2019

2026-09-02 14:12:16 Uhr
der kate nash vergleich trifft es ziemlich. die songs haben harmonien, denen ich nicht so richtig widerstehen kann.
mal schauen ob genug substanz am start ist für meinen anspruchsvollen geschmackssinn

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 31088

Registriert seit 08.01.2012

2026-09-01 22:38:10 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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