Opus Kink - The sweet goodbye
So
VÖ: 31.07.2026
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 9/10
Wrack im Frack
Habt Ihr eigentlich auch so viel Liebe dafür, wenn schon der Bandname exakt beschreibt, worauf man sich bei einem Album einstellen kann? Dann werden die Scheunentore Eurer Herzen für Opus Kink sperrangelweit geöffnet sein. Sinnbildlich ließe sich "Opus" lesen als das Versprechen einer Großtat, eines unskalierbaren Monstrums, einer Kopfgeburt aus fiebrig verzweigten Strängen und angefixter Ideen, jedoch mit handwerklicher Brillanz. Und als Gegenstück eben Kink. Das Raue, Schmutzige, Verruchte, bisweilen Pervertierte bis zur damit einhergehenden Scham und all den dunklen Gedanken, die sie erzeugt. Ja, all dies und mehr ist "The sweet goodbye". In anderen Kontexten nennt man ein derartiges Aufeinanderprallen gerne mal Apokalypse; hier wiederum erleben wir eine Genesis aus Jazz-Punk, Filth-Funk und Artcore. Selten ist dem Satz "Der Wahnsinn hat Methode" lebendiger Rechnung getragen worden als in dieser knappen Dreiviertelstunde. Und damit hält das Sextett um Sänger Angus Rogers auch nicht lange hinterm Berg.
Wir reden von etwa dreißig Sekunden. Etwa so lange nimmt sich die Mehrheit der Songs auf "The sweet goodbye" für den Aufbau, zumeist gitarren- und basslastig, um dann einen stilistischen Break zu setzen. Im Falle von "Will it come for you?" entscheiden Opus Kink sich dann mal exemplarisch für einen Bauhaus-Vibe, zu dem sich dann ihre charakteristische Trompeten-Saxofon-Kombination aus dem Hintergrund anschleicht. Bei dem titelgebenden "The sweet goodbye" wird das schwere Synthwave-Gewand mit einem düster verzerrten Spaghetti-Western-Thema auseinandergezerrt, und in "I have to shine my Sunday shoes" geht es von einem Folk-Shanty-Gemisch im Walzertakt mit verstimmten Klavierpassagen zu einem Funkbeat, der dermaßen "Street" ist, dass man ihn auch als Hip-Hop labeln könnte. Wer sich immer schon mal gefragt hat, was passiert, wenn man auf einem Bestellformular einfach mal alles ankreuzt – wahrscheinlich so etwas. Das alles harmoniert aber deswegen immer wieder so gut, weil diese losen Fäden immer wieder nach einiger Zeit eingefangen werden.
Wir reden von etwa zwei Minuten. Zu diesem Zeitpunkt setzen dann meistens die Jazz-Improvisationen, am prominentesten getragen von den beiden angesprochenen Bläser-Komponenten, ein. Das findet sich im Auftakt "Come over, do me wrong" ebenso präsent wie im eigentlichen Abschluss "Crucify!". Das ist nochmal dieser eine Titel, der all die vorherigen Stärken und Erklärungsversuche zu einem wahren Ungetüm zusammenpackt. An dieser Stelle ist wirklich niemandem ein Gefallen getan, wenn man diesen zu dekonstruieren versucht. Denn was sich ab der Zeile "I've been searching for a hill to die on" hier Bahn bricht – einfach anhören und froh sein, dass man dieselbe Zeitlinie teilt. Wie Rogers' Gesangsstimme mit seinen etwaigen prä-, inter- und postkoitalen Geräusch-Einwürfen perforiert wird – sagen wir einfach mal diskret, dass einem hier recht schnell recht warm wird. Und auch für die Nischen-Kategorie "Bestes Feature des Jahres" hat "The sweet goodbye" etwas in petto. Die vier Damen von The New Eves – ebenso wie Opus Kink ansässig in Brighton – reißen auf "The head tree" jeden verbliebenen Rest Struktur mit Wonne auseinander. Wie dieser Song mit seinen klassischen Gaelic-Folk-Motiven und dem eigentlich anstrengenden Stimmengewirr eine so bizarr-schöne Zugwirkung gewinnen kann, so als wäre bis zu diesem Zeitpunkt nicht schon längst alles gesagt, das ist wahrscheinlich rational gar nicht greifbar. Aber warum auch ausgerechnet am Ende damit anfangen?
Highlights
- Will it come for you?
