Show Me The Body - Alone together
Loma Vista / Concord / Universal
VÖ: 10.07.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
Wie im Taubenschlag
"Es wäre einfacher, wenn wir alle in einer Höhle leben und am Feuer sitzen würden." Findet zumindest Julian Pratt, Frontmann der Post-Hardcore-Gestaltenwandler Show Me The Body. Und hat dann doch etwas dagegen: "Hey Mann, aber da gibt's gar keine Verstärker." Es geht also krawallig weiter auf dem vierten Album des Trios, das sich mit teufelnder Punk-Wut, heiser-vernöltem Vocal-Schnarren und leicht ramponiertem Banjo-Picking längst ein prominentes Plätzchen im Genre erlärmt hat. So weit die gute Nachricht. Die schlechte: Ende August 2025 verstarb ein Sänger und Multimedia-Künstler, der auch Gleichgesinnter und enger Freund der Band war und ebenfalls dem heimischen Kollektiv Corpus angehörte. Auf "Alone together" ist er noch vereinzelt zu hören – zusammen mit Pratt und einem jazzigen Bläser-Ensemble, das die grobe Power zumindest in kurzen Vignetten und Interludes mit den Mitteln geistesverwandter Acts wie Divide And Dissolve oder These New Puritans auflockert. Ein maßvoller letzter Gruß – und sonst so?
Machen Show Me The Body weitestgehend, was sie am besten können. Sie verschweißen maximal dreiminütige Hardcore-Bomben mit Versatzstücken aus Noise-Rock, Hip-Hop und gutem altem Neunziger-Crossover im Biohazard-Sinne, wettern gegen gesellschaftliche Lethargie, Kriegstreiberei, Antisemitismus, eigene Unzulänglichkeiten – und hinterlassen dabei verwüstete Moshpits und zahlreiche blaue Flecken. "Radical love compels me to fight", lautet der Schlachtruf zu Beginn des Quasi-Openers "Eat for peace", der es in Sachen Raserei und Schnittigkeit ohne weiteres mit dem Pogo-Brecher "Tight SWAT" vom Debüt "Body war" aufnehmen kann, zumal Drummer Nijol Benjamin noch ein wenig akkurater zu Werke geht als seine beiden Vorgänger. Verprügel mich sanft? Daraus wird nichts – erst recht nicht angesichts der rohen Auswürfe von Harlan Steeds Bass im an die Wand drückenden Monster-Groover "No god" oder bei "Dance in the USA", das seine Feinde mindestens so gut kennt wie einst Rage Against The Machine.
Und auch der schmerzlich vermisste Freund darf nicht fehlen – am präsentesten ist er im zu gekipptem Zupfen anhebenden "See you again", das als erster echter Ruhepol dieses Albums den Freund betrauert und als eine Art gespenstisch-bluesige Folk-Moritat eine genauso gute Figur macht wie "Trust", ein nachgerade maßvoller Rocksong, der nach den dicken Brummern "Mileage" und "New line" die gröbsten Trümmer notdürftig zusammenflickt, ehe mit "Finale" wieder trügerische Ruhe einkehrt. Der massive Schlusspunkt folgt nämlich erst noch: mit dem Titelstück, einem mehrstöckigen Biest, das Community-Geist inmitten der Vereinzelung beschwört und diese zwingende gute halbe Stunde mit Banjo, freidrehenden Rassel-Riffs aus Sechs- und Viersaitern sowie Blastbeat-Eruptionen so lautstark nach Hause hämmert, dass auch die in Form des Bandlogos versammelten Tauben auf dem Cover fluchtartig das Weite suchen. Hoffentlich in trautem Zusammenhörigkeitsgefühl – und an einen Ort, wo die Verstärker genauso heißlaufen wie hier.
Highlights
- Eat for peace
- No god
- Dance in the USA
- Alone together
Tracklist
- Overture
- Eat for peace
- No god
- Good time
- Dance in the USA
- Do what's right (Happy)
- Interlude
- See you again
- Mileage
- New line
- Trust
- Finale
- Alone together
Gesamtspielzeit: 36:59 min.
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MickHead Postings: 12810 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-07-10 09:39:27 Uhr
Jetzt komplett bei Bandcamp:https://showmethebody.bandcamp.com/album/alone-together Gaesteliste.de https://gaesteliste.de/2026/07/09/review/show-me-the-body-alone-together/ |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30807 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-07-06 20:28:19 Uhr - Newsbeitrag
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Referenzen
Death Grips; Ratking; Ho99o9; Nervous Cop; Soul Glo; Chat Pile; KEN Mode; Meth.; Tunic; Uniform; Portrayal Of Guilt; Big Black; Shellac; The Jesus Lizard; Unsane; Converge; Poison The Well; Knocked Loose; Turnstile; The Armed; Militarie Gun; Eye Flys; Human Impact; Destruction Unit; Dope Body; Doomsday Student; Psychic Graveyard; Oozing Wound; Deafheaven; Biohazard; Rage Against The Machine; Guilt Trip; Knives; Deafkids; Drug Church; HEALTH; Ministry; Flipper; Killdozer; YHWH Nailgun; Truck Violence; Prostitute; Crippling Alcoholism; Protomartyr; Idles; Heavy Lungs; Pissed Jeans; Jesus Piece; Body Count; Beastie Boys; Suicide; Zach Hill; Hayden Pedigo; The Devil Makes Three; The Reverend Peyton's Big Damn Band; Trampled By Turtles; Divide And Dissolve; These New Puritans
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