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Cinder Well - A blooming body

Cinder Well- A blooming body

Hen House
VÖ: 17.07.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Zarte Schwere

Sie mag bislang nicht übermäßig auf der großen Bühne in Erscheinung getreten sein, und doch ist Cinder Well in ihrer musikalischen Laufbahn schon einiges an großer Kunst geglückt. In Bezug auf die öffentliche Wahrnehmbarkeit dürfte ihr nicht unerheblicher Beitrag zur BBC-Serie "Small prophets" ein wenig herausragen, für die sie das Titelstück und den Score schrieb. An ihrer Qualität kann das weitgehende Schattendasein übrigens nicht liegen: Auf ihren bisherigen Veröffentlichungen hat die Singer-Songwriterin, die bürgerlich Amelia Baker heißt, mit ihren zumeist sanften Folk-Variationen klanghafte Spuren hinterlassen. Für ihr mittlerweile viertes Studioalbum "A blooming body", das sie mit Produzent Harlan Steinberger in den Hen House Studios im kalifornischen Venice aufgenommen hat, taucht sie nun noch etwas tiefer unter die Oberfläche ab und erreicht dabei eine neue, höchst gelungene Stufe der tonalen Entschleunigung.

Eindrücklich gerät gleich der Auftakt des nur acht Songs umfassenden Werks. "While the womb screams silently" präsentiert uns eine Erzählerin, die sich mit der Tatsache auseinandersetzt, dass andere über das eigene Bild bestimmen: "To watch yourself painted in somebody else's image / While the womb screams silently for you to listen / Pulling at an endless thread of thistle / Whose hooks and briars they catch things / You thought you couldn't miss them." Untermalt wird ihr erlesener Gesang von Gastmusikern wie Greg Cohen am Bass, Jake Falby an der Viola oder Marc Bolin an der Tuba. Auf den ersten Blick kleine Namen, die teils mit weit Größeren zusammengespielt haben, Cohen beispielsweise stand unter anderem schon an der Seite von Tom Waits. Die vielköpfige Unterstützung, in dieser Ballung übrigens eine Ausnahme auf dem Album, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Cinder Well stets im Mittelpunkt steht, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

Dass sich die Künstlerin regelmäßig nicht nur in ihrer sonnenüberfluteten kalifornischen Heimat aufhält, sondern auch die irische Küste schätzt, ist der musikalischen Ausrichtung immer wieder anzuhören. Die Ausflüge in die traditionellen Klangschätze der Insel sind zwar nicht mehr so offenkundig wie beispielsweise in früheren Songs wie "I am a youth that's inclined to ramble", doch unterschwellig scheinen sie anhaltend durch. Es gibt auf "A blooming body" erneut keine Momente der gezielten Eskalation, wie sie beispielsweise der Ire Glen Hansard immer wieder einstreut. All die ruhigen, fast zarten Kompositionen entwickeln gleichwohl eine enorme Sogwirkung, die durch ihre lyrischen Einfälle stets pointiert abgerundet wird. Oft schwebt ein Hauch von Abschied durch die Zeilen, wie im starken Schlusspunkt "Shadows of leaves on red brick", wenn es heißt: "I am all too aware of endings / Of goodbyes, of packing the suitcase / Lost items, too many to fit / Too heavy to carry through the doorway." Emotionale Schwere, mit einer Form von düsterer Leichtigkeit intoniert. Und mal ehrlich: Für die ganz großen Bühnen ist das ohnehin viel weniger geeignet als für die kleinen. Große Kunst ist es dennoch.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights

  • While the womb screams silently
  • Signals
  • Shadows of leaves on red brick

Tracklist

  1. While the womb screams silently
  2. Beyond the pale
  3. Ashes
  4. Of nettles and roses
  5. Signals
  6. The color of earth
  7. August
  8. Shadows of leaves on red brick

Gesamtspielzeit: 36:30 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

joseon

Postings: 1783

Registriert seit 04.09.2023

2026-08-01 11:26:14 Uhr
Fantastisches Album. Für mich inzwischen ihr zweitbestes. Nur "No Summer" ist noch besser.

Hierkannmanparken

Postings: 3308

Registriert seit 22.10.2021

2026-08-01 11:23:07 Uhr
Es gibt auf "A blooming body" erneut keine Momente der gezielten Eskalation, wie sie beispielsweise der Ire Glen Hansard immer wieder einstreut.

