Oh Hiroshima - And the dead tree gives no shelter
Pelagic / Cargo
VÖ: 05.06.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
Schwelende Spannung
Diese Band besteht aus gerade einmal zwei Leuten. Das ist im Grunde nichts Ungewöhnliches, doch bei der Beschäftigung mit Oh Hiroshima sollte man sich diesen personellen Umstand durchaus noch einmal bewusst machen. Denn: "And the dead tree gives no shelter", das mittlerweile sechste Album des Duos aus Schweden, kommt dezidiert breitwandig und vielschichtig daher. Und ist somit eine Fortsetzung der bewährten Herangehensweise, ohne den einen oder anderen neuen Aspekt des Schaffens auszuklammern. Irgendwann wurde der Formation die Bezeichnung Post-Rock übergestülpt, und mit ihrem Ansatz der musikalischen Ausdrucksformen liegt man damit nach wie vor nicht falsch. Oh Hiroshima können aber noch so einiges andere mehr: Alternative oder Shoegaze, um nur zwei Stilrichtungen zu benennen.
Benannt wurde der neueste Streich nach einer Zeile aus dem Langgedicht "The waste land" von T.S. Eliot. Bevor aber ein Exkurs in Richtung Literatur droht, soll der Blick auf die Musik gerichtet werden. Und der lohnt sich allemal. Jakob Hemström und sein jüngerer Bruder Oskar Nilsson erweisen sich auf "And the dead tree gives no shelter" erneut als Anhänger der längeren Stücke, nur eines – das rein instrumentale "Ivory town" – unterschreitet die Fünf-Minuten-Marke. Tatsächlich benötigen die Stücke auch den entsprechenden Raum, um zur vollen Entfaltung zu kommen. Das spürt man unmittelbar beim Opener "Servant of all", der sich alle gebotene Zeit nimmt, um seine ganze Pracht zu erreichen. Ruhig, bedächtig, nahezu intim schleichen sich Gesang und Instrumente heran, bevor der erste Ausbruch einsetzt und das Stück deutlich härtere Konturen gewinnt. Gegen Ende wird der Fuß dann wieder vom Gas genommen.
Oh Hiroshima gelingt es auf dem kompletten Album, diese Form von Spannung aufzubauen. Und das im doppelten Sinne: innerhalb einzelner Songs, aber auch auf die ganze Distanz gesehen. "Meridian" beispielsweise hält ganz und gar zurückgenommene Momente bereit, aber auch kernige Augenblicke, in denen alles kurz vor dem Zerreißen steht. "Angelos" wiederum zündet nicht komplett, bleibt aber der einzige dezente Ausreißer nach unten. Was Hemström und Nilsson mit ihren für die Studioarbeit hinzugeladenen Gästen wiederum bei Titeln wie "Skeleton key" oder "Tree of life" leisten, lässt den kurzen qualitativen Einbruch rasch vergessen. Stichwort Gäste: Gleich zehn Musiker*innen waren am Aufnahmeprozess beteiligt. Die Kunst, ein Album stilvoll zu beenden, beherrschen Oh Hiroshima schließlich auch: "Exit cloud" ist ein fantastischer Abschluss. Ein spannungsgeladener Fast-Siebenminüter, der sich Stück für Stück zu einer wahren Walze aufbaut und lange nachhallt – ebenso wie die gesamte Platte.
Highlights
- Servant of all
- Skeleton key
- Exit cloud
Tracklist
- Servant of all
- Meridian
- Angelos
- Skeleton key
- Tree of life
- Broken sunlight
- Ivory town
- Exit cloud
Gesamtspielzeit: 46:41 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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Leech85 Postings: 1156 Registriert seit 15.03.2021 |
2026-07-14 18:15:33 Uhr
Kommt mitte August raus und wird am Pelagic Fest in voller Länge gespielt. |
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manfredson Postings: 486 Registriert seit 14.06.2013 |
2026-07-14 18:04:54 Uhr
Oh, was weißt du über das neue Spurv-Album, @Leech85? Finde gar nichts dazu. |
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dogs on tape Postings: 813 Registriert seit 14.06.2013 |
2026-07-14 18:02:24 Uhr
Beim Postrock kann man nicht mitsingen, da fehlt dann Identifikation. |
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BibaButzemann Postings: 122 Registriert seit 15.06.2013 |
2026-07-14 16:34:14 Uhr
Deswegen habe ich ja ein deutliches "für mich" geschrieben... |
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Leech85 Postings: 1156 Registriert seit 15.03.2021 |
2026-07-14 13:11:05 Uhr
Postrock ist nicht tot. Weiss nicht woher immer dieses Denken kommt. Oh Hiroshima haben hier ein solides Werk hingelegt. Aber mehr nicht in meinen Augen. Da ist die neue Mono viel viel besser. Ebenfalls freue ich mich auf die neue Spurv die bald erscheint. Dürfte wieder Album of the Year werden wenn sie das Niveau vom Vorgänger halten können. |
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Referenzen
Ef; Mono; Maybeshewill; Slowdive; Sigur Rós; Immanu El; Dredg; A Place To Bury Strangers; Long Distance Calling; pg.lost; Jeniferever; Crippled Black Phoenix; And So I Watch You From Afar; Sleepmakeswaves; Wang Wen; Collapse Under The Empire; Tides From Nebula; If These Trees Could Talk; Lost In Kiev; Caspian; God Is An Astronaut; This Will Destroy You; Yndi Halda; Alcest; Low; Cloakroom; Whirr; Russian Circles; My Bloody Valentine; Mew; Goodspeed You! Black Emperor; A Perfect Circle; Nothing; Ride; Jesu; Swervedriver
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