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Jupiter Jones - Ich trag den Sarg, Du trägst was Buntes

Jupiter Jones- Ich trag den Sarg, Du trägst was Buntes

Mathildas und Titus / Broken Silence
VÖ: 31.07.2026

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Wenn alle es verstehen

Wann genau Punk zum Pop und wie Jupiter Jones übertriebenerweise zum Inbegriff der Sellout-Szeneverräter schlechthin wurden, braucht an dieser Stelle nicht wiederholt werden. Die seit 2021 reunierte Band hat sowohl die Eifel als auch die musikalische Heimat weit hinter sich gelassen, agiert heute zwar wieder unabhängig, produziert aber trotzdem für eine klar definierte Zielgruppe. Und doch: Ihr achtes Album "Ich trag den Sarg, Du trägst was Buntes" haben Sascha Eigner und Nicholas Müller wieder analog eingespielt, versuchen, neben einer größeren Themenpalette auch musikalische Ausreißer einzubauen. "Guten Morgen Welt" mit seinem Unheilig-Beat und missglückten Backing-Vocals ist da besser nicht repräsentativ zu verstehen. Denn vor allem in Müllers Texten und Gesang ist ein kleines bisschen alte Magie zu spüren; dazu ist der vollere, verglichen mit "Die Sonne ist ein Zwergstern" deutlich organischere Sound überaus gelungen. Selbstverständlich ist das alles kein "Raum um Raum" und sind Jupiter Jones nicht auf einmal Hot Water Music. Aber voll klargehende Songs wie "Champagnerempfang satt", welcher sich der Dysmorphophobie widmet und Betroffene empowert, überzeugen und reichen. Du nennst es Deutschrock, ich nenn es konsequent.

Die Band hat spürbar wieder Hunger, zeigt Biss, kann jedoch nicht ganz auf alte Gewohnheiten verzichten. Das ohrwurmige "Neunkircher Wald" könnte etwas weniger Ballast und Pathos vertragen, während "Keine neuen Gründe" als voluminöser Rocker eher den richtigen Fokus setzt. "Wo diese Liebe hinfällt (Krater)" wäre als Akustikgitarrenballade berührender, aber es stompt und clapt unentwegt, und Müller gibt den deutschen Alex Warren. Treibender Indie-Pop wie "Älter als die Steine" wirkt dagegen viel eleganter, neben dem Geigen-Intro glänzt die Band hier mit ergreifendem Optimismus, wenn der Sänger seine Nachkommen zum Durchhalten und Bessermachen animiert: "Du wirst älter als die Steine, stehst länger als die Zeit / Wie liegst Du mir am Herzen / Wo liegst Du mir im Herz rum?" Nichts ist verloren, solange die Hoffnung überdauert.

Denn weder heimlich noch still und leise hält doch wieder der Punk Einzug – oder zumindest das, was Jupiter-Jones-Fans aus Berufstätigen und Alltagshelden als solchen rezipieren könnten. "Versteht das hier als Aufruf zu zivilem Ungehorsam / Versteht das hier als Aufruf zum gewaltfreien Protest", erzieht "Torpedo Mobile" seine Hörer*innen dazu, mindestens AfD-Wähler*innen zu ermahnen, im Alltag auf Ungerechtigkeiten hinzuweisen, das Kreuz korrekt zu setzen. Gut und richtig, aber auch ungeheuer didaktisch. Wesentlich eindringlicher packt "Euren Töchtern geht es gut" seine Message mit angriffslustigen Rap-Passagen von Liser und Finna in einen flotten, absolut unpeinlichen Song: "Der größte aller Fehler ist das Patriarchat / Tadaa!" Wer hätte das gedacht. Und sieht man sich die Kommentarspalte unter dem zugehörigen YouTube-Video an, kann man der Band eh nur gratulieren, alles richtig gemacht. Es gibt sie also tatsächlich: Künstler*innen, die nicht nur zum eigenen Kirchenchor predigen.

