Shania Twain - Little Miss Twain
Republic / Universal
VÖ: 24.07.2026
Unsere Bewertung: 5/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
Larger than life
Wenn man zunächst mal ganz unromantisch nach Verkaufszahlen geht – wobei Shania Twain komfortabel zu den zehn Solokünstler*innen mit den meisten Albenverkäufen der Vereinigten Staaten zählt –, dann wirkt der Albumtitel "Little Miss Twain" schon beinahe unangenehm tiefstapelnd. Als wäre man doch bloß auch nur "somebody" mit den gleichen Gedanken und Gefühlen wie der gemeine Rest der Welt. Und je mehr man in das neue Werk von Shania Twain hinein hört, desto deutlicher wird, dass genau das eben nicht der Fall ist – was aber eindeutig positiv anzumerken ist. Twain bemüht sich im Verlauf des Albums gar nicht erst um das Herstellen irgendeiner Augenhöhe, die schlichtweg nicht gegeben ist, sondern versucht die interessante Gratwanderung, persönliche Stories aus einem fast schon analytisch-distanzierten Blickfeld heraus darzubieten. Das ist gerade für ein gemeinhin eher ankumpelndes Genre wie Countrymusik erstmal ein erfrischender, weil ungewöhnlicher Ansatz, wird dabei aber leider zu inkonsequent beibehalten, um wirklich Wirkung zu entfalten.
Vor jeglicher Stilkritik allerdings zunächst ein Detail aus der Produktion, welches es bei einer allgemeinen Bewertung nicht zu verschweigen gilt: Warum zur Hölle wird man in den ersten beiden Titeln des Albums eigentlich so angebrüllt? Es ist noch nicht eine einzige Rezensionszeile zu Papier gebracht und schon fühlt man sich beim Zuhören wie ein unartiges Kind. Mit dem titelgebenden "Little Miss Twain" pegelt sich die Lautstärke der Gesangsstimme dann allerdings wieder in den Rest der Produktion ein und schon wird gleich ein ganz anderes, deutlich runderes Erlebnis daraus. "According to my mother / I'm the next Tanya Tucker", ist gerade im Hinblick darauf, mit eben jener dann ein Duett einsingen zu können, eine wirklich clevere und dennoch schöne Reminiszenz an den eigenen Werdegang, aber eben auch an die dabei existierenden Leitfiguren, und gehört auf Anhieb zu den stärksten Titeln aus Twains mittlerweile ebenso reichhaltigem Repertoire. Dass Twain und Tucker gerade einmal sieben Jahre Altersunterschied, aber fast zwei Jahrzehnte Bühnenerfahrung trennen, ist dabei eine spannende Randnotiz, weil sie ganz gut zum Ausdruck bringt, wie enorm Twains Aufstieg in den Neunzigern eigentlich zu bemessen ist.
Nach einem mehrjährigen krankheitsbedingten Stimmverlust in den früheren Nullerjahren sind die Folgen für Twains Vortrag nicht komplett zu überhören, insbesondere wenn es bei ihr in die höheren Tonlagen geht. Die Performance bleibt aber weiterhin stabil genug, um auf einem internationalen Niveau mithalten zu können. Viel besser und atmosphärisch dichter sind die Titel auf "Little Miss Twain" aber ohnehin in den dunkleren, rauchigeren Stimmlagen, in denen die typische Grandezza früherer Twain-Kompositionen bewusst ausgeklammert wird. Hierzu seien exemplarisch "Dirty Rosie" oder der Schlusstitel "Rockstars" genannt, die aus dramaturgisch einfachen Mitteln eine erstaunliche Menge Soul kitzeln. Auf die Dauer eines Albums mit 15 Titeln sind jedoch die paar Spitzen, in denen man aus der bewussten Reduktion die besten Ergebnisse gewinnt, zu rar für einen rundum gelungenen Eindruck. Vielmehr stehen hierbei noch zu viele Stücke auf der Tracklist, die zu sehr vorherige Großtaten replizieren möchten und dabei im Vergleich eben nur schwer Land sehen. Das ist jetzt alles beileibe keine Vollkatastrophe, stört aber den eigentlich sympathischen Eindruck, ein wirklich gutes Spätwerk-Konzept durch fehlende Konsequenz verschenkt zu haben.
Highlights
- Little Miss Twain (feat. Tanya Tucker)
- That's the money
- Rockstars
Tracklist
- Stranger things
- Right time
- Little Miss Twain (feat. Tanya Tucker)
- Dirty Rosie
- Quit my life
- Problematic
- Scary thing
- I'd be loving me
- Faded blue jeans (feat. Josh Homme)
- Northern town
- That's the money
- Down the middle
- Take it to the river (feat. The War And Treaty)
- New love
- Rockstars
Gesamtspielzeit: 50:03 min.
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30941 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-07-29 21:27:42 Uhr - Newsbeitrag
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Referenzen
The Chicks; The Corrs; Kacey Musgraves; Sheryl Crow; Jewel; Alison Krauss; Jennifer Paige; Faith Hill; The Wreckers; Shawn Colvin; Alanis Morissette; Sixpence None The Richer; Michelle Branch; Jessica Harp; Colbie Caillat; Natalie Imbruglia; Nelly Furtado; Lisa Miskovsky; Abra Moore; Lea Finn; Bic Runga; Ani DiFranco; Maria Solheim; Joan Osbourne; Stevie Nicks; Maria Mena; Taylor Swift; Jade Bird; Thurston Moore; Harry Styles; Kelly Clarkson; Hilary Duff; Lisa Loeb
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