Brutalismus 3000 - Harmony
Columbia / Sony
VÖ: 26.06.2026
Unsere Bewertung: 6/10
Eure Ø-Bewertung: 4/10
Diene der Party!
Wenn das allererste eigene Konzert bereits vor knapp 2.000 Zuhörer*innen stattfindet, dann müssen gleich ein paar Dinge gleichzeitig außerhalb der Norm sein. Die Techno-Szene gibt zwar gerade Neulingen auch direkt mal die ganz große Bühne, aber dennoch ist die Geschichte von Victoria Vassiliki Daldas und Theo Zeitner – oder eben Brutalismus 3000 – nochmal etwas Besonderes im Besonderen. Die beiden lernen sich 2018 via Tinder kennen, und im Verlauf der jungen Beziehung stellen sie fest, dass sie nicht nur selbst, sondern auch ihre bisherigen musikalischen Vorstellungen ziemlich gut zusammenpassen. Ihre erste EP "Amore Hardcore" erscheint dann kurz nach Pandemie-Beginn 2020, ohne größere Karrierehoffnungen. Für unbekannte Künstler ist dies ohnehin die denkbar schlechteste Phase, eine direkt darauffolgende große Ochsentour durch Europas Clubs anzupeilen. Für Brutalismus 3000 (oder kurz "B3K") sollte jedoch die Unwahrscheinlichkeit gelten.
Über Mittel und Wege bekommen sie ihren ersten Auftritt direkt im Pariser Boiler Room – das ist in etwa so, als würde man als Nachwuchsfußballer seinen ersten Profieinsatz in einem WM-Viertelfinale haben. Ihre Mischung aus Roland-909-Drummaschine und vulgär-brutalen Texten stößt an vielen Punkten überzeugend in die große Lücke, die Crystal Castles einst hinterließen. "Harmony" ist nach "Ultrakunst" nun das zweite Album des Duos und symbolisiert insbesondere durch seine Features, in welchen Sphären man binnen weniger Jahre mittlerweile angekommen ist. Sich mal eben ein Interlude von Anya Taylor-Joy einsprechen lassen zu können, ist für die beiden verbrieften Cineasten von B3K mutmaßlich eher ausgelebtes Fantum als künstlerische Notwendigkeit, aber wer würde in deren Position dazu schon Nein sagen? Eben. Doch in gewisser Weise steht dies dann auch symbolisch für die Hörerfahrung mit "Harmony". An allen Ecken und Enden lässt sich das Selbstvertrauen spüren, mit dem Daldas und Zeitner ihre zahlreichen Breaks setzen. Und gerade deshalb gehen auch ein wenig die Dringlichkeit und das charmante "Wie konnte man es bloß so weit schaffen"-Gefühl abhanden, welches den Vorgänger "Ultrakunst" zusammenhielt.
So sind es dann also ausgerechnet mit "A milli" und dem Boys.Noize-Feature "I bring my gun to the function" die beiden Songs, die trotz ihrer vergleichsweise klassischen Produktion die Stärken von B3K am saubersten transportieren – geradlinige, warme Drum Patterns, unerwartet sanfte Drops und alle verfügbaren Fuzz-Effekte auf die Gesangsspur. Dass man nun auch textlich nicht mehr auf dem um Aufmerksamkeit heischenden Level von Anfangstiteln wie "Ich hab meine Tage im Berghain" arbeiten kann und will, untermauert die gewonnene Reife nach einigen Zehntausend-Leute-Sets. Über den Großteil des Albums hinweg bemerkt man nämlich überall wirklich schöne Gedankengänge und kreative Songstrukturen, die ein Künstlertum jenseits eines zufälligen neuen Sternchens im Business untermauern. Aber aufgrund der überdosierten Menge dieser Ideen wird die Hörerfahrung so überfrachtet, dass damit häufig entstehende Flows blockiert werden und sich die eigentlich erwartete rohe Energie des Albums nicht entfalten kann. Als hätte man beim Weg aus dem Partykeller eben nicht nur den Keller, sondern auch die Party aus den Augen verloren.
Highlights
- A milli
- I bring my gun to the function (feat. Boys Noize)
- Testo skin (Part 1)
Tracklist
- No friends in the company
- Garland
- A milli
- Mother bug
- I bring my gun to the function (feat. Boys Noize)
- Kairo
- Morning is for the happy (feat. Anya Taylor-Joy)
- You were never really here but I miss ya
- Friends at the pigshed (feat. Underworld)
- Gore Louvre
- Leonard Cohen
- Testo skin (Part 1)
- Testo skin (Part 2)
- Drop your spirits
Gesamtspielzeit: 39:44 min.
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2026-06-28 18:40:34 Uhr - Newsbeitrag
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Referenzen
Crystal Castles; Trust; Ladytron; Isoxo; Horsegiirl; Light Asylum; Adult.; Kompromat; Kap Bambino; Miss Kittin And The Hacker; Boys Noize; Bazzazian; Eartheater; Miss Kittin; Cobra Killer; Robots In Disguise; You Love Her Coz She's Dead; Capital X; Emika; Client; Marsheaux; Ashbury Heights; Heartsrevolution; Console; DAT Politics; Slagsmålsklubben; The Presets; Fischerspooner; Legend; Chvrches; Broods; Little Boots; Karin Park; Visions Of Trees; The Knife; Fever Ray; Planningtorock; Young Magic; Salem; Tearist; White Ring; Liars; oOoOO; Gazelle Twin; Laurel Halo; iamamiwhoami; Amanda Blank; Lady Sovereign; Add N To (X)
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