Pashanim - Lounge Musik
Urban / Universal
VÖ: 24.07.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
Geliefert wie bestellt
Er macht einfach weiter. Pashanim war schon vor seinem Debütalbum einer, wenn nicht der letzte größere Hoffnungsträger für Straßenrap auf Deutsch. Dann kam "2000", und Can David Bayram bewies, dass er auch auf dem, was sich mittlerweile Albumlänge nennt, nicht nur Hits raushauen, sondern auch Konzepte entwickeln kann. Vor der "Lounge Musik" kamen dann noch, gefühlt einfach so nebenbei, unter anderem "Shabab(e)s im VIP", das als nicht einmal veröffentlichte Single Platz 1 erreichte, und zwei ebenfalls erfolgreiche EPs. Jetzt also das Sophomore-Album, das den Pasha-Hypetrain nochmal ordentlich anheizen wird. Und das, so viel sei vorweggenommen, erneut zurecht. Diesmal gibt es nicht den einen potenziell lebensverändernden Track wie "Mittelmeer", dafür eine sehr runde, gut abgestimmte Platte mit ein paar Ausreißern. Angenehmerweise knüpft auch der musikalische Vibe an den Vorgänger an, schafft dabei aber den wichtigen Schritt nach vorne, indem Pasha und Stammproduzent Stickle ein vielversprechendes Konzept erfolgreich durchziehen. Denn "Lounge Musik" klingt, als hätten die beiden einen Time-Loop gemacht und irgendwann kurz vor oder nach dem Jahr 2010 als Residents in einem Kreuzberger Café oder einer interessanten Bar gearbeitet.
Bei Haftbefehl kamen die Alben immer wieder im Winter, Pashanim dagegen macht Sommermusik. Deshalb wirkt die romantisch angehauchte Lead-Single "Goldrichtig" auch wie ein musikalischer Sonnenuntergang, das Video und auch Albumcover untermalen das mit Orange-Tönen. Etwas dumpfer, aber eigentlich sogar besser, weil kantiger, klingt "Light blue", das den Vibe schlafloser Nächte aufgrund zehrender Beziehungen fantastisch rüberbringt. Lines wie "Und Deine Worte war'n zwar fair, aber tun auch weh" kommen auf so tranceartigen Beats, die eigentlich zum Träumen einladen, nochmal schonungsloser. Passend zum Titel gibt es auf "Maradona" ein paar konfrontativere Stellen, die den eigentlichen Track leicht in den Hintergrund stellen und eher die politischen Statements hervorheben sowie mit ein paar Gerüchten aufräumen. So hat Bayram keine Beefs, weil er lieber Hits als Disstracks schreibt, und die bisher einzig nennenswerten Gerüchte über ihn schiebt er lässig mit "Wer will mich erpressen? Jeder weiß, wo man mich finden kann" beiseite. Von solchen Momenten gibt es sonst eher wenig, weil diese unendliche Gelassenheit vom Vorgänger genauso wenig fehlt wie der Hang zur Melancholie, was hier aber gut passt. Wer chillt schon in einer Lounge und will sich beim Entspannen noch Schwermut, Beef-Gelaber oder Konkurrenzdenken geben?
Glücklicherweise versuchen sich Rapper und Produzent beispielsweise an ikonischen Samples und kommen wie bei "Gucci Tom Ford" damit auch absolut durch – es gibt höchstens eine Handvoll Künstler in diesem Land, denen man "Show me love" von Robin S anvertrauen kann, ohne dass es wie ein furchtbarer Abklatsch klingt. Pasha rappt hier etwas schneller als sonst und macht Lust auf mehr davon; "Giorgio Armani Flow" hätte auf diese Weise sogar ein überragender Track sein können, bleibt so aber ein kleiner Stimmungskiller, ohne dabei schlecht zu klingen – die Platte ist durchweg erstklassig. Gilt auch für die etwas weniger beachteten, am Ende der Tracklist aufgereihten Features, die ausschließlich von Berliner Rappern stammen und von denen hier Azero am besten abliefert. Stickle wiederum läuft bei "Augenblick" zur Hochform auf, das einen Abend am Berliner Mehringdamm realistisch verarbeitet, textlich wie instrumental. Und für in die Jahre gekommene Bushido-Fans hat er auf "Promi Party" ein kleines Goodie eingebaut, wenn man plötzlich die Stickle-Produktion von "Hymne der Straße" (2005) wiedererkennt. Diese gezielte Verwendung von teils legendären Samples und Lines gehört jetzt schon zu den Highlights, die man bei einem Pashanim-Album erwartet. Hier wurde nichts davon ausgelassen. Geliefert wie bestellt. Für die nächste Stufe allerdings, denn diese Platte kommt sehr nah an den Vorgänger heran, wären künftig längere Songs und noch mehr Mut zum Risiko der nächste Schritt.
Highlights
- Augenblick
- Light blue
- Gucci Tom Ford
- 2013 (feat. Azero)
Tracklist
- Boss green
- Goldrichtig
- RondoNumbaNine
- Giorgio Armani Flow
- Augenblick
- Maradona
- Promi Party
- Lounge city
- Light blue
- Gucci Tom Ford
- Berlin calling
- Kalter Krieg
- 90 Minuten
- 2013 (feat. Azero)
- Es wird ein heißer Sommer (feat. Nizi19)
- Boss orange (feat. RB030)
- Ohne Dich (feat. Selim61)
Gesamtspielzeit: 30:57 min.
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Referenzen
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