RIN - Nostalgia
Division / RCS & Gold League / Sony
VÖ: 24.07.2026
Unsere Bewertung: 6/10
Eure Ø-Bewertung: 3/10
Gestern und morgen
Eines muss man ihm lassen: RIN war und ist einer der wichtigsten Namen im Konglomerat melodischer Autotune-Rapper, die vor knapp einem Jahrzehnt auf uns zurollten. Wie rühmlich das ist, mag Geschmackssache bleiben, doch immerhin ist der 32-Jährige aus Bietigheim-Bissingen seitdem vergleichsweise passabel gealtert. Okay, das letzte Album "Kleinstadt" war dann auch für Plattentests.de recht oberflächlich und nichtssagend, aber gleich mal vorweg: Diese Platte hier bietet mehr. Sein inzwischen viertes Album "Nostalgia" vermeidet es zum Glück, einfach Soundbilder von 2015 wieder aufzuwärmen, denn die Retroperspektive wird vor allem textlich eingenommen, während Stammproduzent Alexis Troy sich mehrfach selbst übertrifft. Renato Simunovic schwelgt indes auf Albumlänge in eigenen wie auch popkulturellen Erinnerungen, ohne dabei zu sehr in Nostalgie oder den Modus "Früher war alles besser" abzudriften. Logisch, nach über 30 Gold- und fünf Platinauszeichnungen fühlt sich ein Statement-Album auch stimmiger an als irgendwelche Melancholie-Nummern. Wenn Simunovic richtig persönlich wird, kann er mit wenigen Worten überraschend viel sagen – bei gleichzeitig zum Teil überragend eingesetzten Instrumentals, die die jeweiligen Textstellen punktgenau ergänzen.
Da es kein Konzeptalbum sein soll, fehlt auf "Nostalgia" eine richtige Mitte zwischen Futurismus und Retro-Ästhetik, die Oldschool-Kopfnicker werden auch diesmal nicht mit RIN glücklich. Nichtsdestotrotz kommt RINs Message sehr gut rüber, in seine teils sehr persönlichen Erinnerungen künstlerisch so stimmig einzutauchen, ist gerade in diesem Genre kein Kinderspiel. Manchmal geht es auch nur um Feelgood-Momente mit vielen charmanten Details, wie die nach Animes benannten Tracks "Totoro" und "Inuyasha redux". Hin und wieder passen leider die Lyrics nicht ganz zur Musik, wenn zum Beispiel "Pelzmäntel & Schufa" größtenteils aus Flexen besteht, was die sanften Instrumentals so gar nicht hergeben, und das Intro hätte es gar nicht gebraucht. Umso besser ist dafür die vom Vaporwave inspirierte, instrumentale "Cutscene", die mit allem davor und danach bricht. Nicht nur an dieser Stelle beweist "Nostalgia" eine von RINs größten Stärken, nämlich den lohnenswerten Mut zu abstrakteren Sounds, das hat er auf jeden Fall noch drauf. Die atmosphärischen Songs wie "Exit through the gift shop" oder der außerirdisch klingende Closer sind hier durchweg stark. Dazwischen gibt es halt leider ein paar Tracks, die etwas zu futuristisch klingen wollen, etwa "Odyssee" oder "Nevermind", wobei auch davon nichts wirklich schlecht ist.
Nur ganz selten fallen mal ein paar Lines, die es so nicht unbedingt gebraucht hätte und an miesen Tagen mal den Vibe killen könnten, in Summe aber ein überschaubares Problem. Die Platte verliert dadurch nicht an ihrer Aussagekraft und wirkt so, als wäre sie genau zum richtigen Zeitpunkt von RINs Karriere veröffentlicht worden. Mal ehrlich, wer hätte aktuell mit so einem Track wie "Rapcity freestyle 2.0" noch gerechnet? Mit stringenten Rap-Parts und einer Hook, die endlich mal kein Ohrwurm sein soll. Solche derberen Momente sind zwar nicht die Regel, aber immerhin gibt es mit "Redrising" inklusive Gastpart von OG Keemo noch mehr davon. Das alles passt zur offenen Gestaltungsweise von "Nostalgia", doch der Hauptfokus liegt hier auf gleichzeitig futuristischen Ansätzen plus – dem Albumtitel entsprechend – nostalgischen Sounds. Das beste Beispiel hierfür ist wohl "Bladerunner", das atmosphärischen Retro-Synthwave mit modernen, aber minimalistisch gehaltenen Rap-Komponenten bündelt. Bemerkenswert ist nicht nur, wie gut Oddworld und Alexis Troy das musikalisch hinbekommen, sondern auch, dass RIN hier die Dystopie des digitalen Fortschritts mit erstaunlich wenig Pathos verarbeitet. Man hört: "Im Jahr 2049, irgendwer kann uns doch fixen / Irgendwas kann uns doch richten / Ich spüre heut, irgendwas stimmt nicht" – und nimmt das sogar ernst.
Highlights
- Bladerunner
- Cutscene
- Redrising (feat. OG Keemo)
Tracklist
- Start Up
- Bladerunner
- CTG
- Exit through the gift shop
- Odyssee (feat. Schmyt)
- Wach (feat. Reezy)
- Cutscene
- Redrising (feat. OG Keemo)
- Purpurne Flüsse
- Pelzmäntel & Schufa
- Rapcity freestyle 2.0
- Are you still playing
- Inuyasha redux
- Nevermind
- Totoro
- Blackberry
- Angel eyes
- Shutdown
Gesamtspielzeit: 45:51 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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maxlivno Postings: 3091 Registriert seit 25.05.2017 |
2026-07-30 17:48:27 Uhr
6/10 finde ich noch ganz schön wohlwollend. Für mich klang Nostalgie wie die absolute Ideenlosigkeit und nach Einschlaf-HipHop |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30941 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-07-29 21:26:54 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Referenzen
OG Keemo; Apache 207; Kwam.E; Nura; Pashanim; Bausa; Oddworld; Alexis Troy; Juju; Lugatti & 9ine; Luciano; Majan; Reezy; Ufo 361; Dardan; Symba; Trettmann; RIN; Schmyt; Jamule; MC Fitti; Loredana; Viko63; Crack Ignaz; Mauli; Longus Mongus; BHZ; Juicy Gay; Teuterekordz; Majoe; Olexesh; Summer Cem; SSIO; Money Boy; Nura; Fourty; Lance Butters; Megaloh; RAF Camora; Shindy; Sierra Kidd; Nico Santos; Caz; Minhtendo; Bazzazian; Lex Lugner; Aside; Ahzumjot; Cro; Souly; Edo Saiya; Makko; BHZ; Pimf; Tua; Miksu; Macloud; The Cratez; Fayzen; Tiavo; Apsilon; 01099; Bennett On; Elias; Kelvyn Colt
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