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Mastodon - Marrow deep

Mastodon- Marrow deep

Concord / Universal
VÖ: 28.08.2026

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Leid und Wucht

Düstere Zeiten liegen hinter der Band Mastodon. Wieder einmal. Denn tragische Verluste im Umfeld der Musiker waren schon zuvor regelmäßig Thema in den Songs. Nach der Veröffentlichung des ausufernden Doppelalbums "Hushed and grim" im Jahr 2021 hatte die Formation aus Atlanta zunächst den bewährten Rhythmus fortgeführt, diverse Liveauftritte bestritten und sich munter durch den inzwischen gewaltigen Output gespielt. Hässlich wurde es dann 2025, als die Trennung vom langjährigen Gitarristen Brent Hinds zunächst für Schlagzeilen und schließlich für schmutzige Wäsche sorgte – inklusive despektierlicher Äußerungen des nunmehr Ex-Bandkollegen. Tragisch wurde es kurze Zeit später. Hinds kam noch im selben Jahr bei einem Verkehrsunfall ums Leben, zudem verstarb die Mutter von Schlagzeuger Brann Dailor. Einmal mehr musste bei Mastodon also die Musik als Therapie herhalten: Vorhang auf für "Marrow deep".

Die US-Amerikaner gehen dabei direkt in die Vollen. "Barbarians blood" ist ein herrlich verschachtelter Auftakt, der mit den bewährten Tempovariationen beeindruckt. Eine Konstante im Band-Universum überzeugt auch hier: Troy Sanders und Dailor wechseln sich in Sachen Gesang ab und sorgen für einen enormen Wiedererkennungswert. Eine Art proggige Heaviness zeichnet den Opener aus, der die Erwartungshaltung an alles Weitere in enorme Höhen treibt. Und das Quintett, dem als festes Mitglied auch Keyboarder João Nogueira und als Neuzugang Gitarrist Nick Johnston angehören, liefert in der Folge gehörig ab. "Poisonous weapons" schwankt zwischen kerniger Wucht und entspannter Fluffigkeit samt großem Moment in seiner zweiten Hälfte. Was das Songduo zu Beginn des Albums ebenso auszeichnet wie den überwiegenden Rest: Die Stücke enthalten so viele Details und kleine Ideen, dass die Freude an Entdeckungen so rasch nicht enden wird.

Auch "Your ghost again" ist dafür ein exzellentes Beispiel, das zudem einmal mehr beweist, wie gut die Stabübergabe zwischen den beiden Männern an den Mikrofonen aufeinander abgestimmt ist. Bei "Snakes for dinner" kommen die klaren Gesangsspuren mehr zur Geltung, zudem bleibt viel Raum für ein ausgiebiges instrumentales Austoben. Damit nicht genug: Kein Geringerer als Josh Homme ließ sich im Studio blicken und steuerte bei diesem groovigen Fünfminüter Gastvocals bei. "Out like a lamb" folgt als verspielte Nummer, bei der mal hier und mal dort clevere Details durchscheinen. Und auch bei Track Nummer sechs kommt man um eine explizite Erwähnung nicht herum, denn "In the ruins" wählt zunächst einen eher entspannten Einstieg, schaltet dann in den Attacke-Modus und wartet nach stilvollem Geballer als besonderes Schmankerl mit einem Riff aus dem Gitarren-Himmel auf.

Diese ersten sechs Songs sind eine uneingeschränkte Freude, und es ist angesichts der herausragenden Güte absolut verzeihlich, dass "They're coming for you" als Startschuss für die zweite Hälfte dieses Niveau tatsächlich nicht ganz halten kann. Der munter vorwärtsdrängende Groover hat dennoch seine Qualitäten, was auch für das folgende "Golden spires" mit seiner Tempoverschleppung und einem feinen Gitarrensolo gilt. In der Folge toben sich Mastodon in "Moth and bone" mit der Gewalt einer Wuchtbrumme aus, liefern mit "A vampire's demeanor" einen weiteren Trademark-Song und führen die ganze Chose zu einem exzellenten Ende, das im Longtrack "The three fates" gipfelt. Die Mitwirkung von Josh Homme ist übrigens bei Weitem nicht der einzige Gastauftritt auf "Marrow deep": Mit an Bord sind auch Neil Fallon von Clutch, Converge-Drummer Ben Koller sowie dessen Bandkollege Nate Newton, Randy Blythe aus dem Hause Lamb Of God, Geezer Butler, der einst den Bass bei Black Sabbath bediente, und Gojira-Sänger Joe Duplantier. Große Namen zu Gast bei einer Band, die selbst längst zu den Größten zählt. Und die bei aller Tragik vor Lebendigkeit strotzt.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights

