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Elmar - Vollgeschissen im Hassklub

Elmar- Vollgeschissen im Hassklub

Gunner
VÖ: 19.06.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Überleben wird niemals aus der Mode kommen

Aus der Reihe "Bedrückende Wahrheiten": Emo ist mausetot. Deutschsprachiger sowieso, ewig schon. Damit muss man leben, es geht nicht anders. Wir sind da alle rausgewachsen. Im Osten der Republik aber ist das Gefühl der späten Zweitausender, von Labels wie Unterm Durchschnitt oder Twisted Chords und von Oetti Pils in ranzigen AZs noch am Leben. Elmar bestehen in erster Linie aus den Resten der Bands Abenteuer Auftauen und Mikrokosmos23, "Vollgeschissen im Hassklub" ist ihre zweite Langspielplatte in mehr als zehn Jahren gemeinsamem Dasein. Der nach Pöbel-Deutschpunk klingende Albumtitel führt dabei charmant in die Irre. Denn die Dresdner spielen herzergreifenden Emo-Punk ohne Selbstgefälligkeit oder falsche Sentimentalitäten – eine Gratwanderung, die alles andere als selbstverständlich ist, wenn Männer mit E-Gitarren ihren Weltschmerz in simple und direkte Songs verpacken wollen. Das klingt dann so, als hätten Muff Potter niemals die Abzweigung in Richtung Feuilleton, Indie-Rock und -Pop genommen. Oder wie so einige von deren Vorbildern.

Besonders, weil in Sänger Richards Stimme auch immer mehr als nur eine Ahnung von Blake Schwarzenbach und damit insgesamt von dessen heute glücklicherweise wieder aktiver Band Jawbreaker mitschwingt. Das sächsische Quartett schafft es ganz nach "Dear you"-Manier, mit seinen Songs gleichermaßen an Kopf und Beine zu appellieren, ohne sich an konservativen Schemata abzuarbeiten oder es auf Eingängigkeit anzulegen. Dabei erzählt es kleine, intelligente, stets dezent abstrakte Point-of-view-Geschichten vom "Tag aus Honig und Zement", vom "Grundkurs im Klebenbleiben" oder auch mal vom Tod. "Schurkenplanet" ist ein Mini-Epos zwischen Haudrauf-Attitüde und Rock-Geste, eine ganze Welt in dreieinhalb Minuten. Das liebenswürdig-selbstreferenziell betitelte "Vorkriegsemo" entromantisiert derweil die eigene Vergangenheit und begräbt die jugendliche Hoffnung unter ergrauender Ernüchterung: "Wir dachten, alles wird besser / Verpufft, ist schon geschehen / Am Rande von Kratern / Aber mitten im System."

Die Kombination von Punk und Prosa gelingt dabei vor allem durch ihre Melancholie, welche aber nicht zu Lasten der notwendigen Energie geht. Runtergerotzte Miniaturen wie "Schmand" in allen Ehren: Am schönsten ist das, wenn die einst notdürftig mit Tesafilm zusammengeflickten Herzen auf 100 Kilo anschwellen dürfen. Ob das lyrische Ich in "Astronaut" nun alles weiß, aber nicht, "ob wir noch zusammengehören", oder "Scheißweg" als Beinahe-Rausschmeißer fast opulent wäre, würde er nicht mit Staub und Schmutz um sich werfen. Praktisch "Elend #9". Schließlich kommen in "Wuhling" zahlreiche Gastsänger*innen von befreundeten Bands zu Wort, die dieses entzückende kleine Emo-Album abrunden dürfen. Denn der "Hassklub" – die ganze idiotische Gesellschaft da draußen, die sich bloß über Ausgrenzung und Naserümpfen definiert – lässt sich nur in Gemeinschaft und Aufrichtigkeit ertragen: "Drum schenk mir noch mal nach / Und ich reiß mir dann das Herz raus." Wer sich selbst retten kann, wird vielleicht alle retten können.

(Ralf Hoff)

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Highlights

  • Schurkenplanet
  • Vorkriegsemo
  • Scheißweg

Tracklist

  1. Hassklub
  2. Popschwein
  3. Schurkenplanet
  4. Vorkriegsemo
  5. Bestes Kleid
  6. Astronaut
  7. Schmand
  8. Das Beil
  9. Scheißweg
  10. Wuhling

Gesamtspielzeit: 27:44 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Arne L.

Postings: 3710

Registriert seit 27.09.2021

2026-06-29 15:13:05 Uhr
Hab auch viel mehr Auf-die-Fresse-Punk erwartet, aber das ist teilweise schön melodiös. Stimme haut vielleicht nicht um, aber absolut solides Album.

Arne L.

Postings: 3710

Registriert seit 27.09.2021

2026-06-29 14:32:57 Uhr
Ich hab nur wegen des Titels in das Album reingehört habe, haha.

Vivat Virtute

Postings: 320

Registriert seit 05.11.2023

2026-06-29 14:25:02 Uhr
Der Albumtitel einfach wirklich furchtbar.
Songs gehen aber so aufs erste Hinhören gut rein. Die Frage ist, ob sich das lange halten wird.

sizeofanocean

Postings: 2102

Registriert seit 27.01.2020

2026-06-28 18:44:33 Uhr
dieser Albumtitel ist so schlimm, so unnötig dumm, Stimme auch anstrengend irgendwie, ich wünsch mir Mikrokosmos23 zurück :(

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30849

Registriert seit 08.01.2012

2026-06-28 18:41:49 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?



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