Umso erstaunlicher, wie sich die Musik doch festsetzt. Ich hab den ganzen Morgen überlegt, wo ich einen bestimmten Ohrwurm her hab, und es war dann die Bläser-Melodie ab 3:35 in Ashes. Hier gibt es glaube echt viel zu entdecken. Amelia Baker selbst spielt ja sieben Instrumente auf dem Album und wird von insgesamt elf weiteren Musiker*innen unterstützt (vgl. echoesanddust.com/2026/07/cinder-well-a-blooming-body/).

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30941

Registriert seit 08.01.2012

2026-07-29 21:24:53 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Hierkannmanparken

Postings: 3308

Registriert seit 22.10.2021

2026-07-29 21:00:30 Uhr
Bei den Referenzen gleich mal reingehört, freu mich!

MickHead

Postings: 14369

Registriert seit 21.01.2024

2026-07-19 11:17:33 Uhr
Die amerikanische Dark/Chamber-Folk Musikerin Amelia Baker aka "Cinder Well" aus Los Angeles, California, veröffentlichte am 17.07. das 5. Studioalbum "A Blooming Body". Es folgt auf "Cadence" von 2023.

Ein Album, das sich bravourös bewährt hat, ist *A Blooming Body* von Cinder Well – ein Liederzyklus, der sich wie die schattenhaften filmischen Schätze vergangener Zeiten entfaltet. Ganz gleich, was zuvor lief: Ich werde hellhörig und höre genau hin. Ihr sachlicher Vortrag erinnert mich an Suzanne Vega – nicht im Klang, aber in der Zurückhaltung. Sie besitzt den Blick einer Dichterin für Details und malt lebendige Wortbilder. Die musikalische Untermalung der Texte ist zugleich reduziert und ausgefeilt; einige Zwischenspiele beschwören – zumindest für meine Ohren – Velvet Underground in der Ära von John Cale herauf. In der Pressemitteilung erklärt sie: „Ich wollte die ersten Aufnahmen von Gitarre und Gesang live einspielen, um der Musik so viel Leben wie möglich einzuhauchen. Was die Arrangements betrifft, habe ich zudem verschiedene Instrumente und Musiker einbezogen – früher habe ich die meisten Melodien um die Geige herum aufgebaut, doch auf dieser Platte sind es Bläser, Synthesizer, E-Bow und andere reizvolle Klangtexturen, die die melodischen Instrumentalpassagen tragen.“ In gewisser Weise entfalten sich ihre Lieder wie Zeilen aus einem Gedicht von Maggie Smith: „Spät in der Saison sitzen wir knöcheltief / in Unkraut und Blumen. In Unkraut, das wir Blumen nennen.“ Sie alle sind fesselnd.

„While the Womb Screams Silently“, der erste Titel, ist ein hervorragender Einstieg. Inspiriert von dem Film *Porträt einer jungen Frau in Flammen* – der von einer Künstlerin des 18. Jahrhunderts und ihrem widerwilligen Modell handelt –, schildert er den Kampf gegen das Patriarchat, sowohl im Außen als auch im Inneren. „Beyond the Pale“ versetzt sich in die Lage einer Person, die erkennt, dass es bei den Verfehlungen, die ihr Partner ihr vorwirft, womöglich um Kontrolle geht. Manche Lieder lösen sich von der Schwere: „Ashes“ etwa würdigt die Nachbarschaft, während „Of Nettles and Roses“ den Garten zur Metapher für etwas Größeres macht: „Du erinnerst dich daran, wie sich Brennnesseln anfühlten, als du dich zum ersten Mal daran verbrannt hast / und ich muss dir sagen / wie dem auch sei / die gute und die schlechte Nachricht ist / dass sich die Dinge immer in demselben Tempo wandeln / wie zuvor.“

Cinder Well ist übrigens der Künstlername der in L.A. ansässigen Singer-Songwriterin Amelia Baker, die Gitarre, Geige, Klavier, Synthesizer, Rhodes, E-Bow und Orgel spielt. Sie hat *A Blooming Body* gemeinsam mit Harlan Steinberger produziert. Das Album ist es absolut wert, mehrfach angehört zu werden. Quelle: The Old Grey Cat

A Blooming Body" bei Bandcamp:

https://cinderwell.bandcamp.com/album/a-blooming-body

"Cadence" (2023) bei Bandcamp:

https://cinderwell.bandcamp.com/album/cadence
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