Sincere Engineer - Probable claws
Hopeless
VÖ: 26.06.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
Die Entdeckung der Schnelligkeit
Aus Laiensicht ist Pop-Punk ein Genre, das konstant in einer Sinnkrise stecken müsste. Widerspricht es sich nicht, die Anti-Establishment-Haltung des Punk mit Pop-Strukturen und -Melodien zu vermitteln, die ganzen Menschenmassen sofort ins Ohr gehen? Nun reichen die Ursprünge dieses Subgenres mit Bands wie Ramones oder Buzzcocks fast so weit wie die des Punkrock selbst – und, was noch viel wichtiger ist, spielen solche Meta-Einordnungen ohnehin keine Rolle, wenn die Chose einfach unheimlich viel Laune bereitet. Sincere Engineer gehören zu den jüngeren Bands, die verinnerlicht haben, dass man mit schnellzündenden Hooks und durchgetretenem Gaspedal im Grunde schon die ganze Miete beisammen hat. "Probable claws", das vierte Album der Chicagoer*innen um Deanna Belos, kreist um die Schnelllebigkeit der Welt und das erbarmungslose Vergehen der Zeit – und klingt über weiteste Teile so, als hätte es von jener überhaupt nichts zu verlieren.
So geht es auch der Protagonistin der Lead-Single "Cooler", die mit schmelzendem Eis auf der Rückbank zu ihrem Du rast – und dafür Strafzettel plus Gerichtsvorladung kassiert, aber "that's a problem for the future." Fest in der Gegenwart sitzt dahingegen der Song selbst, wenn er seinen tollen Refrain herrlich ausbreitet und von Strophe zu Strophe die Gitarrenarbeit variiert. Auch das nachfolgende "Pilot light" pflügt mit einer solchen lawinenartigen Energie nach vorn, dass es in der Bridge etwas runterfahren muss. Sincere Engineer punkten mit Leidenschaft, greifbaren Emotionen und Indie-Sensibilität – und zeigen darüber hinaus erneut die Ambition, dass nicht jeder der elf Tracks gleich klingen muss. Der Opener "Twist my tongue" erstreckt sich über vier Minuten, um allen Instrumenten gebührend Raum zu geben. Dass am Ende sogar kurz Synth-Streicher im Hintergrund funkeln, überrascht nur diejenigen, die mit dem Werk von Belos und Co. so gar nicht vertraut sind.
Eine gewisse Varianz präsentierten Sincere Engineer schließlich schon immer, was "Probable claws" in einer etwas abgeschwächten Form fortführt. "DNA" – zum Glück kein Cover dieses furchtbaren WM-Songs – heizt im Refrain die auch an anderen Stellen präsente Orgel an und steuert auf einen Noise-Kollaps zu, aus dem es sich nur schleppend wieder hochkämpft. Das mysteriöse "LOL" bleibt ganz im Midtempo, während Schauspieler und Nerd-Ikone Will Wheaton düstere Spoken-Word-Fragmente samt Referenzen auf The Cure und Bad Religion von sich gibt. Belos' persönlicher Favorit ist "Arborvitae evergreen", das sich als zärtlicher Emo-Rocker an den Garten im Kindheitshaus zurückerinnert. Man muss sich aber natürlich nichts vormachen: Aus Fan-Sicht greift man weniger wegen der ruhigeren Nummern zu Platten von Sincere Engineer, sondern mehr wegen einer auf Highspeed operierenden Zeitmaschine wie "Fast forward, rewind", die dem Mittelteil des Albums einen notwendigen Temposchub schenkt.
In diesem Sinne geht einzig "Hallucinogenic" mit seinen endlosen Titelwiederholungen ein ganz kleines bisschen auf die Nerven – da surft man lieber auf der luftigen Gitarren-Hook von "The perfect crime" in den Sonnenuntergang, das wie Best Coast zu ihren besten Zeiten klingt. Zum Abschluss bedienen Sincere Engineer das Klischee, ein Pop-Punk-Album mit einem Akustikstück zu beenden, untergraben es aber gleichzeitig: Das fünfminütige "Dynamite" versinkt keineswegs im Balladen-Boden, sondern baut sich mit Stampf-Beat, mehrspurigen Vocals und Country-Fiddle zu einer majestätischen Klimax auf. Ein letzter Beweis für die Fertigkeit von "Probable claws", Eingängigkeit mit Variation zu verbinden und trotz Tempowechseln und kleinen stilistischen Ausflügen immer homogen zu wirken. Von einer Sinnkrise ist bei Belos und ihren Kollegen nichts zu spüren.
Highlights
- Cooler
- Pilot light
- Fast forward, rewind
- The perfect crime
Tracklist
- Twist my tongue
- Cooler
- Pilot light
- DNA
- LOL
- Fast forward, rewind
- Hallucinogenic
- Arborvitae evergreen
- The perfect crime
- Settle up with your downfall
- Dynamite
Gesamtspielzeit: 40:38 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30854 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-07-06 20:28:41 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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MickHead Postings: 13337 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-06-26 18:43:21 Uhr
Jetzt auch komplett bei Bandcamp:https://sincereengineer.bandcamp.com/album/probable-claws The Fire Note 4.5/5 https://thefirenote.com/reviews/sincere-engineer-probable-claws-album-review/ |
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MickHead Postings: 13337 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-06-26 11:01:51 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_kjpXAJ8jkbQg3OpO34RZMHJW-FKwvkHkk&si=8jinvKg2CfCpj4wg |
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MickHead Postings: 13337 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-04-01 23:25:44 Uhr
Die amerikanische Pop-Punk Band "Sincere Engineer" aus Chicago, Illinois, kündigt für den 26.06. das 4. Studioalbum "Probable Claws" an. Es folgt auf "Cheap Grills" von 2023.Band Statement: „Wir wollten ein ganz unkompliziertes Pop-Punk-Album machen“, sagt Belos und fügt hinzu: „Ich denke, das übergreifende Thema des Albums ist das Unbehagen angesichts des Vergehens der Zeit und wie schnell sie vergeht. Nicht alle Songs thematisieren das, einige handeln davon, dass ich selbst zu schnell durchs Leben gehe.“ 2 Songs bisher geteilt: "Twist My Tongue" https://youtu.be/nL15gXPKFAY?si=OjHrJk8i5efXinuz "Cooler" https://youtu.be/vneOOksj0ns?si=FAaFjqa16-cB9Xp6 "Probable Claws" bei Bandcamp: https://sincereengineer.bandcamp.com/album/probable-claws "Cheap Grills" (2023) bei Bandcamp: https://sincereengineer.bandcamp.com/album/cheap-grills-2 |
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Referenzen
Beach Bunny; Paramore; Weakened Friends; Charly Bliss; Modern Baseball; Worriers; Muncie Girls; Nervous Dater; Retirement Party; Winona Fighter; Teenage Halloween; Pet Symmetry; Martha; Spanish Love Songs; Jeff Rosenstock; Pup; The Menzingers; The Wonder Years; The Hotelier; Saves The Day; Remember Sports; Mannequin Pussy; Lambrini Girls; Cayetana; Against Me!; Tigers Jaw; Joyce Manor; New Found Glory; Green Day; Bad Religion; NOFX; Lagwagon; The Gaslight Anthem; Ramones; Buzzcocks
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