Moonspell - Far from god
Napalm / SPV
VÖ: 03.07.2026
Unsere Bewertung: 6/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
Die mit dem Wolf tanzen
Es war nicht direkt das Debüt, mit dem die Band Moonspell für enormes Aufsehen sorgte, sondern dessen Nachfolger "Irreligious". Das Album aus dem Jahr 1996 zählt längst zu den Klassikern in Sachen Gothic-Metal, und naturgemäß müssen sich die Musiker seitdem an diesem großen Werk messen lassen. Die Fans durften sich in der Folge immer mal wieder mit kleineren und größeren Anpassungen arrangieren. Gelegentlich erfolgten personelle Umbesetzungen, dann wieder Neuausrichtungen im Klangbild. Das alles gefiel nicht jedem und jeder, doch im Kern sind sich die Künstler treu geblieben: Melancholische Härte trifft unter anderem auf Vampir- und Wolfthematik. Nach dem spannenden Vorgänger "Hermitage" von 2021 und satte drei Jahrzehnte nach "Irreligious" melden sich Moonspell nun mit ihrer inzwischen 13. Studioarbeit "Far from god" zurück.
Die Strukturen wirken hier im Vergleich zu manch verspielterem Album der jüngeren Geschichte verschlankt. Doch trotz offenkundig einfacherer Herangehensweise zündet die Chose nicht von Beginn an. So wirken die ersten drei Songs zunächst wie eine Aufwärmübung, wie ein Herantasten an die eigenen Stärken nach einer durchaus größeren Pause seit der letzten regulären Veröffentlichung. "Cross your heart", der Titeltrack und "Biblical" dürfen aber mit Recht als Songs bezeichnet werden, die ihren Reiz mit kleinem Verzug offenbaren. Sänger Fernando Ribeiro, als Gründungsmitglied der 1989 zunächst als Morbid God aus der Taufe gehobenen Formation die größte Konstante, trägt das Auftakt-Trio mit seiner markanten Stimme. Es ist beileibe nicht schlecht, was Moonspell hier auffahren, aber nach den ersten Durchgängen bleibt das Gefühl, dass mehr möglich sein müsste.
Eben das kommt dann auch. "The great wolf in the sky", das mächtig in Richtung Paradise Lost grüßende "Your promise of light" und schließlich "For the love of mortals" summieren sich zu einem exzellenten Mittelteil von "Far from god". Viel Atmosphäre, clever arrangierte Varianz im Tempo und abwechslungsreiche Gesangseinlagen machen diese Strecke zum besten Moment des Albums. "Gone are the days of plague abandoned, denied / How can we forget if it happened before our eyes / Eat the flesh, feed the wolf who cries inside, it's all a lie / Slay the dragon – tame the beast that lives inside / What's wrong with life", heißt es in den mystischen Zeilen von "Your promise of light", die der klanglichen Düsternis zugrunde liegen. Zum Finale gibt "Our freedom to fall" noch mal Vollgas, bevor "Reconquista" einen würdigen Schlusspunkt eines Albums bildet, das ein inzwischen üppiges Gesamtwerk der Portugiesen souverän ergänzt, ohne an frühere Meilensteine heranzureichen. Die Konzentration auf vergleichsweise einfache Strukturen ist keine Schwäche, sondern eher ein Vorzug des Ganzen.
Highlights
- The great wolf in the sky
- Your promise of light
- For the love of mortals
Tracklist
- Cross your heart
- Far from god
- Biblical
- The great wolf in the sky (feat. Alicia Nuhro)
- Your promise of light
- For the love of mortals
- Our freedom to fall
- Reconquista
Gesamtspielzeit: 42:22 min.
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