Ghosts And Errors - Teenage prose
My Favourite Chords / Broken Silence
VÖ: 12.06.2026
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
Dichter als Goethe
Wenn Teenager literarisch tätig werden, bebt die Erde gern unter dem unerträglichen Gewicht globalen Weltschmerzes, der jedoch zumeist durch relativ harmlose Ereignisse wie eine unbeantwortete WhatsApp-Nachricht ausgelöst wurde. Kein Wunder also, dass man sich dem aktuellen Album von Ghosts And Errors angesichts des Titels mit einer eher abwartenden Stimmung nähert; ein Gefühl, das jedoch alsbald in Neugier umschlägt, denn immerhin steckt Florian Stepper (Kaufmann Frust) dahinter, noch dazu hat er sich eine satt zweistellige Zahl von Gastmusikerinnen und -musikern dazugeholt – zum Beispiel den Die-Nerven-Drummer Kevin Kuhn. Erwähnt werden sollte auch, dass Ghosts And Errors auf dem rührigen Stuttgarter Klinke-Festival im vergangenen Jahr mit ihrem energetischen Liveset gehörig abräumten, was bekanntlich besonders schwierig ist, wenn das Publikum noch keinen der Songs kennt. Spätestens beim Hören des Openers sind dann auch alle Bedenken verflogen, denn der Titelsong könnte auch einer äußerst gelungen Kollaboration von Nada Surf und Phillip Boa entsprungen sein: Da sind diese sacht dahinfließenden, schwermütigen Gitarrenakkorde eines Matthew Caws, das singende Bassspiel nach Art eines Daniel Lorca – und die raffiniert mit einer elfengleichen Frauenstimme (Sandra Gern / Polar Noir) gedoppelten Vocals. Ja, diese rund vier Minuten machen bereits richtig große Lust auf die restlichen Tracks.
Und das zu Recht: "Jewelry" überzeugt mit verschachteltem Dreivierteltakt, "Songs of past lives" fängt erst handzahm-versponnen an, um dann etwa nach der Hälfte fette Bratzgitarren und wuchtiges Schlagzeug mit reichlich Beckenarbeit abzufeuern – und damit an die besten Momente der Ingolstädter Band Slut zu erinnern. Überhaupt: Die abwechslungsreiche Gitarrenarbeit ist es wohl, die "Teenage prose" zu einem so besonderen Album macht. Mal ballern sie mit voller Wucht los, mal kommen sie schrabbelig-verschludert wie bei J Mascis – und im getragenen "Out of wine" sind sie irgendwo zwischen Flamenco-Musik und mandolinenartiger Intonation verortet; ebenda schleicht sich auch ein herrlich-melancholisches Cello dazu. Ist ja auch bedauerlich, wenn einem am Lagerfeuer der Wein ausgeht. Und einer der klaren Höhepunkte ist das funkelnd-hymnische "Crystal valley".
Neben diesen bereits beim ersten Hören zugänglichen Nummern hält "Teenage prose" aber auch ein paar Tracks bereit, auf die man sich einlassen muss: So ruft "In tongues" mit seiner Mischung aus elegischen Gesängen und Spoken-Word-Einlagen Erinnerungen an die getragen-dystopischen Momente von Current 93 und Aphrodite's Child hervor. Und tatsächlich versteckt sich mit "Internet" sogar noch eine Uptempo-Nummer auf dem Album, mit der man nicht mehr gerechnet hätte. Man soll also nicht gleich die Beine in die Hand nehmen, wenn Teenager-Prosa angekündigt wird, denn bekanntlich gibt es in der Literatur eine Menge Beispiele für Talente, die bereits in frühen Jahren Großes erkennen ließen – von Arthur Rimbaud über Scott Fitzgerald bis hin zu Bret Easton Ellis. Was den Reifegrad der Musik angeht, können Ghosts And Errors sich jedenfalls hier sehr gut einreihen. Was für ein wunderbares Debüt!
Highlights
- Teenage prose
- Songs of past lives
- Crystal valley
- Bluebird
Tracklist
- Teenage prose (feat. Polar Noir)
- Jewelry
- Songs of past lives
- Nothing
- February
- Out of wine (feat. Maarten Vos)
- Crystal valley
- Fuzzy blurry love (feat. Luca Chesney)
- In tongues (feat. Ricardo Domeneck)
- Bluebird
- Internet
- June 22
- Verkehrt (feat. Polar Noir)
Gesamtspielzeit: 54:31 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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rainy april day Postings: 695 Registriert seit 16.06.2013 |
2026-06-22 23:43:55 Uhr
Gefällt gut. Die Gesangsmelodie von Songs of Past Lives ist ja mal todschick! |
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Ciego Postings: 1 Registriert seit 21.06.2026 |
2026-06-21 19:19:35 Uhr
Tolles Album, tolle Besprechung!! Aber warum dieser falsche, schreckliche Spotify Link?? |
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Vive Postings: 1554 Registriert seit 26.11.2019 |
2026-06-20 08:40:38 Uhr
versteh ich nicht, dass man unten so eine schrottverlinkung auf spotify macht, wenn das erste google suchergebnis ein full stream auf bandcamp ist. |
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Andreas Postings: 251 Registriert seit 29.12.2013 |
2026-06-19 16:50:55 Uhr
Danke - hätte ich sonst nie entdeckt ! Aber wie kann Fuzzy blurry love kein Highlight sein ? |
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MickHead Postings: 13268 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-06-19 11:37:50 Uhr
Jetzt komplett bei Bandcamp:https://ghostsanderrors.bandcamp.com/album/teenage-prose Visions 6/12 https://www.visions.de/review/ghosts-and-errors-teenage-prose/ |
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Referenzen
Lord Huron; Kaufmann Frust; Die Nerven; Nada Surf; Ron Sexsmith; Fleet Foxes; Midlake; Phillip Boa; Slut; J Mascis; Sparklehorse; Bright Eyes; Conor Oberst; Smog; Bill Callahan; Mount Eerie; Current 93; Aphrodite's Child; The National; Drahla; Dry Cleaning; Timber Timbre; Low; Flotation Toy Warning; Lea Porcelain; Kastrierte Philosophen
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- Ghosts And Errors - Teenage prose (6 Beiträge / Letzter am 22.06.2026 - 23:43 Uhr)



