Man/Woman/Chainsaw - Cannonball
Fiction / Universal
VÖ: 07.08.2026
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
Z wie Zukunftsmusik
Das britische Kettensägenmassaker? Man/Woman/Chainsaw haben nicht nur den originellsten Bandnamen seit einer Weile. Der neueste "Post-Allerlei"-Streich aus dem Vereinigten Königreich umgibt sich auch mit einer gewissen mysteriösen Aura, denn die Herangehensweise der gleich sechs Künstler*innen um die Anfang 20 ist schwer zu labeln oder überhaupt in den Griff zu bekommen. Zwar wird die Band gern mal mit der Windmill-Szene um Contemporaries wie Black Country, New Road assoziiert und hat auch schon zusammen mit einigen derer Vertreter*innen auf der Bühne gestanden. Aber nicht nur distanziert sich das Londoner Sextett ausdrücklich von dieser Schublade, es lehnt sich auf seinem Debüt "Cannonball" auch deutlich mehr in Richtung von 90er-Indie und traditionsbehaftetem Britpop, als es die Erwachsenen tun. Die The-Breeders-Referenz im Albumtitel kann kein Zufall sein. Anstatt als Gegengewicht jedoch allzu artsy, verschroben oder schlicht unhandlich zu werden, zeichnen Man/Woman/Chainsaw sich außerdem durch ein einwandfreies Pop-Verständnis aus. Ob jenes vielleicht tatsächlich den Hörgewohnheiten der Gen Z geschuldet ist?
"Only girl" ist nicht das Rihanna-Cover, das man den Musiker*innen auch auf der Stelle zugetraut hätte, sondern pendelt zwischen Glam-Pop und Alternative-Rock und stellt noch dazu – ein weiteres Markenzeichen – Violinistin Clio Harwood als völlig gleichberechtigte Instrumentalistin vor. Durch deren Präsenz lehnt sich die Band bisweilen in eine Idee von Kammerpop, der sie aber immer wieder mit schwerem Geschütz zu Leibe rückt. Von seinem theatralischen Krach-Abgang abgesehen hat "Canyons" hingegen beinahe Adult-Contemporary-Vibes, die auch "Lighter" zwischen souligem Piano-Pop und Trip-Hop wieder aufgreift. Man/Woman/Chainsaw zeigen hier durchaus Mainstream-Ambitionen, insbesondere im Gesang von Vera Leppänen und Emmie-Mae Avery. Zwischen Breakbeats und A24-Jugenddrama-Soundtrack überführt "Snakebite" ähnliche Bestandteile in eine nicht sofort zugängliche, jazzige Atempause. Dieser Eklektizismus könnte von manchen als Ziellosigkeit verstanden werden. Für die Band und ihre vielen verschiedenen Charaktere ist er aber essenziell.
Auch Gitarrist Billy Ward darf ans Mikro und konzentriert sich dabei auf die geradlinigeren Stücke. Im psychedelisch gefärbten, sich immer weiter aufbäumenden "Goddamn, lizard man!" klingt das in etwa, als sänge Nick Cave einen Pixies-Blues. Man nickt wissend, wenn "Flick of the wrist" dann doch mal reduziertere Black Midi zitiert oder auch an die gepflegten Rock-Dekonstruktionen von Wunderkind Cameron Winter und dessen Band Geese denken lässt. Im starken "The thing" zollen Man/Woman/Chainsaw mit dicken Riffs neben John Carpenter dann ganz unverblümt dem Grunge Tribut, der gerade noch gefehlt hat. "Cannonball" ist ein Album wie eine hochpersonalisierte Playlist auf dem Streaming-Service Deines Vertrauens, liebevoll kuratiert von den coolsten Deiner Freund*innen.
