Myles Smith - My mess, my heart, my life
Sony
VÖ: 19.06.2026
Unsere Bewertung: 5/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
Bekannt aus Funk und Playlist
Es fühlt sich merkwürdig an, "My mess, my heart, my life" als Debütalbum zu bezeichnen. Schließlich hat Myles Smith den Newcomer-Status längst hinter sich gelassen. Seit "Stargazing" vor zwei Jahren zum Streaming-Dauerbrenner wurde, ist der Brite praktisch überall dort aufgetaucht, wo Wohlfühlpop gefragt ist. Festivalbühnen, Radio-Rotationen, Social-Algorithmen: Smith war längst angekommen, bevor das Album existierte. Auch die Songs auf "My mess, my heart, my life" klingen, als hätte man sie schon längst irgendwo öfter gehört. Das liegt nicht einmal daran, dass Smith nur auf Bewährtes setzt. Dennoch bedient er sich an der vertrauten Popmustern: Folkpop trifft auf Stadionpathos trifft auf Songwriter-Intimität. Irgendwo zwischen Ed Sheeran, George Ezra, Mumford & Sons und den letzten zehn Jahren Coldplay hat sich Smith eine Nische eingerichtet, die kaum Überraschungen bereithält, aber immerhin zuverlässig funktioniert.
Schon der Opener und quasi-Titelsong "My mess" macht deutlich, wohin die Reise geht. Eine banjoartige Gitarre eröffnet den Song, ehe sich das Stück Schritt für Schritt seinem eigentlichen Ziel nähert: dem aufgebauschten Refrain. Überhaupt scheint kaum ein Song ohne klar kalkulierten Spannungsbogen auszukommen. Die Strophen sammeln Anlauf, Refrains lösen die Spannung auf, anschließend wird alles noch ein wenig größer und hymnenhafter. Das ist auf Popebene handwerklich beeindruckend und zugleich symptomatisch für ein Album, das seine Effekte so präzise setzt, dass kaum Raum für Überraschungen bleibt.
Noch deutlicher ist dieses Problem in "Heaven" hörbar. Der Song ist so nah an Coldplay, dass das Fehlen von Chris Martin in den Credits überraschend ist. Vorantreibende Gitarren, sanfte Beats und eine sehnsüchtige Melodie, die jede Emotion großzügig ausleuchtet: Das funktioniert, weil Smith genau weiß, welche Knöpfe er drücken muss. Aber klingt diese Musik wirklich nach ihm, oder ist sie nur das Abziehbild von Künstlern, die den Weg schon vor ihm gegangen sind? Auch bei "Drive safe", das gemeinsam mit Niall Horan entstanden ist, stellt sich diese Frage. Die Zusammenarbeit ist die logische Begegnung zweier Künstler, deren Musik auf ähnliche Weise Vertrautheit erzeugt. Das Ergebnis ist eingängig, gefällig und nach wenigen Sekunden wiedererkennbar – genau wie weite Teile des Albums. Dabei ist dennoch bewundernswert: Kein Song verfehlt seine Wirkung, kaum ein Refrain bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück.
Smith versteht die Mechanismen moderner Popmusik zu gut, um ein schlechtes Album aufzunehmen. Für ein bemerkenswertes reicht es allerdings ebenso wenig. Seine Texte kreisen um Liebe, Selbstzweifel, Hoffnung und Durchhalteparolen, ohne diesen Themen neue Facetten abzugewinnen. Zwischen den sorgfältig platzierten Höhepunkten, den makellos produzierten Refrains und den kalkulierten Gefühlsausbrüchen geht etwas verloren: eine eigene Handschrift. Myles Smith liefert ein Debüt, das selten nervt, aber wenig riskiert. Bleibende Eindrücke? Eher wenige.
Highlights
- My mess
- Stargazing
Tracklist
- CD 1
- My mess
- Hold me in the dark
- Hate you
- Grandma's place
- Mary's song
- Sertraline
- Drive safe
- Heaven
- Dying days
- Lifetime
- CD 2
- Dublin lights
- Stargazing
- Nice to meet you
- Stay (If you wanna dance)
- Gold
Gesamtspielzeit: 46:00 min.
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Referenzen
Coldplay; Ed Sheeren; Mumford & Sons; George Ezra; James Bay; Chris Martin; Niall Horan; Harry Styles; Benson Boone; Alex Warren; Mark Ambor; Shaboozey; Dean Lewis; Teddy Swims; OneRepublic; The Scripts; The Lumineers; Calum Scott; Matt Hansen; Vance Joy; James Blunt; Lewis Capaldi; Banners; Lost Frequencies; Tom Odell; Dermot Kennedy; Nathan Evans; Bastille; Train
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