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Deep Purple - Splat!

Deep Purple- Splat!

Ear / Edel
VÖ: 03.07.2026

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Musik nur, wenn sie laut ist

"Was geht einem autofahrenden Schlagzeuger durch den Kopf, wenn er vor der Radarfalle eine Vollbremsung macht?" – "Das Ridebecken." Wer diesen Witz versteht und lustig findet, der wird sich auch am neuen Albumtitel von Deep Purple erfreuen, denn laut "Albumkonzept" (so das Promo-Material) referenziert "Splat!" lautmalerisch das Aufprallen eines Insekts auf der Windschutzscheibe. Und Ian Gillan schiebt in ebenjenem Konzept den Witz hinterher: "What is the last thing to go through an insect's mind as it hits the windscreen? Its arse." Doch trotz dieses allzu mau anmutenden Altherrenwitzes soll es auf diesem Album tiefgründig zugehen, denn, so Gillan weiter: "Der abrupte Aufprall auf der Glasscheibe ist kein Ende, sondern der Übergang in eine neue Existenzform. Im Moment des Stillstands bricht die Realität auf: Die gesamte Menschheitsgeschichte schießt durch das Bewusstsein und alles Physische löst sich in ein kollektives Bewusstsein auf." "Ja gut, eh", hätte Beckenbauer gesagt. Lassen wir das mal so stehen und sind zunächst etwas besorgt, was das neue Album der Rock-Urgesteine so bringen mag.

Doch bereits beim Konsum des fulminanten Openers lassen sich diese und andere Bedenken ad acta legen. Was die Senioren hier veranstalten, ist schlicht und einfach eine Freude. Schon im ersten Track gibt's nach einem eher riffbetonten Intro zügig auf die Zwölf. Da freuen wir uns über eine rasant und energetisch nach vorne preschende Rhythmusgruppe, funkelnde Gitarrensoli, fette Powerchords, ja sogar leichte Progrock-Anleihen mit rotziger Hammondorgel und geschickt gewählten Taktwechseln. Schnell ist klar: Hier musizieren Leute, die ihr Pulver noch lange nicht verschossen haben. "Diablo" legt dann gleich noch ein paar Holzscheite drauf: Bereits nach 100 Sekunden ist die klassische Songstruktur vergessen, stattdessen liefern sich Don Airey an den Keys – er spielt später auch in "The lunatic" eine affengeile Orgel – und Jungspund Simon McBride ein mehr als zwei Minuten langes, nachgerade waghalsig-feuriges Hammond-Gitarre-Duell, das später in unisono-Phrasierungen mündet, bevor der Track am Ende wieder zum klassischen Song wird. Sie machen's, weil sie's können – und weil es ihnen ganz offenbar unfassbaren Spaß macht.

Besonders erfreut, dass Deep Purple die Stücke offenbar zu großen Teilen live musiziert beziehungsweise eingespielt haben. So merkt man beim leicht bluesrockigen "The only horse in towns", dass hier nicht am Rechner nachgeholfen und begradigt wurde; ein wenig rumpelt die Rhythmusgruppe, aber eben auf musikalische Weise, wie bei dem kongenialen Stones-Team aus Charlie Watts und Bill Wyman. Das ist schlacken-, aber nicht einfallsloser Geradeaus-Rock, dem zu keiner Zeit Geriatrisches anhaftet, dazu ist die rübergebrachte Energie einfach zu stark und das Engagement zu glaubwürdig. Doch Deep Purple ziehen zuweilen auch andere Saiten auf. Da ist zum Beispiel "The beating of wings", das ein herrlich wabbelig-windschiefes Wurlitzerpiano mitbringt – oder das mit mystischen Einschlägen und feinziselierten Synthie-Attacken durchwobene "Sacred land". Und der Titeltrack "Splat!" könnte gerade zu Beginn mit seiner versponnenen Soundästhetik auch aus der Feder von Hawkwind oder Ozric Tentacles stammen. Hier und da gibt es sogar jazzige Ausflüge, die aber zu keiner Zeit verkopft rüberkommen.

