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Warning - Rituals of shame

Warning- Rituals of shame

Relapse
VÖ: 19.06.2026

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

For seasons

Stopp, stopp, stopp. So ist das ja totaler Quatsch. Draußen steigen die Temperaturen, und ausgerechnet jetzt, mitten im Juni, veröffentlicht die britische Band Warning um Songwriter Patrick Walker mit "Rituals of shame" ein neues Album – immerhin fast 20 Jahre nach ihrem Zweitling, dem Doom-Klassiker "Watching from a distance". Musik, die nach eiskaltem Wind, ungemütlichem Niederschlag und Dunkelheit klingt. Mit schwerfälligen Gitarren von Walker und Wayne Taylor, die sich im Schneckentempo und mit massivem Gewicht wie eine Decke über alles legen, dazu ein konstant grollender Bass von Marcus Hatfield. Mit Walkers wie immer klagendem, klarem Gesang, der aus dieser Soundwelt heraussticht wie ein scharfes Messer. Nein, den Sommernachmittag am See beschallt man damit nicht. Außer man möchte starke Gewitter heraufbeschwören oder die Menschen in Hörweite in depressive Verstimmung stürzen. Dann würde "Rituals of shame" wiederum umso mehr wirken. Denn auch Warnings Dritte ist ein großartiges Stück Musik geworden, in dessen grenzenloser Weite man sich verlieren darf.

Walker selbst war in der Zeit zwischen den Alben nicht untätig und hat mit 40 Watt Sun ein anderes Projekt ins Leben gerufen. Trotz des Namenswechsels lässt sich eine klare chronologische Linie zwischen den Bands ziehen. Deren Debüt "The inside room" war 2011 mit noisigem Doom-Metal eine nahtlose Fortsetzung zu "Watching from a distance". Nachdem "Wider than the sky" und "Perfect light" immer sanfter und akustischer wurden, zog das jüngste Album "Little weight" die Zügel wieder an. Warning übernehmen nun nicht nur Drummer Andrew Prestridge von 40 Watt Sun als neues Mitglied, sondern auch die vollere, voluminösere Produktion, die weniger fies, dafür mächtiger klingt als vor zwei Jahrzehnten, auch dank der Tatsache, dass die Platte im The Arch Studio, einer ehemaligen Kirche in Southport, UK, aufgenommen wurde. "Night comes down" ist deshalb nicht nur ein Songtitel, sondern Programm.

"And the night comes down over me / Pregnant with pain / Burying me piece by piece", singt Walker in diesem Stück, verhallt durch die Dunkelheit. So endlos die Klangwelt, so endlos sein Leiden, das er in diesen fünf ausladenden Songs kanalisiert. Davor setzt gleich zu Beginn der Titelsong ein Ausrufezeichen als 13-minütiger Brocken, der direkt in die schwarze Schwere fällt. "When the shadows are of strangers / And their faces are the same / And their voices pour down like poison / Then I rub the human stain." Nach etwa zwei Dritteln schwebt unvermittelt ein im Kontext von "Rituals of shame" federleichtes, erhabenes Gitarrensolo hinein und sorgt für einen seltenen Moment des Lichts. Auch das folgende "Stations" ist ein Meisterstück der Dynamik, gibt sich melodischer und offener als die restlichen Kompositionen.

So wie Walkers Vocals ein besonderes Merkmal im sonst eher growligen Doom-Genre sind, erzählen seine Lyrics vom Zwischenmenschlichen, meist der Einsamkeit und Abwesenheit, aber auch von Hoffnung und Liebe. "And tonight, there's nothing beneath me / But the solid earth and the endless miles / Now only this / Whatever you leave me / You leave me alive" – so gibt er sich inmitten vom Verlust der Schwerelosigkeit hin. Und letztlich ist der Closer "Teacher" nichts anderes als eine flehende Liebeserklärung im schwermütigen Gewand, die sich gegen Ende mit neuer Energie aufschwingt. "But I can't see beyond you / And I can't count to the ways that I love you." Name und Besetzung spielen dabei fast keine Rolle: Abermals hat Walker ein wundervolles Werk mit harter Schale und weichem Kern geschaffen. Das letztlich doch rund ums ganze Jahr funktioniert.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Rituals of shame
  • Stations

Tracklist

  1. Rituals of shame
  2. Stations
  3. Night comes down
  4. Landing lights
  5. Teacher

Gesamtspielzeit: 45:08 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

VelvetCell

Postings: 10257

Registriert seit 14.06.2013

2026-06-27 15:13:40 Uhr
Starke Platte, ich muss mich aber bei jedem hören an die Gesangsstimme von Patrick Walker gewöhnen, die ist für mich schon etwas speziell.

Das geht glaube ich jedem so beim Erstkontakt. Mir auch. Ich halte ihn heute für einen grandiosen Sänger. Spätestens, nachdem ich ihn live erleben durfte.

sizeofanocean

Postings: 2101

Registriert seit 27.01.2020

2026-06-27 10:58:32 Uhr
https://www.youtube.com/watch?v=UjoG-scUsqM

Interview bei HardLore

Euroboy

Postings: 482

Registriert seit 14.06.2013

2026-06-27 10:51:33 Uhr
Starke Platte, ich muss mich aber bei jedem hören an die Gesangsstimme von Patrick Walker gewöhnen, die ist für mich schon etwas speziell.

joseon

Postings: 1738

Registriert seit 04.09.2023

2026-06-23 21:48:59 Uhr
Nicht gerade das Wetter dafür, aber ganz starkes Album, allein "Teacher"! Die 20 Jahre zwischen der letzten Platte merkt man null.

VelvetCell

Postings: 10257

Registriert seit 14.06.2013

2026-06-23 21:31:52 Uhr
Ich habs blind gekauft und warte auf die Lieferung.
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