Listen




Banner, 120 x 600, mit Claim


Finch - Außenseiter Spitzenreiter

Finch- Außenseiter Spitzenreiter

Columbia / Sony
VÖ: 26.06.2026

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 2/10

Brüllende Landschaften

Die Beziehung der Deutschen untereinander ist schon immer mehr vom Reden über- als miteinander geprägt. Wenig verwunderlich somit, dass Missverständnisse eben auch das Bild des brandenburgischen Brachialbarden Finch prägen. Frühe EPs wie "Fliesentisch Romantik" ließen bei Release zunächst vermuten, dass sich dort jemand gefunden hat, der dem dümmlichen Gelaber des gemeinen Durchschnittswessis über den ach so asozialen Osten der Republik vielleicht keine technisch beeindruckende, aber wenigstens inhaltlich pointierte Antwort gibt, dass in "Wahrheit" ja alles noch viel schlimmer ist. Zwinker zwinker. Dann kam allerdings über etwaige Irrungen und Wirrungen mit den Jahren etwas in die Quere, womit man im Berliner Waldring nicht allzu häufig konfrontiert wird: Erfolg.

Finchs dafür ursächliche Eigenart als "Genre-Bender" ist mittlerweile so oft hinterlegt, beispielsweise durch Features mit Mallorca-Starlett Mia Julia oder eben gleich Scooter, dass die Message, hier bitte nichts mehr ernst zu nehmen, eigentlich angekommen sein sollte. Wenn man trotzdem mit der Erwartungshaltung herangeht, dass es sich um ein zeitgemäßes Rap-Album handeln könnte, ist das von den Hörer*innen schlicht selbstverschuldet. Doch selbst wenn man diesen Umstand gönnerhaft beiseite legt, ist "Außenseiter Spitzenreiter" auch in dem verbleibenden Hybrid aus Hyperpop und Atzen-Schlager weder das eine noch das andere. Da hilft es auch nicht viel, sich als Urvater des "Techno-Raps" zu stilisieren, wenn diese Schaffenshöhe ohnehin nur knapp über der Grasnarbe liegt. Wer das als kulturelle Errungenschaft verkaufen will, der sieht vermutlich auch "Du hast den schönsten Arsch der Welt" als musikhistorische Reminiszenz zu "Fat bottomed girls". Dauernd einen auf ironisch machen und dann trotzdem seine Meriten einfordern, das geht eben nicht wirklich auf.

Dennoch lässt sich auch für "Außenseiter Spitzenreiter" aufsummieren: Es war ja nicht alles schlecht. Mit "Gobster" gelingt auf einem tatsächlich überdurchschnittlich schallernden Gabba-Beat eine gut gelungene und teilweise sogar clevere "Gopniki"-Hommage ("I hate Ferrari / I love my Honda"). Und wenn Finch sich dann, wie in "Prolet", doch einmal traut, die Regler auf zehn zu drehen, dann kommen dabei tatsächlich geschmackvoll geschmacklose Zeilen heraus (wahlweise "Ich in Dir drin ist mein Lieblings-Pronomen" oder auch "60 Kilo ist mein maximales Beischlafgewicht"), welche das Potenzial der Kontroverse um seinen Stil aus früheren Tagen zumindest mal erahnen lassen. Überwiegend bewegt sich Finchs Arbeiter- und Bauern-Ethos jedoch in der Reproduktion von mittelgroßen Kollaborations-Hits ("Mit einem Auge zu", "Du bringst mich um"), während die Verweise auf die ostdeutsche Heimat zu einer pflichtschuldigen Folklore verkommen ("Tanke"). Und genau hier, wo tatsächlich mal an ein Gefühl appelliert werden soll, tritt sich dieses hibbelige Happy-Hardcore-Hip-Hop-Hämatom eben selbst die Krücke weg. Da kann sich Finch noch so oft wieder hinstellen und "Ich mache, was ich will / Und nicht das, was sie erwarten" behaupten. Aber dass auch diese Produktion sich überwiegend auf die leider nicht mehr auf Branchenstandard wummernden Nightcore-Kirmes-Bumsbeats stützt, ist ähnlich überraschend und spannend wie die jährliche Erhöhung des Briefportos. Unerwartet ist hier allenfalls, dass der Interpret ebenso nach gerade einmal neun Titeln und damit knapp zwanzig Minuten keinen Bock mehr zu haben scheint.

(Gerrit Phil Abel)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen bei Amazon / JPC

Highlights

  • Gobster
  • Prolet

Tracklist

  1. Intro
  2. Tanke
  3. Mehr als nur ein Fan
  4. Gobster
  5. Finch vs. Finch Asozial
  6. Mit einem Auge zu (feat. Bausa)
  7. Prolet
  8. Koh Phangan (feat. Greeen)
  9. Du bringst mich um

Gesamtspielzeit: 22:41 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30849

Registriert seit 08.01.2012

2026-06-28 18:42:01 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?



Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify