Soulburn - Quantifying cosmic doom
Testimony / Soulfood
VÖ: 12.06.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
Wie ausgewechselt
Zu den wichtigsten niederländischen Death-Metal-Bands zählen ohne Zweifel Asphyx, die neben Gorefest und Pestilence wohl am nachhaltigsten diesem Genre einen unverkennbaren lokalen Stil verliehen haben. Leider war Asphyx in den Neunzigern aber auch für ein überaus fragiles Bandgefüge bekannt, sodass sich die Band 1994 zum ersten Mal auflöste, im folgenden Jahr ein selbstbetiteltes Reunion-Album veröffentlichte, nur um ein Jahr später erneut die Trennung bekannt zu geben. Aus den Überresten formten Gitarrist Eric Daniels und Schlagzeuger Bob Bagchus Soulburn. Mit so großem Erfolg durch das Debüt "Feeding on angels", dass die Band kurze Zeit später wieder zu Asphyx wurde. Man ahnt es schon, nach zwei Jahren war auch dieses Line-Up wieder Geschichte. Es sollte bis 2014 dauern, bis sich alle beteiligten Musiker auf ihre Bands und Nebenprojekte einigen konnten, und Soulburn koexistieren seitdem fröhlich neben Asphyx und den verwandten Nebenprojekten Hail Of Bullets und Grand Supreme Blood Court.
Klingt verwirrend? Ist es auch. Ähnlich verwirrt dürften alle diejenigen sein, die den Niederländern durch dieses Dickicht gefolgt sind und sich am deftigen Death-Doom des Vierers erfreut haben. Denn auf "Quantifying cosmic doom", dem dann doch schon fünften Studioalbum, vollführt die Band eine einigermaßen radikale stilistische Neuausrichtung. Am meisten hörbar dadurch, dass Frontmann Twan van Geel im Unterschied zu den früheren Alben seine Vocals nicht mehr kompromisslos herausschreit, sondern immer wieder intensiv mit klarem Gesang experimentiert. Zwar beginnt der Opener "The braveheart of nightmares" noch mit sirrenden Black-Metal-Riffs, doch schon nach kurzer Zeit werden diese von einer geradezu hypnotischen Gitarrenmelodie überlagert, bis der Song das Tempo herausnimmt und van Geel den Raum für seinen epischen Gesang gibt. Er selbst gibt David Bowie als Inspirationsquelle an, erinnert mit seinem beschwörenden Stil aber immer wieder an Alan Averill von Primordial.
Bietet schon alleine dieser Opener mehr Spannung, mehr Überraschungsmomente als alles andere zuvor in der Bandhistorie, sprühen die Niederländer weiter vor Innovation. "Powehi – embellished dark source of unending creation" setzt diesen Weg fort, reduziert zwischendurch das Tempo auf hypnotisches Doom-Niveau, während "A pyramid absurd" die umgekehrte Richtung einschlägt, sich mithin von sanft klimpernden Gitarrenläufen in Sound gewordene Lavaströme ergießt. Weniger experimentierfreudig, als sollten damit die alten Fans besänftigt werden, zeigen sich da das zu Beginn Goth-lastige "An impious journey through the cathedral's mouth" und vor allem das tiefschwarze "Iconox spew black at the razor's edge", das wohl am intensivsten auf die Death-Doom-Wurzeln zurückgreift.
Doch auch dort finden sich bei genauerem Hinhören immer wieder feine und feinste Widerhaken, die aufhorchen lassen, die es sich zu verfolgen lohnt. "M87 – what hopes to be born" zieht so unweigerlich in den Bann wie das namensgebende Schwarze Loch das Licht, und "Down among the stars" gerät zu einer derartigen Hommage an Black Sabbath, dass man sich jede einzelne Zeile mit dem Gesang von Ozzy Osbourne vorstellt. Auch wenn nicht jeder Inspirationspfeil ins Schwarze trifft, vielleicht an ein paar wenigen Stellen die Kreativität ein bisschen mehr hätte kanalisiert werden können, bleibt "Quantifying cosmic doom" ein spannendes Album, das erarbeitet werden will, das auch nach mehreren Durchläufen noch Überraschungen bereit hält. Sollte dieses Niveau tatsächlich auf Kosten einiger Fans gehen, sollten Soulburn diesen Preis zahlen. Erst recht, wenn diese Vielfalt zur neuen Konstanz werden sollte.
Highlights
- The braveheart of nightmares
- Powehi – embellished dark source of unending creation
- Iconox spew black at the razor's edge
Tracklist
- The braveheart of nightmares
- Powehi – embellished dark source of unending creation
- A pyramid absurd
- An impious journey through the cathedral's mouth
- Stalactite of molten flesh
- M87 – what hopes to be born
- Iconox spew black at the razor's edge
- Down among the stars
- The desolationist
- In the very time that will rot us
- An innocuous swathe of sky
Gesamtspielzeit: 61:16 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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kiste Postings: 371 Registriert seit 26.08.2019 |
2026-07-17 08:27:53 Uhr
Interessanter Text. Ich hatte mich zuvor nie mit Asphyx beschäftigt, doch nun bin ich auf das Album gespannt und wer weiß, vielleicht bringt es mich ja dazu auch mal in Asphyx reinzuhören. |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30941 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-07-16 20:34:36 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Referenzen
Primordial; Blood Incantation; While Heaven Wept; Twilight Of The Gods; Chapel Of Disease; Sulphur Aeon; Venenum; Tryptikon; Celtic Frost; The Ocean; Disillusion; Tribulation; Necrophobic; Voivod; Ulcerate; Meshuggah; Cynic; Asphyx; Hail Of Bullets; Grand Supreme Blood Court; Benediction; Memoriam; Enslaved; Emperor; Moonsorrow; A Forest Of Stars; Paradise Lost
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- Soulburn - Quantifying cosmic doom (2 Beiträge / Letzter am 17.07.2026 - 08:27 Uhr)