  • Barbarians blood
  • Your ghost again
  • In the ruins

Tracklist

  1. Barbarians blood
  2. Poisonous weapons
  3. Your ghost again
  4. Snakes for dinner
  5. Out like a lamb
  6. In the ruins
  7. They're coming for you
  8. Golden spires
  9. Moth and bone
  10. A vampire's demeanor
  11. The vanishing
  12. The three fates

Gesamtspielzeit: 65:43 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

kiste

Postings: 394

Registriert seit 26.08.2019

2026-09-05 17:43:39 Uhr
Ich habe mich jetzt ziemlich lang mit dem Album beschäftigt. Die anfängliche Euphorie ist mittlerweile leider gewichen. Zunächst gefiel mir sehr gut, wie frisch das Album klingt. Sei es die Produktion, die Spielfreude (vor allem wieder die Drums) und die neuen Elemente wie mit den Gastsängern, verstärkter Keyboardeinsatz. Mittlerweile macht sich bei mir immer mehr die Langweile beim Hören des Albums breit. Ich vermisse diese chaotischen Momente der ersten 4 Alben sehr. Mit Hushed & Grim hatten Mastodon die recht klassischen Rockstrukturen eigentlich in meinen Ohren genug ausgelotet. Da habe ich für mich irgendwie was progressiveres vom neuem Album erhofft. Wobei die 2te Hälfte des Album da schon interessante Momente imho hat, doch kehrt auch hier schnell ein einerlei für mich ein. Ich werde jetzt mal eine Weile mit dem Album passieren und später wieder reinhören, vielleicht zündet dann erneut die Euphorie!?
Dennoch freue ich mich für die Band, dass das Album so gut ankommt und auch erfolgreich zu sein scheint.
P.S.: Geht es nur mir so mit den Gastauftritt von Josh Homme so, dass ich da nur Genuschel verstehe und kaum die Lyrics?

fuzzmyass

Postings: 23067

Registriert seit 21.08.2019

2026-09-05 15:01:48 Uhr
Gestern Abend das Wochenende eingeleutet, in dem ich Emperor Of Sand, Cold Dark Place, Hushed & Grim und Marrow Deep hintereinander weggehört habe... Marrow Deep wächst etwas und macht schon richtig Spaß, es schälen sich Peu a peu einige Highlights raus.... allerdings sehe ich auch die Hushed & Grim ziemlich gut und unterbewertet - ist etwas zu lang, aber schlechte Songs sind nicht drauf und die Highlights sind richtig klasse... sehe Hushed und Marrow auf einem recht ähnlichen Level, so im 8-8,5/10 Bereich...

Hierkannmanparken

Postings: 3385

Registriert seit 22.10.2021

2026-09-01 12:19:05 Uhr
"It’s not even that the songs are too long; other than “The Vanishing” and “The Three Fates,” nothing breaks the six-minute mark. It’s more that Mastodon seem to be leaning into the idea that dynamics can only be achieved when there’s a slow, pretty part to undercut each heavy riff."

Der Gedanke aus der Pitchfork-Rezi (6.9) bringt mein Problem mit Mastodon nach CTS auf den Punkt. Auch wenn es hier erstaunlich wenig stört. Dafür sind die Riffs in Snakes for Dinner oder In the Ruins einfach zu gut. Die Songs wirken auch insgesamt etwas organischer im Aufbau.

Insgesamt wird's bei mir aber eher die 7. Ich find's ein bisschen ermüdend, dass gefühlt jeder Song alle Mastodon-Gemütszustände abdecken muss. Wenn in Poisonous Weapons ab 1:44 die Wendung kommt, weiß man einfach, dass und welche Melodie Brann singen wird, bevor man's gehört hat.

fuzzmyass

Postings: 23067

Registriert seit 21.08.2019

2026-08-31 20:11:19 Uhr
"Eine kleine Kritik an der Produktion habe ich: der Bass ist zu leise."

Genau das - hatte ich vergessen zu schreiben... ist mir auch aufgefallen und ich hätte den Bass lieber präsenter

fakeboy

Postings: 6959

Registriert seit 21.08.2019

2026-08-31 20:09:41 Uhr
Eine kleine Kritik an der Produktion habe ich: der Bass ist zu leise.
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