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Yard Act - You're gonna need a little music

Yard Act- You're gonna need a little music

Island / Universal
VÖ: 17.07.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Durch die Hosentasche

"Where's my Utopia?" Noch ziemlich weit entfernt, wenn man knapp zweieinhalb Jahre nach dem letzten Yard-Act-Longplayer auf die Weltlage blickt. Und auch Frontmann James Smith ist nach wie vor ganz hin- und hergerissen. Zwischen zwei Top-Five-Alben im Vereinigten Königreich und seinem Working-Class-Background im zugigen Leeds, Quasi-Popstartum und seiner Rolle als Familienvater, dem Vertrag beim gewinnorientierten Major-Label und beständigem Granteln über Kapitalismus, soziale Schieflagen und die Unwägbarkeit der eigenen Karriere. Schließlich ging der Knüller "We make hits" 2024 eher tongue-in-cheek zur Sache, als die eigene Unfehlbarkeit zu feiern. Und in ähnlichem Sinne hebt nun "You're gonna need a little music" an, wenn der Sänger im verbogenen Opener "Empty pledges" bekennt, er habe rein gar nichts Neues mitzuteilen.

Klingt ernüchternd, ist aber unwahr – zumindest musikalisch, denn das offenbar gar nicht so schwierige dritte Album kickt mit zornigen Gitarren, dicken Percussion-Shots und wohlgesetzten Piano-Tropfen ungewohnt massiv los. Nach dem großartigen Zweitling, der sich deutlich weiter auffächerte als das sehnige Debüt "The overload", ein weiterer Schritt weg von einem Post-Punk, der auf der Insel ohnehin immer häufiger als Crank Wave firmiert. Zu "New beginnings" taugt der gleichnamige Song mit grob lärmenden Riffs und fettem Rumpel-Groove jedenfalls vorzüglich, während Smith bekennt: "Society has not been kind to my efforts." Logisch, dass Yard Act es ihr heimzahlen. Auch mit der Vorabsingle "Redeemer", die vor schwerem Trommelfeuer und barschem Saitenwerk derart knarzt und schiebt, als würde sie nur von Rost und Kaugummi zusammengehalten.

Schroffe Vorboten eines Albums, das mehr Löcher gräbt als je zuvor, ohne sie alle zwingend wieder zuzuschütten – und oft wenig vom tröstlichen Unterton des Ausspruchs "You're gonna need a little music" hat. Immerhin das Titelstück markiert mit New-Order-Schlagseite und Brit-House-Anklängen eine Art versöhnliche Mitte innerhalb dieser oft verstockten knappen Dreiviertelstunde: Wenn subtile Keyboard-Tupfer eröffnen und plötzlich eine vollmundige elektronische Fläche den Track flutet, ist sogar das aufgeräumte Hard-Fi-Comeback "Sweating someone else's fever" in Hörweite. Noch so eine Band, die – wiewohl ungleich länger im Geschäft – Zivilisationskrankheiten treffsicher diagnostiziert und sie mit schiefem Grinsen so genießbar macht wie möglich. Und auch im Repertoire von Yard Act ist nicht zuletzt Humor nach wie vor ein wichtiges Enzym.

Das klingt beim lockeren Rumpeln von "Talky talky people" im Gedenken an Smiths verstorbenen The-Fall-Namensvetter so: "When I was young I was totally wired / Now I'm getting on I'm only tired" – nachdem schon "Tall tales" potenziellem Starglanz mit den Worten "Small change in my pocket / Gonna spend it like a king" eine ebenso locker durch die Hosentasche geatmete Abfuhr erteilte. Funkier wird es im LCD Soundsystems "Sound of silver" nachmodellierenden "Fiction", während "Cherophobe rock" abgesägten Post-Punk durchs Dorf treibt und "Thrill of the chase" Breakbeats, Gitarren und Acid-Lines wüst aufeinanderprallen lässt. Ganz schön rau, ganz schön unwägbar – und sinnbildlich für ein tolles, ordentlich durchrüttelndes Album, das mit einem geraunten "You got me over the barrel" schließt. Und nach dem sich niemand über den Tisch gezogen fühlen muss.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • New beginnings
  • You're gonna need a little music
  • Cherophobe rock
  • Redeemer

Tracklist

  1. Empty pledges
  2. New beginnings
  3. Tall tales
  4. Fiction
  5. You're gonna need a little music
  6. Cherophobe rock
  7. Thrill of the chase
  8. Janey said
  9. Redeemer
  10. Talky talky people
  11. Over the barrel

Gesamtspielzeit: 41:43 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Grizzly Adams

Postings: 7168

Registriert seit 22.08.2019

2026-08-02 20:30:20 Uhr
Vielleicht das zugänglichste Album wie @Croefield schrieb: Mir macht es schon ordentlich Spaß. Finde auch die Reminiszenzen an den 90er oder 00er Sound nicht störend oder (wert)mindernd. Passt daher sehr gut in Playlists mit Songs aus dieser Zeit.

Musik ist ja ein bisschen wie Mode. Alles kommt wieder. Ob man sie hören (oder tragen) möchte, ist ja letztlich eine sehr individuelle Entscheidung. Und manchmal wird man damit sogar zum Trendsetter. ;-)

KeesPopinga

Postings: 222

Registriert seit 16.03.2014

2026-07-22 11:16:21 Uhr
Nicht ganz so stark wie der Vorgänger, finde ich. Aber einige Hits - vor allem der Titelsong ist bärenstark.

Grizzly Adams

Postings: 7168

Registriert seit 22.08.2019

2026-07-18 21:31:05 Uhr
Jepp. Macht Laune. Mindestens 7/10

Sick

Postings: 369

Registriert seit 14.06.2013

2026-07-18 19:51:55 Uhr
Das ist ja ein wilder Mix. Gutes Album. 7-8/10.

Enrico Palazzo

Postings: 10082

Registriert seit 22.08.2019

2026-07-17 22:30:20 Uhr
Ja, eben altbacken, weil Blur das vor 30 Jahren und The Streets vor 20 Jahren gemacht haben.
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