Wie man's auch dreht und wendet: Man kann Deep Purple attestieren, bei diesem Album so ziemlich alles richtig zu machen und in keine der zahlreichen Fallen zu tappen, die Bands dieser Größe, Kragenweite und Altersklasse üblicherweise drohen. "Splat!" zeichnet sich durch die völlige Absenz unnötigen Bombasts aus, es geht auch nicht auf Nummer sicher. Stattdessen liefern die Herren Virtuosität und kundiges Songwriting ohne Onanie, unbändige Spielfreude, ein Füllhorn an guten Ideen und nicht zuletzt eine knackige Produktion, die mächtig Druck hat und dynamische Reserven mitbringen. Sorry, das muss mal ganz volksnah gesagt werden: "Splat!" ist ein richtig geiles Brett, das man immer wieder durchhören kann, gerne auf höchstmöglicher Lautstärke, und dessen rohe Energie definitiv ansteckt.

(Jochen Reinecke)

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Highlights

  • Arrogant boy
  • Diablo
  • The lunatic
  • The beating of wings

Tracklist

  1. Arrogant boy
  2. Diablo
  3. The rider
  4. The lunatic
  5. The only horse in town
  6. Sacred land
  7. The beating of wings
  8. Guilt trippin'
  9. Scrib'lin Gib'rish
  10. Jessica's bra
  11. Third call
  12. My new movie
  13. Splat!

Gesamtspielzeit: 51:17 min.

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User Beitrag

Hierkannmanparken

Postings: 3200

Registriert seit 22.10.2021

2026-07-10 19:51:49 Uhr
Wie macht sich das beim Hören konkret bemerkbar (sry falls blöde Frage)?

Ich mag den Sound ganz gerne, als knackig würde ich ihn auch nicht bezeichnen, aber ich höre da schon viel Luft zum Atmen raus. Vor allem wenn man bedenkt, dass sich Orgel und Gitarre oft auch gleichzeitig das Rampenlicht teilen. Es geht nix unter und gleichzeitig ist der Mix nicht zu "busy".

audiosexual

Postings: 4

Registriert seit 24.06.2022

2026-07-10 16:30:45 Uhr
"... nicht zuletzt eine knackige Produktion, die mächtig Druck hat und dynamische Reserven mitbringt."

Wir sind bei einer Lautheit von etwa -5 LUFS, was mit einem dynamischen und druckvollen Klangbild dank dieses "Brett-Masterings" leider überhaupt nichts mehr zu tun hat. Eine "knackige Produktion" sollte wenigstens etwas atmen und beim Hören Spaß machen. ;-)

Mir ist unbegreiflich, wie Plattenfirmen immer noch solche Master anfordern und durchwinken können. Bei Streamingdiensten, die lautheitsbasiert anpassen, läuft dieses Werk mit über 7 dB Reduktion.

Sneedlewoods

Postings: 2091

Registriert seit 07.05.2023

2026-07-08 12:54:50 Uhr
Aufstand im Seniorenstift? Die Rolling Stones(Durchschnittsalter U/Ü90) und Deep Purple(Ü80 +/-) veröffentlichen neue Alben. Was soll man von "Splat" erwarten. Mit Sicherheit kein "In Rock" aber auch kein "Come taste the band". Die letzten Alben von DP habe ich irgendwie in Erinnerung was bei "Splat" nicht so der Fall sein wird. Ian Gillan singt sicherlich nicht mehr wie einst im Frühling, Ian Paice trommelt immer noch solide und Roger Glover schafft seine Griffe am Bass ohne Arthritische Schmerzen. Don Airey und Simon McBride sind perfekte Zuspieler sicherlich anders wie die Partner in Crime Lord/Blackmore, aber es funktioniert. Ja, das Album ist Classic-Rock, nicht im Sinne von das DP sich in ihrem früheren Fundus bedienen und daraus fix einen Schnellschuss zusammen gedengelt haben. Man hört schon das immer noch Feuer im Ofen ist, nicht angefacht von einem Stormbringer und Burn heißt nicht, dass die Band sich jugendlich frisch gibt. Statt Bananas ein mild gewürztes Chili con carne.

Mr Oh so

Postings: 3718

Registriert seit 13.06.2013

2026-07-08 12:48:28 Uhr
Über AdW freue ich mich aber auch sehr.

Mr Oh so

Postings: 3718

Registriert seit 13.06.2013

2026-07-08 12:46:30 Uhr
Die Energie und Spielfreude sind schon beeindruckend. Man kann sich wunderbar davon durch das Album tragen lassen. Was halt fehlt, sind die zwingenden Melodien.
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