The Pretty Reckless - Dear God
Fearless / Concord / Universal
VÖ: 26.06.2026
Unsere Bewertung: 4/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
Alle Macht dem Mittelmaß
Irgendwas muss man ja mit seiner Zeit anfangen. Wahrscheinlich, weil ihre Schauspielkarriere trotz einer Dauerrolle in "Gossip Girl" nie so recht in die Gänge kam, fokussierte sich Taylor Momsen voll und ganz darauf, als Musikerin im Metier irgendo zwischen Alternative- und Hard-Rock Fuß zu fassen. Immerhin: Die Stimme dazu hat sie. Das Talent, tolle Songs zu schreiben, leider nur bedingt. Aber da sich The Pretty Reckless (mit Erfolg) dem Massenmarkt verschrieben haben, ist Songwriting ohnehin keine übermäßig wichtige Disziplin. Solange die verkaufsfördernden Genre-Trademarks vorhanden sind, ist der Rest fast ein Selbstläufer. Also turnt eine ansehnliche und aufreizend gekleidete Rockröhre auf der Bühne rum und stimmt durchaus knallige, aber verblüffend verzicht- und austauschbare Songs an.
Verblüffend, weil es schon einigermaßen bemerkenswert ist, wie wenig Biss die Tracks auf "Dear God" haben. Für eine Band, die sich selbst als "rücksichtslos" bezeichnet und deren neuester Streich laut eigener Aussage "total aggressiv" sein soll, kommt ihr Sound erstaunlich zahm und konventionell über den Äther. Und wenn ein Promotext sich zu rund 80% mit der Vergangenheit beschäftigt, statt auf das eigentliche Album einzugehen, ist das ebenfalls ein Fingerzeig. Verblüffend auch, dass es dennoch keine komplette Zeitverschwendung ist, wird es doch immerhin den Mindestanforderungen gerecht, die man an ein solches Werk haben kann. Wenn es so etwas wie den kleinsten gemeinsamen Alternative-Rock-Nenner gibt, dann dürften Momsen und ihre Band ihn gefunden haben. Das drückt sich neben dem schön rotzigen, frech-frivolen Gesang der 32-Jährigen in prinzipiell vollkommen in Ordnung gehenden Songs aus. Hier ist nichts dabei, was auch nur ansatzweise dafür in Frage kommt, auf irgendwelchen Jahres-Best-ofs aufzutauchen. Aber man wird vermutlich auch nicht davongejagt, sollte man es wagen, diese Platte aufzulegen.
Bereits die beiden Singles "For I am death" und "When I wake up" zeigen samt zugehöriger Videos, worauf es The Pretty Reckless offenbar in erster Linie ankommt: Airplay und Aufmerksamkeit. Eine halb- oder auch fast ganz nackte Taylor Momsen gibt sich allein oder mit Gespielinnen sexuellen Gelüsten hin, während nebenbei auch noch irgendein Song stattfindet. Kein Zweifel, worauf das "Erfolgsgeheimnis" der Band beruht. Und trotzdem: Wenn AC/DC, Halestorm und Co. gerade unabkömmlich sind, dürfen die New Yorker mit anständigen Riff-Darbietungen wie "About you" und "Spell on you" gerne die Bühne betreten. Und auch einem "Rollercoaster of life" darf man sich hingeben, ohne dass es mit Schamgefühlen verbunden sein muss. Es ist eben verblüffend, wie knapp The Pretty Reckless im Grunde seit jeher an der diesseitigen Grenze zur Irrelevanz musizieren. Fast, als würde Absicht dahinterstecken. Sozusagen dezidierte Durchschnittlichkeit als Daseinszweck – auch eine Art und Weise, im Gespräch zu bleiben.
Highlights
- About you
- Spell on you
- Rollercoaster of life
Tracklist
- Life evermore pt. 2
- For I am death
- When I wake up
- Love me
- Dragonfire
- Dear God
- Life evermore pt. 3
- About you
- Spell on you
- Rollercoaster of life
- Eye of the storm
- Devil in disguise (Michelle's song)
- Dark days
- Life evermore pt. 1
Gesamtspielzeit: 50:07 min.
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El arco Postings: 121 Registriert seit 02.12.2019 |
2026-06-28 19:46:31 Uhr
„Irgendwas muss man ja mit seiner Zeit anfangen. Wahrscheinlich, weil ihre Schauspielkarriere trotz einer Dauerrolle in "Gossip Girl" nie so recht in die Gänge kam.“Die Sängerin hatte damals die Serie vorzeitig verlassen, weil sie je her die Musik der Schauspielerei vorgezogen hat. Die Musik muss man ja nicht mögen, aber inhaltlichen falschen Quatsch zu posten, muss ja hier auch nicht sein, nur um einen reißerischen Aufmacher für die Rezension zu haben, oder? |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30849 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-06-28 18:44:10 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Referenzen
AC/DC; Halestorm; Joan Jett & The Blackhearts; Courtney Love; Papa Roach; Foo Fighters; Sonic Youth; Juliette & The Licks; Skunk Anansie; The Warning; Dead Sara; Garbage; Paramore; Rage Against The Machine; Melissa Etheridge; Stevie Nicks; Seether; Flyleaf; Die Mannequin; Soundgarden; Dorothy; The Subways; Evanescence; Pop Evil; The Cranberries; Linkin Park; Guano Apes; L7; Wolfmother; Alter Bridge; Theory Of A Deadman; Hayley Williams; Hinder; Three Days Grace; Nickelback; Sick Puppies; Hole; PJ Harvey; Avril Lavigne; New Year's Day; Shinedown
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