Im Spannungsfeld zwischen der Rückkehr zum Rock, so manchem schniefenden Selbstzitat ("Auf das Leben!") und Erwachsenen-Gebrauchspop haben Jupiter Jones ein grundsolides Album zustande gebracht, nicht mehr oder weniger. So ist "Ich trag den Sarg, Du trägst was Buntes" ebenso Frühstücksfernsehen wie Trierer Exhaus, ebenso Peter Maffay wie Popperklopper, ebenso sympathisch wie stellenweise leicht belehrend. Vielleicht muss man sich einfach eingestehen, dass man nicht länger zur Zielgruppe gehört, die Erinnerung an den Pogo im Schimmelkeller so blass wie das "Live your heart and never follow"-Tattoo, das aber auch gar nicht mehr nachgestochen werden soll. Solange der Blick auf das Gute dadurch nicht getrübt wird, lässt sich das aushalten. In den eigenen Worten der Band: "Vielleicht kommt plötzlich mit Fanfaren alles Gute zurück." Denn immer muss es weitergehen, mein Freund! Und sei es nur vom Balkon auf die Straße zum Balkon gegenüber.

(Ralf Hoff)

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Highlights

  • Keine neuen Gründe
  • Älter als die Steine
  • Euren Töchtern geht es gut

Tracklist

  1. Champagnerempfang satt
  2. Neunkircher Wald
  3. Keine neuen Gründe
  4. Älter als die Steine
  5. Guten Morgen Welt
  6. Wo diese Liebe hinfällt (Krater)
  7. Torpedo Mobile
  8. Euren Töchtern geht es gut
  9. Ich weiß es doch auch nicht
  10. Hundemensch
  11. Paul McCartney stirbt
  12. Ein Platz in der Sonne
  13. Immer noch (Auf das Leben!)

Gesamtspielzeit: 41:26 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

MickHead

Postings: 14347

Registriert seit 21.01.2024

2026-08-07 09:40:00 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:

https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_lfGnrHKdH3zcMU0YXM-bTugnRQXYGcAQQ&si=7hrxWYc2qmguwyQP

Musikexpress 2/6

https://www.musikexpress.de/reviews/jupiter-jones-ich-trag-den-sarg-review/

Kontermutter

Plattentests.de-Mitarbeiter (Gerrit Phil Abel)

Postings: 821

Registriert seit 04.03.2023

2026-08-04 22:19:20 Uhr
Grundsätzlich freue ich mich aber darüber, wenn Franz nochmal was fühlt.

Mein Hauptproblem ist gar nicht mal so sehr die Wertung und worauf er sie aufbaut, aber halt... der Text ist halt auch genauso öde eindimensional. Der Ansatz schreit danach, bis zum Erbrechen zu zitieren und das dann entsprechend auszuschlachten. Bad day at the office, I guess.

Ralph mit F

Mitglied der Plattentests.de-Schlussredaktion (Ralf Hoff)

Postings: 913

Registriert seit 10.03.2021

2026-08-04 11:55:25 Uhr
Oh je, welche Laus ist dem denn über die Leber gelaufen?
Das Album geht einfach absolut in Ordnung angesichts dessen, wer die Band heute sein will und wen sie ansprechen möchte. Seltsamer Ansatz in dieser “Kritik”.

Enrico Palazzo

Postings: 10080

Registriert seit 22.08.2019

2026-08-04 11:06:45 Uhr
Ich habe das Album noch nicht gehört, aber

Erst "Paul McCartney Stirbt" bietet einen Titel, bei dem sich das Hirn nicht unterbewusst nach einer Butanflasche umguckt, um diesen Müll nicht weiter bei vollem Bewusstsein ertragen zu müssen.

ist ja eigentlich nur beleidigend. Ist aus der Laut-Kritik. Das ist meines Erachtens die niederste Form und handwerklich wenig smart, um eine Platte zu zerreißen. Weiß nicht, was das soll. Niwoh, wo bist du geblieben?

eric

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 2984

Registriert seit 14.06.2013

2026-08-04 10:56:22 Uhr
Völliger Schwachsinn, so eine Fundamental-Kritik, da wird trotz individuellen Geschmacks bzw. Wirken von Musik, die jeder/m Schreiber*in zusteht, ziemlich viel Negatives zugedichtet. Klar ist auf dem Album einiges an Halbgarem drauf, aber viele Lyrics des Albums sind nach wie vor weit über dem Deutschpop-Radiobrei und wirken für mich auch nicht aufgesetzt. Ebenso Müllers Stimme, das geht schon klar.

Dazu hat die Platte wirklich drei, vier astreine Hits. Bin eher positiv überrascht und höre das Teil knapp über der 6/10 des doch eher radioaffinen Vorgängers.
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