Rezn - Cycles in the infinite dream
Sargent House / Cargo
VÖ: 24.07.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
Den Ängsten eine greifbare Form geben
Ist es dem Zufall geschuldet, dass das Artwork von "Cycles in the infinite dream" an die Gemälde von Hieronymus Bosch erinnert? Eine irritierend farbenfrohe Hölle mit bizarren, teils nackten Gestalten ziert das Cover des neuen Werkes der Doom-Metaller von Rezn und fasziniert so viel mehr als die ewig gleichen Cover vieler Genrekollegen, denen zu den Themen Tod und Teufel nicht viel mehr als die Farben Schwarz und Rot sowie ein grimmig glotzender Zweigehörnter einfällt. Auch musikalisch setzen sich Rezn vom Großteil der Genrekollegen sehr positiv ab. In den 42 Minuten von "Cycles in the infinite dream" sind weder Growls noch Screams zu hören, auch kein zehn Minuten langes musikalisches Motiv und keine pathetischen Samples. Stattdessen setzen die Doom-Rocker mehr denn je auf den Kontrast zwischen schweren Riffs und den eingängigen Gesangsmelodien ihres hervorragenden Sängers Rob McWilliams.
"Rites of passage" eröffnet das Album mit Synthesizerklängen, ehe die Riffs rollen, die Drums knallen und McWilliams zur Hook ansetzt. Anschließend markiert ein Gitarrensolo den Wendepunkt von einem bis dahin guten zu einem hervorragenden Opener. "Transient" überrascht mit einem Saxofon, das sich rund um ein Dampfwalzenriff mogelt, und dem angenehm offensiven Synthesizer-Einsatz Spencer Ouellettes. Das erklärte Ziel des Quartetts, mit ihrer LP "die Schnittstelle zwischen Wachzustand und Traumwelt" zu erforschen, wird hier im 7/4-Takt mühelos erreicht. "Cloudfall" bezirzt mit einer nebst Brachialriff sanft heulenden Lap-Steel-Gitarre. Das hätten sich Dream Theater nicht getraut! Mit "Aerial birth" folgt ein ätherischer Song, der durch die traumhaft eingesungene Hook, bei der McWilliams' Intonation mehr denn je an die des jungen Steven Wilson erinnert, an die frühen Porcupine Tree denken lässt.
Was bei der Musik von Genrekollegen zu aus den falschen Gründen aufgestellten Nackenhaaren führen würde, gelingt Rezn famos, wie "Devotion" beweist. Zum Schluss zieht "Terra preta", eingeleitet durch Synthie-Vogelschnattern, noch einmal alle Register. Die Kombination aus hymnischem Gesang, Doomer-Riff, atmosphärischen Passagen und kurzem Saxofoneinsatz sollte bei allen Freund*innen gepflegten Düsterrocks auf sehr fruchtbaren Boden fallen. "Cycles in the infinite dream" überzeugt als Gesamtkunstwerk, dessen Cover das Spielen mit und Umgehen von Klischees perfekt wiedergibt. Anstatt sich in x-fach gehörten Stereotypen zu verlieren, glückt Rezn musikalisch etwas, was einem gewissen Hieronymus Bosch einst gemäß dem Kunsthistoriker Ernst Gombrich gelang: den Ängsten der Gegenwart "eine konkrete und greifbare Form zu geben".
Highlights
- Rites of passage
- Transient
- Aerial Birth
Tracklist
- Rites of passage
- Transient
- Cloudfall
- Aerial birth
- Devotion
- The vessel
- Escher
- Primal thread
- Terra preta
Gesamtspielzeit: 42:57 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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kiste Postings: 372 Registriert seit 26.08.2019 |
2026-08-05 21:41:21 Uhr
Ok, Link erstellen kann ich auch nicht… die kleinen a‘s am Anfang und Ende vergessen. Es ist einfach zu warm. |
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kiste Postings: 372 Registriert seit 26.08.2019 |
2026-08-05 21:38:27 Uhr
Da habe ich ja richtig viel falsch geschrieben und Satzzeichen vergessen, ohje. Ich schiebe es mal auf die Euphorie! Egal, sehr feine Platte. Freue mich nun auf die kommende href="https://sargenthouse.com/blogs/latest-news/posts/7817130/rezn-announce-2027-european-tour">Tour! |
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joseon Postings: 1783 Registriert seit 04.09.2023 |
2026-08-05 15:44:38 Uhr
Schön atmosphärisch. Entwickelt sich hier gerade zum Dauerbrenner. |
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kiste Postings: 372 Registriert seit 26.08.2019 |
2026-08-01 12:26:56 Uhr
Hervorragendes Album. Die Band wirkt unglaublich selbstsicher und konsequent. Dieses stoische gefällt mir sehr gut und dienst vielleicht als Antwort/ Gegengewicht für die genannten Ängste der Gegenwart. Beim Cover musste ich auch mehrmals hinsehen und überlegte dann warum sich mitunter so viel Mühe bei den Grafiken gegeben wird. Klar ich liebe auch Albumcover auch, doch wird dem so viel Beachtung geschenkt. Jedenfalls ein sehr cooles hier in diesem Fall. Also rundum gelungen Ding! REZN waren ja kürzlich mit All Them Witches in hiesigen Gefilden unterwegs. Hat die hier vielleicht jemand gesehen und kann berichten? |
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Watchful_Eye User Postings: 3313 Registriert seit 13.06.2013 |
2026-07-30 18:10:39 Uhr
Ich finde "Dream Theater" als erste genannte Referenz hier sehr irreführend (und für viele: abschreckend ;) ).Die anschließend genannten Katatonia passen schon besser. Prog ist da kaum drin. |
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Referenzen
Dream Theater; Katatonia; The God Machine; Porcupine Tree; My Sleeping Karma; Elephant Tree; Sleep; Dopelord; Ordos; Ufomammut; Monolord; Sunnata; Firebreather; 35007; Mars Red Sky; Naam; Causa Sui; The Heavy Eyes; Monkey3; Astral Son; Sleepy Sun; Samsara Blues Experiment; Witch Mountain; Dead Meadow; Samsara Blues Experiment; Candlemass; Saint Vitus; Neurosis; Reverend Bizarre; Dredg; Oceansize; Crippled Black Phoenix; Thergothon; Elder; Opeth
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