Aller Verwirrung zum Trotz: Dem unverschämt eingängigen, unverschämt tanzbaren Hit "Nosedive" gehören die vielleicht mitreißendsten fünfeinhalb Minuten des Musikjahres, und das wundervolle "Baby get me back up over you!"-Finale könnte auch gern noch mal genau so lang weitergehen, ohne auszuleiern. Der zweitgrößte Pop-Moment findet sich in "Still angry", wenn Schilderungen einer miesen, Narben hinterlassenden Beziehung in ein Korsett gepackt werden, das von Windmill und Art-Rock nur noch eine Ahnung zurücklässt. "Cannonball" vollendet die postmoderne Grätsche zwischen Anspruch und Catchiness mit Bravour; Man/Woman/Chainsaw eröffnen so auch eine gewisse Meta-Perspektive auf Hörroutinen und Konventionen, in dem sie angesagten Weirdo-Art-Rock dann doch wieder mit Plüsch unterfüttern. Dass das Ergebnis kreuz und quer in alle möglichen Richtungen schießt, ist ausdrücklich erwünscht. Wer weiß in dem Alter schließlich schon, wer sie oder er genau ist, bloß ein paar Jahre, nachdem man das A-Level abgelegt hat?
Highlights
- Goddamn, lizard man!
- Nosedive
- Snakebite
- The thing
- Still angry
Tracklist
- Only girl
- Canyons
- Goddamn, lizard man!
- Lighter
- Nosedive
- Get up and dance
- Snakebite
- Flick of the wrist
- The thing
- Still angry
- Something else to give
Gesamtspielzeit: 41:04 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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myx Postings: 6644 Registriert seit 16.10.2016 |
2026-08-07 21:58:13 Uhr
Finde es auch stark, zwei Mal gehört bis jetzt. Sie punkten bei mir v. a. auch mit ihrer Energie und Spielfreude, klingt einfach ansteckend, was sie da zu sechst anstellen. Richtig origineller Bandname zudem, das ist auch meine Meinung. |
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pounzer Postings: 696 Registriert seit 24.08.2019 |
2026-08-07 15:21:16 Uhr
Hab's jetzt ein Mal durch. Richtig starke Platte! Die reinen Album-Tracks gefallen mir größtenteils sogar noch besser als die Singles. |
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MickHead Postings: 14346 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-08-07 09:44:24 Uhr
Jetzt komplett bei Bandcamp:https://manwomanchainsaw.bandcamp.com/album/cannonball Musikexpress 5/6 https://www.tonspion.de/news/man-woman-chainsaw-cannonball-album-2026 Northern Transmissions 8/10 https://northerntransmissions.com/man-woman-chainsaw-cannonball/ Tonspion https://www.tonspion.de/news/man-woman-chainsaw-cannonball-album-2026 |
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Enrico Palazzo Postings: 10080 Registriert seit 22.08.2019 |
2026-08-07 09:28:18 Uhr
Seltsamerweise habe ich hier etwas durchgeschepperteres erwartet. Bin enttäuscht, weil das doch sehr geradliniger 08/15-Indie größtenteils ist. Woher die hohen Bewertungen? |
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Gallants22 Postings: 1755 Registriert seit 22.01.2025 |
2026-08-06 21:52:11 Uhr
Far Out 9/10NME 8/10 |
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Referenzen
Black Country, New Road; Mary In The Junkyard; Deadletter; English Teacher; Sorry; Pixies; The Last Dinner Party; Black Midi; Geordie Greep; Wolf Alice; Geese; Cameron Winter; Arcade Fire; Sonic Youth; Shame; Squid; Goat Girl; Lime Garden; Honeyglaze; Wet Leg; Fontaines D.C.; Racing Mount Pleasant; The Woman; Sprints; Yard Act; Bodega; Opus Kink; Dry Cleaning; Blood Red Shoes; Los Campesinos!; Art Brut; Wunderhorse; Declan McKenna; King Crimson; The Decemberists; Foxygen; Tropical Fuck Storm; Slint; Blur; Vampire Weekend; St. Vincent; Belle & Sebastian; Pavement; Modest Mouse; Joanna Newsom; Kate Bush; Fiona Apple; The Breeders
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- Man/Woman/Chainsaw - Cannonball (35 Beiträge / Letzter am 07.08.2026 - 21:58 Uhr)



