Ezio - Higher

Ezio- Higher

SPV
VÖ: 17.04.2000

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Manchmal klingt die Stille lauter

Eingeweihte, und diese soll es reichlich geben, sind nach den Songs des italienischstämmigen Briten süchtig. Sein Majordebüt von 1995, "Black boots on Latin feet", hinterließ feuchte Augen aller Orten. Mit einer Stimme, die zum ausdrucksstärksten gehört, was sich in der Popszene so herumschlägt, den einfühlsamsten Texten seit langem, einem unschlagbaren Humor, einer akustischen Gitarre und seinem kongenialen Partner Booga bewaffnet, zog Ezio von da an aus, um die Herzen nicht nur der Frauen zu erobern. Besonders in Deutschland gelingt ihm das stets vortrefflich, wie regelmäßig ausverkaufte Clubgigs zu berichten wissen.

Mit "Higher" liegt nun das vierte Album von Ezio Lunedei vor und bietet uns Material, das schon auf der Tour im letzten Herbst vorgestellt wurde. Der Reiz, den Ezio live entfaltet, besteht aus der ungewohnten Präsenz zweier akustischer Gitarren, die sich nicht in italienischen Folkklischees ergehen, wie schon fälschlich angenommen wurde, sondern mal jazzig, mal sogar verstärkt rockig die Geschichten umschweben, die Ezio uns zu erzählen hat. Auch diesmal hat er wieder einige auf Lager: "Higher" erzählt von einem Popstar, der sich langsam von seinem Publikum entfremdet. "You've never been so mentioned." In "Still ice cold" greift er ein Motiv aus "Suspicious minds" auf und warnt eine Frau davor, sich zu sehr auf ihn einzulassen. "You say that you believe in God / If I say that I don't / Would that be a problem?"

Von der Verarbeitung vergangener Beziehungen singt Ezio in "At that moment". Er fährt auf der Autobahn und sieht das Schild, das zu seiner Verflossenen führen würde. "If I took the turn off for your town / Wouldn't be that hard to track you down / Or to think of an excuse / For me to be there." Dennoch wäre es nur halb so schön, wenn er denn wirklich den Blinker setzen würde. So bleiben er und seine Melancholie vorerst bei uns.

So sehr jedoch die Gitarre danach trachtet, den Zuhörer bei der Hand zu fassen, gelingt es diesmal nur in wenigen Augenblicken. Zu poliert, zu glatt klingen meist die Songs. Zu selten gelingt es Ezio die Magie der schwarzen Schuhe zu beschwören. Live jedoch funktionieren auch die neuen Songs blendend. Auf einen Zwischenruf, es mal mit ein wenig Verzerrung zu probieren, reagierte Ezio einst noch mit einem strafenden Blick. Hätte er sich doch daran erinnert, als er die neue Platte aufnahm. Erst befreit von Studioklumpatsch, nur getragen von zwei akustischen Gitarren entfalten die Songs ihre wahre Schönheit. Im April wird Ezio auch wieder auf Deutschlandtour kommen und zeigen, daß hinter "Higher" mehr steckt, als die Scheibe zugeben will. "Sometimes silence somehow / Seems to sound much louder."

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Still ice cold
  • Higher
  • Meet me in the Gods

Tracklist

  1. Still ice cold
  2. At the moment
  3. You're strange
  4. Perfect
  5. Higher
  6. Meet me in the Gods
  7. Oranges
  8. Anymore
  9. Freedom
  10. Sometimes silence

Gesamtspielzeit: 50:07 min.

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