Yes - Aurora
InsideOut / Sony
VÖ: 12.06.2026
Unsere Bewertung: 6/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
Ein bisschen Frieden
Wir können es hier gerne noch einmal festhalten: Das Betriebsklima im vollverglasten Redaktionsgebäude von Plattentests.de könnte kaum besser sein. Metal-, Rap- und Indie-Fans in der Belegschaft befinden sich in friedlicher Koexistenz, und nur gelegentlich beschwert sich der ein oder andere Kollege über den etwas einseitigen Speiseplan der Betriebskantine. Jeden Tag Pilzrahmsuppe ist halt nichts für jeden, da trennt sich nun mal die Spreu vom Weizen. Und wenn tatsächlich einmal der Haussegen etwas schief hängen sollte, kehrt schnell wieder Frieden ein. So etwa 2023, als ein gewisser Autor zuerst klein beigab, als es um die Rezension des damaligen Yes-Albums "Mirror to the sky" ging, und angesichts des überraschend hohen Niveaus im Anschluss gar einen Nachschlag wünschte. Geht doch.
Nach vielen Jahren und teils herben Enttäuschungen legen die britischen Prog-Legenden also mit "Aurora" endlich wieder ein Album vor, dem man mit einer gewissen Vorfreude begegnen kann. Das heißt, sofern man das einigermaßen kleistrige Orchester-Intro des eröffnenden Titeltracks hinter sich gebracht hat. Denn danach zeigt sich der Song leichtfüßig-fluffig, lässt immer wieder kleine Spielereien aufblitzen, ohne allzu frickelig zu werden. Das ist jetzt kein Prog-Gewitter, aber auch so viel besser als vieles, was Yes in der jüngeren Geschichte so produziert haben. Auch wenn man über die verschrobenen Lyrics, in denen Frontmann Jon Davison über Karma und Erleuchtung schwadroniert, eher hinweghört als sich von ihnen inspirieren zu lassen.
Aber gut, wer hier Krach und juvenile Eskalation erhofft hatte, sollte ohnehin dringend sein Erwartungsmanagement überprüfen. Oder direkt zu "Countermovement" skippen. Denn als wollten der 79 Jahre alte Bandchef Steve Howe und der fünf Jahre jüngere Geoff Downes sich und der Welt noch einmal beweisen, wozu sie noch imstande sind, hetzen sich der Gitarrist und der Keyboarder durch immer neue Soloduelle, immer neue Ideen, die sich langsam entwickeln, wieder verworfen werden, um dann später doch wieder aufzutauchen – knapp 14 Minuten voller Spannung, aber bei aller Virtuosität immer noch angenehm entspannt.
Bis es plötzlich richtig scheppert. Was ist denn bitte bei "All hands on deck" los? Plötzlich packt Steve Howe ein knackiges Riff aus, während Downes wüst schweineorgelt, als hätte er sich in der Band geirrt. Mag sein, dass der Song nicht ganz in den Album-Flow passt, aber Spaß macht diese kleine Eruption allemal. Wie auch über weite Strecken das gesamte Album. Ein paar kleine Längen hier, etwas arg dick aufgetragenes Orchester dort – allemal nicht aus dem Sample-Fundus, sondern durch das tschechische National-Sinfonieorchester eingespielt – und den Falsett-Gesang von Jon Davison kann man nun mal entweder lieben oder hassen. Ein Naturereignis wie die namensgebende Leuchterscheinung ist "Aurora" demnach nicht. Aber Yes haben in ihrer langen, langen Laufbahn schon viel mehr falsch gemacht. Und der Redaktionsfriede ist zumindest in dieser Hinsicht endgültig wieder hergestellt.
Highlights
- Countermovement
- All hands on deck
Tracklist
- Aurora
- Turnaround station
- Love lies dreaming
- Countermovement
- Ariadne
- All hands on deck
- Outside the box
- Emotional intelligence
- Jambustin (Bonus track)
- Watching the river roll (Bonus track)
Gesamtspielzeit: 59:38 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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nörtz User und News-Scout Postings: 18306 Registriert seit 13.06.2013 |
2026-07-08 13:19:03 Uhr
Es ist ja schön, dass sie immer noch Alben veröffentlichen, aber Brauchbares ist da schon ewig nicht mehr vorhanden. Auf "The Quest" von 2021 waren zwei Songs ja sogar "geklaut". :DWas hatten wir denn schon alles: Alben mit Kinderliedern wie "Heaven & Earth" Ab den 90ern Quasi-Billy-Sherwood-Soloalben, die lahmen AOR boten, aber unter dem Namen Yes liefen. - Resteverwertung der Buggles: "Fly From Here" - Alben mit gestohlenen Songs "The Quest" Lustig war auch die Zeit, als es zweimal Yes gab und sich beide Versionen nicht leiden konnten, aber auch nur biederen AOR bis rein gar nichts veröffentlicht haben. Und wie oft hat Steve Howe erzählt, dass die lauen Hippie-Songs und AOR-Langweiler gar nicht Yes seien und man doch wieder Prog machen müsse, nur um dann auf dem nächsten Album wieder Coverband für Billy Sherwood, der schon "Prog" mit Captain Kirk produziert hat, zu sein? :D Die Yes-Story sollte man mal verfilmen. Alles echt unterhaltsam. |
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Mr Oh so Postings: 3718 Registriert seit 13.06.2013 |
2026-07-08 12:43:54 Uhr
Ganz okayes Album. Macht teilweise sogar richtig Spaß. Nur mit den Highlights kann ich so gar nicht mitgehen. Der Longtrack ist imho leider eine Enttäuschung. Da nicke ich regelmäßig weg. ;-) |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30807 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-07-06 20:30:09 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Referenzen
Anderson Bruford Wakeman Howe; Emerson, Lake & Palmer; Genesis; Styx; Gentle Giant; Van Der Graaf Generator; King Crimson; Traffic; Soft Machine; Wishbone Ash; Magma; Spock's Beard; Transatlantic; IQ; Camel; Renaissance; Steve Hackett; Squackett; The Flower Kings; Kaipa; The Tangent; Ritual; Rush; Jadis; Pendragon; Kino; Frost; Marillion; Coheed And Cambria; Dredg; Oceansize; Glass Hammer; Asia; Saga; Eloy; Kansas; The Alan Parsons Project
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