Der Junge Mit Der Gitarre - Im Affekt

Der Junge Mit Der Gitarre- Im Affekt

Content Records / Edel
VÖ: 03.05.2004

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Affekthascherei

Es hat den Anschein, als wolle Tobias Schacht diesmal keine Interviews geben: Die Lieder sprechen für sich. Und für ihren Schöpfer gleich mit: "Nie wieder Grand Prix" ist die Antwort auf die ungestellte Frage, was Der Junge Mit Der Gitarre denn von seinem Ausflug zum Vorentscheid 2003 mitgenommen hat, "Casting Show" setzt sich wortreich mit ebendiesen auseinander. Und was er von der Musikpresse hält, erklärt er auch bereitwillig: "Ich brauch nur 2 Akkorde, dann bin ich in der Spex / Ich brauch nur 2 Akkorde, das bläst die Visions weg / Doch sind es dann mal 3, dann gibt es gleich Geschrei / Doch sind es dann mal 4, ja dann wissen wir / Das ist ja fast schon Pop". Wie schon bei seinem Debüt ist Der Junge Mit Der Gitarre "Dagegen". Grundsätzlich.

"Im Affekt" kommt im hippen rot-weiß-schwarzen Outfit daher und gibt sich ungeheuer revolutionär. "Ich bin die Waffe", behauptet der Junge und zielt auf alles, was die Republik heutzutage beschäftigt. So ist es auch nur eine Frage der Zeit, bis sich Elternvertreter in Begleitung eines "Monitor"-Kamerateams vor dem Kanzleramt aufbauen und schmettern: "Gebt uns das Kindergeld / Für eine Kinderwelt / In der das Kind noch zählt / Und zwar in bar." Oder bis Rolf Zuckowski die Nummer covert. "Der Lehrer kommt" beschreibt in nahezu beunruhigender Präzision das, was wohl alle Schüler in Deutschland im Musikunterricht durchmachen mußten - einzig dadurch wird das Lied auch nicht besser. Und postpubertäre Verse wie "Du bist heiß, Du bist pure Glut, Du hast Feuer / Und dein Schweiß riecht nach Benzin" würde man bei Rammstein vielleicht noch passend finden, hier sind sie einfach nur platt. Musikalisch kann man "Im Affekt" wenig vorwerfen (besonders der Bassist ist ganz toll!), was meistens stört, ist die zur Schau gestellte Anti-Haltung, die auf Dauer ziemlich - nun ja: affektiert wirkt.

Fernab davon beweisen Schacht und seine Mitmusiker, daß sie auch anders können und klingen in Stücken wie "Schattenmann" oder "Mädchen... Nimm mich mit auf die weite Reise" verdächtig nach Element Of Crime im Endstadium. Beschwingt brummelt er Liebesverse vor sich hin, während im Hintergrund ein Akkordeon quietscht. Wenn er sich in Einsamkeit und Depression windet, offenbart Der Junge Mit Der Gitarre Talente, die er leider viel zu oft zugunsten von Albernheiten und Revoluzzer-Gehabe versteckt. Und die mancher nie vermutet hätte.

(Lukas Heinser)

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Highlights

  • 2 Akkorde
  • Schattenmann
  • Mädchen... Nimm mich mit auf die weite Reise

Tracklist

  1. Du wie ich
  2. 2 Akkorde
  3. Nie wieder Grand Prix
  4. Schattenmann
  5. Schön... Eine Ode an Heyerode
  6. Kindergeld
  7. Mädchen... Nimm mich mit auf die weite Reise
  8. Feuer
  9. Casting Show
  10. Ich bin die Waffe
  11. Der Lehrer kommt
  12. Vier Jahreszeiten
  13. Das Rauschen

Gesamtspielzeit: 54:30 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
captain kidd
2004-03-11 17:39:32 Uhr
alter, da fällt selbst mir nichts mehr zu ein.
Patte
2004-03-11 17:17:40 Uhr
Wo ist eigentlich captain kidd, wenn man ihn mal braucht??
Armin
2004-03-10 22:09:18 Uhr
Neues von der Polarisierungsfront:

DER JUNGE MIT DER GITARRE ZIEHT NEUE SAITEN AUF!



