The Mountain Goats - Days
Cadmean Dawn / SPV
VÖ: 07.08.2026
Unsere Bewertung: 6/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
Heute wird wie gestern sein
Grunge-Legenden, Death-Metal-Bands und britische Prog-Rock-Sängerinnen: Ein Blick auf die Tracklist von "Days" verrät, dass John Darnielle auch beim nunmehr 24. Studioalbum seiner Mountain Goats nicht die obskuren Storytelling-Ideen ausgehen. Im Gegensatz zum Vorgänger "Through this fire across from Peter Balkan", der ein waschechtes Musical aufzog, ist das Konzept diesmal aber deutlich loser. Ursprünglich hieß "Days" mal "Grunges" und war als Nachfolger im Geiste zu "Goths" gedacht, später sei es auch von einer temporären Abwesenheit von Darnielles Ehefrau inspiriert gewesen, was eine Parallele zur Entstehung von "All hail West Texas" zieht. Thematisch soll es um vergangene, verschwommene Tage aus den 70ern, 80ern und 90ern gehen, während der Frontmann im Promo-Text kryptisch von falschen Tonarten und Brücken erzählt. Der slackerige Tonfall passt zur Musik der Platte, welche die Opulenz des Vorgänger-Musicals wieder zurückfährt und sich im schnörkellosen folkigen Indie-Rock verortet. Aus diesem Ansatz heraus erschaffen The Mountain Goats ein Dutzend eingängiger Stücke, die sich trotz ihrer bescheidenen Zurückhaltung einen gewissen Abwechslungsreichtum bewahren, auch wenn in der trägeren zweiten Albumhälfte der Schwung etwas verlorengeht.
Hatte der Vorgänger noch mit dem Ballast seiner Theater-Erzählung zu kämpfen, spielt das Trio hier von Beginn an befreit und mit einer melodischen Geradlinigkeit auf. Der eröffnende "Song for Layne Staley" würdigt den verstorbenen Alice-In-Chains-Sänger mit einer zwingenden Akustikgitarre, ehe am Ende die Verstärker heulen dürfen. "Charlie Sheen reaches out to the Feds" rumpelt ebenso treibend nach vorn, transportiert sein beklopptes Sujet – Charlie Sheen nimmt Kontakt mit dem FBI auf, weil er im Koksrausch "Guinea pig 2" für einen echten Snuff-Film hält – mit Schrammel-Gitarren, Bläsern und Background-Chören. Das besonders luftige "Shallow grave" lässt im Anschluss ein Piano hüpfen, bevor "Candlebox" den konstanten Vorwärtspuls des Albums zum ersten Mal abbremst, um mit Stadion-Rock-Annäherungen die Arme weiter auszubreiten. Doch auch in den ruhigeren Momenten verzichten The Mountain Goats auf unnötige Hakenschläge und setzen auf sofort zugängliche Hooks. Paradebeispiel hierfür ist "Best hard rock album 2013", das zwar leider nicht verrät, welche Platte diesen Titel tragen darf, aber dafür zwischen Synths und Handtrommeln die Hängematte aufspannt. Würden sich Darnielle und Co. noch weiter zurücklehnen, würden sie vom Stuhl fallen.
Leider markiert jener Track auch den Moment, an dem "Days" die Puste ausgeht. Das schöne "Going to Fennario" lässt sich abgesehen von seinem nervigen A-Cappella-Intro nichts zuschulden kommen, überzeugt als melancholisches Lagerfeuerlied mit Harfen-Akzenten von Mikaela Davis. Doch wenn mit den ungleich langweiligeren "Woodstock" und "Hidden majesty of later Venom albums" zwei weitere Vier-Minuten-Balladen direkt im Anschluss folgen, versumpft das zuvor so energiegeladene Album ein wenig in der Langsamkeit. Da hört man weitaus lieber dem groovigen "Annie Haslam imperial phase" zu, das der Sängerin der tollen Folk-Prog-Band Renaissance mit markantem Bass, dezentem Funk-Vibe und kleinem Saxofon-Solo zunickt. Und auch "Crying on Eddie Nash's grave" gibt sich trotz seines Titels nicht den Tränen hin, sondern hält sich mit seinem beständigen Rhythmus tapfer in Bewegung. So fügt "Days" der Mountain-Goats-Diskografie zwar keine essenzielle neue Note hinzu, untermauert aber das Talent der Band, schrullige Stories und Konzepte in grundsympathische Indie-Songs zu verpacken. Und das funktioniert über weite Teile heute noch genauso gut wie in der verschwommenen Vergangenheit.
Highlights
- Charlie Sheen reaches out to the Feds
- Annie Haslam imperial phase
- Best hard rock album 2013
Tracklist
- Song for Layne Staley
- Charlie Sheen reaches out to the Feds
- Shallow grave
- Candlebox
- Annie Haslam imperial phase
- Crying on Eddie Nash's grave
- Days
- Best hard rock album 2013
- Going to Fennario
- Woodstock
- Hidden majesty of later Venom albums
- Last day
Gesamtspielzeit: 36:35 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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TheOkapiposter Postings: 8 Registriert seit 15.04.2015 |
2026-08-10 20:02:53 Uhr
Ich habe mittlerweile auch das Album mehrmals komplett durchgehört und bin ziemlich gehooked. Alle Songs ziemlich lässig, und dann noch so geile Texte! Für mich eher eine 8/10 als eine 6/10. |
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MickHead Postings: 14347 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-08-07 09:59:34 Uhr
Jetzt komplett bei Bandcamp:https://themountaingoats.bandcamp.com/album/days Rolling Stone 3.5/5 https://www.rollingstone.de/reviews/the-mountain-goats-days-review/ MusikBlog https://www.musikblog.de/2026/08/the-mountain-goats-days/ Northern Transmissions 8/10 https://northerntransmissions.com/the-mountain-goats-days/ |
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Hubble Postings: 260 Registriert seit 14.06.2013 |
2026-07-31 09:53:11 Uhr
"Charlie Sheen Reaches out to the Feds" macht richtig Spaß! |
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Unangemeldeter Postings: 2742 Registriert seit 15.06.2014 |
2026-07-30 10:57:37 Uhr
Ich seh die in diesem Jahr zum ersten Mal live und freu mich schon total. Album muss ich erst noch hören.@Schabrackentapir: sehr guter Username! :-D |
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TheOkapiposter Postings: 8 Registriert seit 15.04.2015 |
2026-07-29 21:47:51 Uhr
„Charlie Sheen…“ ist jetzt schon einer meiner Lieblingssongs des Jahres. Eine irre Story, witzig erzählt und musikalisch schön verpackt. |
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Referenzen
The Extra Glenns; John Vanderslice; Craig Finn; The Hold Steady; Silver Jews; Purple Mountains; Guided By Voices; M. Ward; Elliott Smith; Sparklehorse; The Magnetic Fields; Bright Eyes; Iron & Wine; Neutral Milk Hotel; Mount Eerie; Okkervil River; The Decemberists; Phosphorescent; Sufjan Stevens; Andrew Bird; Two Gallants; Car Seat Headrest; Alex G; Ezra Furman; Phoebe Bridgers; Better Oblivion Community Center; Julia Jacklin; Cat Power; R.E.M.; Frightened Rabbit; The Weakerthans; Kurt Vile; Bob Dylan; Daniel Johnston; Titus Andronicus
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