- The head tree (feat. The New Eves)
- Crucify!
Tracklist
- Come over, do me wrong
- Will it come for you?
- I'm a pretty showboy
- The sweet goodbye
- Peckham nocturne
- I have to shine my Sunday shoes
- The head tree (feat. The New Eves)
- 448C (The colour of love)
- Crucify!
- Oh, irony
Gesamtspielzeit: 46:43 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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Grizzly Adams Postings: 7168 Registriert seit 22.08.2019 |
2026-08-16 00:59:58 Uhr
So, hab das Album jetzt einige Male gehört und bin immer noch begeistert. Da ich die Band vorher gar nicht kannte, habe ich auch in die früheren VÖ reingehört. Hatte ich eine Band zu Unrecht verpasst und erst jetzt wahrgenommen?Nein, die früheren EPs und Singles sind völlig OK. Einfach ein bisschen unfertig. In der Produktion, ganz sicher in den Arrangements, aber auch in der Catchiness und Qualität der Songs. Für mich aber absolut kein Grund, die Band auch vor ein paar Jahren unbedingt schon bemerkt haben zu müssen. Wenn das frühe Material 2. Liga war, dann ist das aktuelle Album sofort Champions League und mindestens im Viertelfinale des Wettbewerbs. Ich finde diesen Sprung - ein riesiger in meiner Wahrnehmung - ziemlich bemerkenswert und kann fast nicht glauben, dass es sich noch immer die selbe Band handelt. "The sweetest goodbye" nimmt mich vom ersten Ton gefangen. Melodien, Instrumentierung, Arrangements - alles passt. Selbst jeder "schiefe" Ton, jeder Kontrapunkt in den Songs sitzt. Wer auch immer die Idee hatte, die Songs mit Trompete und Saxophon zu veredeln: Gratulation. Mehrere Level übersprungen. Das tut der Band nicht nur gut, es scheint mir, dass damit auch die Vocals und die Harmonies extrem an Qualität gewonnen haben. Einfach ein richtig guter Wurf. Tolle Entdeckung in diesem Jahr. Bislang die beste neue Band für meine Ohren. |
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Grizzly Adams Postings: 7168 Registriert seit 22.08.2019 |
2026-08-02 16:03:49 Uhr
Huch, wie klasse ist das denn?! Wieder eine dieser mir völlig unbekannten Bands, die ich nur dank PT entdecken darf. :-) Bin schon nach den ersten beiden Durchgängen der Meinung, dass die 8/10 mehr als gerechtfertigt ist. Mit den Referenzen ist es wirklich schwierig. Ist das jetzt ein Zeichen für einen clever versteckten und multiplen "Ideenklau" oder für eine gewisse Eigenständigkeit im Sound, der so oder so ähnlich halt bisher nirgendwo zu hören ist? Im Grunde wurscht: Opus Kink klingen frisch und unverbraucht. Mir gefällt insbesondere die Trompete, die nahezu allen Songs das gewisse Etwas und eine verspielte Craziness verleiht. Sehr starkes Debüt. Definitiv auf meiner Bestenliste 26 vertreten. |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30941 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-07-31 20:12:48 Uhr
Als Referenzen fallen mir noch einDie Liste könnte auch dreimal so lang sein. |
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Gallants22 Postings: 1746 Registriert seit 22.01.2025 |
2026-07-31 17:53:17 Uhr
Far Out 8/10 |
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Gallants22 Postings: 1746 Registriert seit 22.01.2025 |
2026-07-31 14:53:56 Uhr
Das schöne ist ja das Opus Kink aus den genannten und noch kommenden Referenzen einen so leckeren Eintopf kreiert haben ohne dabei ihre Originalität in Abrede zu stellen. Auf einer dieser vielen Genreschubladen steht jetzt zurecht Opus Kink. |
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Referenzen
Nick Cave; Deadletter; Folly Group; Bauhaus; dEUS; Naked City; Captain Beefheart; Squid; Specimen; Escape With Romeo; Murder By Death; Warhaus; Acoustic Ladyland; Shame; Warmduscher; Adult DVD; The Dead 60s; Black Country, New Road; Maruja; Sports Team; Man/Woman/Chainsaw; Alien Chicks; The Ruts; Mad Professor; Big Special; Modest Mouse
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- Opus Kink - The sweet goodbye (27 Beiträge / Letzter am 16.08.2026 - 00:59 Uhr)