Aktuelles Album: „Im Affekt“, Veröffentlichung: 10.05.2004 bei Content Records/ Edel Contraire

www.djmdg.de



Affekt - eine starke, meist unkontrollierte Gemütsbewegung. Ausgelöst durch Ereignisse, die eine Person in ihren persönlichen Bedürfnissen berühren.



So erklärt das Wörterbuch den Titel des neuen Albums des Jungen mit der Gitarre.



“Im Affekt ist ein Befreiungsschlag. Ausgelöst durch den Entschluss, mich nach dem Grand Prix 2003 endgültig von jeder Fremdbestimmung zu lösen, nahm ich mein Management wieder selbst in die Hand und konnte so neue Perspektiven schaffen, die am Ende zu „Im Affekt“ geführt haben. Das Album will sagen: Ich bin, was ich sein will, weil ich sein darf, was ich bin.“ Zufrieden und erleichtert blickt der Junge auf eine intensive Produktionszeit mit alleiniger Verantwortung zurück. Sie ist das Resultat richtiger und konsequent umgesetzter Entscheidungen in der jüngsten Vergangenheit von Tobias Schacht.



Weg von Formaten und Vorstellungen, wie der Junge und seine Gitarre zu klingen haben, bewegte er sich zielstrebig in das kreative Umfeld seines Vertrauens. Nachdem er dazu auf dem Ledersofa der Chefetage seiner Plattenfirma Platz nahm, wo er Auszüge seines neuen Repertoires auf der Gitarre vortrug, entschied man sich schnell, ihn beim jüngst gegründeten Sub-Label der edel records GmbH “Content“ unterzubringen. Hier legte man die musikalische Produktion des zweiten Albums ausschließlich in die Hände des Künstlers, wie es typisch für einen Content-Release ist. Eine Entscheidung, die sich, das zeigen die darauf folgenden Monate Studioarbeit, für beide rentieren soll.



Sehr viel selektiver als ’Dagegen’, basiert ‚Im Affekt’ auf der klar strukturierten Vision der musikalischen Befreiung. Die Kraft dieses Ausbruchs beschreibt der Rock, den Schlüssel dazu liefert der Pop: “Pop bedeutet, sich neu zu erfinden. Whatever it takes.“ Das einzige Reglement, dem DJMDG sich in diesem Zuge unterwerfen will, entstammt dem Popformat selbst: „Meine Songs werden sich immer bei etwa drei bis vier Minuten bewegen“.



So führt der Junge mit der Gitarre den Hörer durch seine neuen Songs, in denen er als reisewilliger Liebhaber, Terrorist der Musikermafia und aller Töffelbands, zynischer Gegner der Casting-Gesellschaft, begeisterter Fan seiner Fans, Eintreiber des Kindergelds, Reißwolf der Szenepresse, Schattenmann und letztlich als Waffe selbst schonungslos und treffsicher seine Meinung und Gefühle abfeuert. Und wenn man bedenkt, dass: „man für sein erstes Album ein ganzes Leben, für sein zweites jedoch nur ein halbes Jahr Zeit hat“, kann man das des Jungen mit der Gitarre als wirklich gelungen bezeichnen.



Direkt zur VÖ wird es auch gleich eine Tournee geben, ich bitte freundlichst um Abdruck der Tourdaten :



Im Affekt Tour

Di, 04. Mai Berlin - Roter Salon

Mi, 05. Mai Frankfurt - Nachtleben

Do, 06. Mai Hannover - Faust

Fr, 07. Mai Osnabrück - Maiwoche

Sa, 08. Mai Hamburg Hafengeburtstag

Mo, 10. Mai Hamburg - Grünspan Release Party

Di, 11. Mai Bremen - Tower

Mi, 12. Mai Köln - Underground

Do, 13. Mai Nürnberg - Rakete

Fr, 14. Mai Stuttgart -

Sa, 15. Mai München - Muffathalle Café

Mo, 17. Mai Zürich - El Lokal

Di, 18. Mai Luzern - Schüür

Mi, 19. Mai Fulda - AStA Hochschulwoche

Do, 20. Mai Wien - Szene

Fr, 21. Mai Graz – Orpheum
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