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Nina Winder-Lind - Wild love

Nina Winder-Lind- Wild love

Transgressive
VÖ: 14.08.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Hörst Du die Stimme?

Wie vielen Menschen wohl schon der Zugang zu fantastischer Musik verwehrt geblieben ist, weil ihr Unterbewusstsein innerhalb weniger Sekunden eine Stimme abgelehnt hat, die weniger wie Butter ins Ohr fließt, sondern mit ein bisschen Gewalt in die Gehörgänge eindringen will? Die schwedische Musikerin Nina Winder-Lind hat ein solches Organ, das nicht jedermanns Sache ist. Die Gewalt, mit der sie arbeitet, ist aber nicht die Form von Metaltirade wie beispielsweise bei System Of A Down. Ihre Dringlichkeit manifestiert sich in der Mischung aus feministischen Zeilen, E-Gitarren, Keyboard, Cello und einem unbändigen Willen, rohe Emotionen über perfekte Gesangsmelodien zu stellen.

2025 dürften ein paar Menschen ihren Namen schon mal als Teil der Band The New Eves aus Brighton gelesen haben. Und auch auf ihrem Solodebüt "Wild love" gibt es Rockpassagen. Der Opener "Street hassle" baut sich mit Keyboard aber erst mal langsam auf, während eine Flöte im Hintergrund zittert. Langsam wird der Song mutiger, Winder-Lind greift in die Saiten und fragt, welche Rolle sie als Frau in dieser Welt spielt: "Cause if I'm not a little girl / I'm no madonna and no whore / How can I fit into this world?" Diesen Kurs setzt die herausragende Single "Girls" fort. Die angeschlagenen Tasten erinnern an Daniel Johnston, eine Posaune gibt Volumen, und zur E-Gitarre kommt auch noch das Cello dazu, das sie bei The New Eves gerne spielt. Sie macht klar, dass Mädchen genauso weinen und schön sein wollen können, wie sie jemandem den Schädel einschlagen können: "I didn't understand my power / Until I completely exploded." Der Song begann ursprünglich als Gedicht, denn Winder-Lind veröffentlicht auch Lyrik.

Eingespielt hat sie "Wild love" mit ihrer Live-Band, was man zum Beispiel in "Headfirst" hört, einem Indie-Rock-Song mit Gitarren-Solo, motiviertem Drumming und gemeinsamem Gesang am Ende. Einen besonders charmanten Titel trägt "Grandma & Robert De Niro", wo die Schwedin wie Amanda Palmer oder vielleicht sogar Nico klingt und im Vibrato die provokante Frage stellt: "Now if Bob Dylan were a woman / Would you still love him?" Darüber kann man gut beim minimalistischen Synthie-Walzer "Hymn" nachdenken, der sich Zeit für ein bezauberndes, anderthalbminütiges Instrumentaloutro nimmt. "Wild love" ist allerdings kein schweres, sondern ein lebensfrohes Album, wie die inbrünstigen "Lalala"s auf "You're not an angel" zeigen, das sich zweimal von klein zu groß aufbaut. Und im ruhigeren "Everything is about you" darf das Cello noch mal in den Vordergrund, eine Hammondorgel sorgt für zusätzliche Atmosphäre, und Kollegin Ella Oona Russell, die in vielen Songs eine große Unterstützung ist, bestärkt mit Hintergrundgesang.

Neben der erwähnten Single "Girls" wird aber besonders "Foremothers" in Erinnerung bleiben. Was langsam mit Gitarre und Gesang anfängt, wird immer mehr zum Grande Finale mit empowerter Winder-Lind und heulender E-Gitarre. Der Song kommt wie ein feministisches Manifest daher und dankt all den Frauen, die den Weg geebnet haben und die unvergessen bleiben: "Mother of my mother of my mother of my mother / Don't ever think that I've forgotten you!" Man will so weit gehen und sagen, dass Gesang und emotionaler Effekt hier sogar an die große Joanna Newsom erinnern. Eine Frau, die ebenfalls von vielen ignoriert wurde, die mit dem Gesang gefremdelt haben. Ein tragischer Verlust, sind es doch Sängerinnen wie Nina Winder-Lind, bei denen die Ehrlichkeit aus jeder Pore zu schießen scheint, bei der die Intonation die Wichtigkeit unterstreicht und mit der man so viel entdecken kann, wenn man die Scheuklappen ablegt.

(Arne Lehrke)

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Highlights

  • Girls
  • Everything is about you
  • Foremothers

Tracklist

  1. Street hassle
  2. Girls
  3. Headfirst
  4. This is our life
  5. Grandma & Robert De Niro
  6. Hymn
  7. You’re not an angel
  8. Love you so
  9. Everything is about you
  10. When the cranes
  11. Foremothers

Gesamtspielzeit: 42:31 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Enrico Palazzo

Postings: 10357

Registriert seit 22.08.2019

2026-09-02 18:02:25 Uhr
Oh, das ist ja ein tolles, schröddeliges Folk-Album!

Arne L.

Postings: 3988

Registriert seit 27.09.2021

2026-08-14 11:16:41 Uhr
Diese 600 Zeichen vom Rolling Stone find ich wirklich komisch als Format.

MickHead

Postings: 15407

Registriert seit 21.01.2024

2026-08-14 10:57:10 Uhr
Jetzt auch komplett bei Bandcamp:

https://nina-winder-lind.bandcamp.com/album/wild-love

MickHead

Postings: 15407

Registriert seit 21.01.2024

2026-08-14 09:57:45 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:

https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_n-l34aGE7RBA5mXkdreuEh00kBT8DWk1o&si=A5tOd5RQHhOhJa5i

Rolling Stone 3.5/5

https://www.rollingstone.de/reviews/nina-winder-lind-wild-love-review/

Gaesteliste.de

https://gaesteliste.de/2026/08/14/review/nina-winder-lind-wild-love/

myx

Postings: 6672

Registriert seit 16.10.2016

2026-08-10 21:19:02 Uhr
Bin voll gespannt, insbesondere auch auf den Closer. Schön, dass dieses Album eine Rezension erhalten hat, thanks!
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