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Wearemarvin - Don't panic

Wearemarvin- Don't panic

La Pocette Surprise / OPEN / The Orchard
VÖ: 14.08.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Take it or leave it

Die Sirius-Kybernetik-Corporation ist im Universum von "Per Anhalter durch die Galaxis" das Unternehmen, das für nahezu alle technischen Entwicklungen zuständig ist, die den Alltag angenehmer machen sollen. Da dies aber regelmäßig eher nur in erster Annäherung funktioniert, bezeichnet sie der Reiseführer als ein Rudel hirnloser Irrer, die als erste an die Wand gestellt werden, wenn die Revolution kommt. Das intergalaktische ACME sozusagen. Eine von deren beeindruckendsten beziehungsweise bedrückendsten Erfindungen ist Marvin, der Androide mit Echtem Menschlichem Persönlichkeitsbild™. Den kennt Ihr schon aus Radioheads "Paranoid android". Eine 2012 als Schlafzimmerprojekt gegründete Indierock-Band aus Hamburg hat sich nach der eigentlichen Hauptfigur der fünfteiligen Trilogie benannt. Und weil der Albumtitel ihres Debüts genau jener Text ist, der in freundlichen, großen Buchstaben auf dem Umschlag des Reiseführers "Hitchhiker's guide to the galaxy" steht, wird bestimmt alles gut.

Neben weirder Science Fiction hat Wearemarvin-Kopf Sven Stellmach offenbar intensiv das Schaffen der New Yorker Rockgötter The Strokes am Anfang des Jahrtausends konsumiert. "Is this it" war 2001 der heiße Scheiß, und zu "Last nite" tanzten die Millennials angemessen lakonisch umher. "Once" legt los, als wäre es eine vergessene B-Seite von damals. Stellmach klingt wie einst Julian Casablancas durch eine Gießkanne aufgenommen. Der Song schrubbt höhenbetont zu schepperndem Schellenkranz, und zur Reibeisenkehle passt ein übersichtliches, mild angezerrtes Single-Note-Lick. Ein bisschen Geschepper, ein paar Mal "Ohooh". Fertig ist der Schrammel-Hit.

Der gute Ton ist auf "Don't panic" immer ein bisschen daneben. Stellmachs Gesang kann sich zwischen gelangweiltem Understatement und nasalem Aufruhr kaum entscheiden. "Euphorische Bocklosigkeit" nannte der geschätzte Ex-Kollege Gerhardt sowas damals. Dafür sind die Songs des Fünfers stets übersichtlich, nur im Ausnahmefall geht es länger als drei Minuten. Die Leadgitarre kreiselt um eine Handvoll Töne, die Saiten gönnen sich nur einen Hauch Verzerrung, aber viele Sechzehntel. Aufs Nötigste reduziert, ohne nervige Muckerpenetranz. Dafür mit quengelnden Gitarrenkarussells und melodischem Wummerbass. Wie im herrlich sägezahnigen Indie-Schlager "Burning eyes". Oder in der Abzählbeschwörung "Oh my oh my". Oder im synkopiert hoppelnden "Eddi". Nichts Überschüssiges stört hier. Und dann fehlen sogar die zwei Songs der Single von 2025: das schicke "Chase", das nach Anfangsfeedback in herrlich perlender Hibbeligkeit mündete, während "U can't win" sich nach ganz vorne warf und nach nicht mal anderthalb Minuten schon durch war.

Einst hatte man Dinslaken's Finest, den Kilians, vorgeworfen, "Kill the Kilians" sei viel zu nah an The Strokes. Als wäre das etwas Schlechtes. Zwischen Wearemarvin und die frühen New Yorker passt aber nun wirklich kein Löschblatt mehr. Originell ist da wenig, aber die sehr erkennbar inspirierten Manierismen werden mit gebührender Dringlichkeit vorgetragen. Nur selten trübt ein allzu germanisiertes Tee-Aitch die Illusion. Doch kein Grund für Nervosität, denn schließlich gibt es dieses Jahr das silberne Jubiläum von "Is this it" zu feiern. Und während das Original ja eher die Stammhörerschaft auf "Reality awaits" mit Autotune trollt, legen Wearemarvin fast zeitgleich eine angemessen gefühlsechte Hommage vor. Vielleicht ist ja genau jetzt wieder Zeit für coole Fransenfrisuren und hippes Gelangweitgucken. Wie damals, als hierzuseits noch schwarz auf blau geschrieben wurde.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Once
  • It's right
  • Burning eyes

Tracklist

  1. Once
  2. It's right
  3. Don‘t panic
  4. Monsters & gold
  5. Sex on TV
  6. Glow
  7. Eddi
  8. They live
  9. Take me to Hollywood
  10. Oh my oh my
  11. Burning eyes

Gesamtspielzeit: 35:22 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

MickHead

Postings: 15407

Registriert seit 21.01.2024

2026-08-14 10:32:58 Uhr
Jetzt komplett bei Bandcamp:

https://wearemarvin.bandcamp.com/album/dont-panic

Gaesteliste.de

https://gaesteliste.de/2026/08/14/review/wearemarvin-dont-panic/

Unangemeldeter

Postings: 2838

Registriert seit 15.06.2014

2026-08-12 16:15:14 Uhr
Haha, ich hab ins neue Strokes-Album noch gar nicht reingehört und eben nur kurz in den Thread geschaut - da hab ich ja einiges an Drama verpasst!
Aber in der Tat kann man sicher sagen dass hier glücklich wird wem die Strokes zu wenig strokesig sind inzwischen.

OliverDing

Plattentests.de-Mitarbeiter

Postings: 238

Registriert seit 13.06.2013

2026-08-12 15:15:16 Uhr
Aber für die, die das Autotune der Vorbilder nicht ertragen, eine gute Lösung.

Unangemeldeter

Postings: 2838

Registriert seit 15.06.2014

2026-08-11 11:14:44 Uhr
Der Song gefällt mir, aber das ist ja wirklich wie ein Cover ohne Original. Ein Strokes-Song, von anderen Leuten geschrieben und gespielt.

OliverDing

Plattentests.de-Mitarbeiter

Postings: 238

Registriert seit 13.06.2013

2026-08-11 10:55:56 Uhr
Viel Spaß!

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