Lykke Li - The afterparty
Neon Gold / Virgin
VÖ: 08.05.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
Elegie in neun Liedern
Als Li Lykke Timotej Svensson Zachrisson 2008 mit zarten 22 Jahren ihr Debütalbum "Youth novels" veröffentlichte, war die Indie-Szene hellauf begeistert. 2011 katapultierte sie der The-Magician-Remix von "I follow rivers", im Original zu finden auf ihrem zweiten Album "Wounded rhymes", dann auch ins Blickfeld des Mainstreams und wuchs der geneigten Hörerschaft an Herz und Ohr. Der Hit lief in Clubs, im Radio, im Fernsehen und verschaffte ihr den Ruf eines One-Hit-Wonders. Zu Unrecht, denn all ihren Alben wohnten stets ein gelungenes Songwriting und klasse Produktionen inne. Nun schließt sich der Kreis, indem sie mit "The afterparty" ihre Karriere als Sängerin zu einem Ende führen möchte.
Zart und doch gewaltig klickert und klackert es hier und versprüht, zusammen mit ihrer wunderschönen Stimme, unverkennbar Lykke-Li-Charme, während Streicher die großen Gefühle ausschmücken und unser Inneres öffnen. Zwar ist die Spieldauer von knapp 25 Minuten für eine Langspielplatte recht kurz angesetzt, dafür handelt es sich aber um eine äußerst kongruente Scheibe. Stilistisch ähneln sich die Songs, ohne jemals beliebig oder austauschbar zu erscheinen. Hier Highlights zu benennen, ist zwar durchaus möglich, es soll aber gesagt sein, dass darin in keiner Weise eine Abstufung der anderen, nicht erwähnten Lieder mitschwingt. Denn alle neun Songs sind wirklich gut. Besonders "Lucky again" schleicht sich mit Vivaldi-Streicher-Sample ins Gedächtnis. Melancholisch hüpft das Herz.
Auch lyrisch spiegelt "The afterparty" wider, wofür oder zumindest an welcher Stelle ihrer Karriere das Album seinen Platz findet. Denn zum einen illustrieren die Texte in einer elegisch-souveränen Mischung eine Liebesbeziehung – oder um genauer zu sein: den letzten Abschnitt selbiger – zum anderen lassen sie sich durchaus auch auf eine potentielle zukünftige Rückschau der Fans im Hinblick auf eine bald in der Vergangenheit liegende Zeit projizieren. Denn "The afterparty" soll den Abschluss von Lykke Lis Karriere darstellen. Wenn sie in "Sick of love" "You're gonna need me back / you're gonna want me back / You're gonna beg for it / I'll make you beg for it" singt, kommt man nicht umhin, die Sache ähnlich zu sehen.
Spannend ist auch, den Cover-Gestaltungsverlauf ihrer Alben, die ab 2014 erschienen, zu betrachten. Auf "I never learn" noch in ikonischer Heiligenmutter-Pose, oder sagen wir madonnesk abgebildet, erscheint sie auf "Eyeeye" bereits effekttechnisch optisch angezerrt, um nun auf dem aktuellen den Zerreffekt szenisch nachzustellen und dadurch zu vollenden. Lykke Li zieht sich zurück, zurück in eine selbstgewählte Unkenntlichkeit. So wird "The afterparty" als ein Abschiedsbrief ins kollektive Gedächtnis eingehen. Nicht als nostalgisches Best-of-Album oder gar als kalkulierter Karriereend-Höhepunkt, sondern mit neun Songs, die sich der Endgültigkeit mit derselben Schönheit nähern, mit der Lykke Li ihre gesamte Karriere geprägt hat. Sollte dies wirklich ihr letzter Akt sein, verlässt sie die Bühne nicht als One-Hit-Wonder, sondern als eine der eigenständigsten Stimmen melancholischer Popmusik der letzten zwei Jahrzehnte. "Least we knew ya, euphoria."
Highlights
- Lucky again
- Sick of love
- Knife in the heart
- Euphoria
Tracklist
- Not gon cry
- Happy now
- Lucky again
- Famous last words
- Future Fear
- So happy I could die
- Sick of love
- Knife in the heart
- Euphoria
Gesamtspielzeit: 24:51 min.
Album/Rezension im Forum kommentieren
Teile uns Deine E-Mail-Adresse mit, damit wir Dich über neue Posts in diesem Thread benachrichtigen können.
(Neueste fünf Beiträge)
| User | Beitrag |
|---|---|
|
Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30849 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-06-19 11:25:30 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
|
Edrol Postings: 752 Registriert seit 19.10.2018 |
2026-05-30 12:09:02 Uhr
Ist das Album etwa zu kurz für eine Rezension? Mir gefällt es, auch wenn es nichts wirklich Neues im Lykke-Li-Universum bietet. Besonders gut sind "Happy Now" und "Lucky Again". Solide 7/10. |
|
saihttam Postings: 2998 Registriert seit 15.06.2013 |
2026-05-19 23:40:50 Uhr
Interessant, dass die kaum noch jemanden zu interessieren scheint. Ich hörs mir jetzt mal an. |
|
musie Postings: 4285 Registriert seit 14.06.2013 |
2026-05-12 08:07:48 Uhr
sehr kurz(weilig) das Ganze, mir gefällts, kein einziger Ausfall. |
|
rheiton Postings: 432 Registriert seit 26.03.2025 |
2026-05-08 10:01:38 Uhr
Welche/r Artist wird das erste offizielle Album unter 10 Minuten ankündigen? |
Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.
Referenzen
Robyn; Cat Power; Warpaint; Lana Del Rey; Lorde; La Roux; Ellie Goulding; Sia; Tove Lo; The xx; Florence & The Machine; Feist; Imogen Heap; The Dø; Róisín Murphy; Sinéad O'Connor; Billie Eilish; Hundreds; Zola Jesus; Bat For Lashes; Fever Ray; The Knife; Beach House; Dillon; Vanessa Carlton; Soap&Skin; Banks; Santigold; Björk
Bestellen bei Amazon
Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv
Lykke Li - Eyeye
(2022)
Lykke Li - So sad so sexy
(2018)
Lykke Li - I never learn
(2014)
Lykke Li - Wounded rhymes
(2011)
Lykke Li - Youth novels
(2008)
Threads im Plattentests.de-Forum
- Lykke Li - The afterparty (12 Beiträge / Letzter am 19.06.2026 - 11:25 Uhr)
- Lykke Li (24 Beiträge / Letzter am 06.09.2024 - 23:26 Uhr)
- Lykke Li - Eyeye (3 Beiträge / Letzter am 23.05.2022 - 15:36 Uhr)
- Lykke Li - So sad so sexy (11 Beiträge / Letzter am 20.06.2018 - 23:29 Uhr)
- LIV (Lykke Li / Miike Snow / Peter Bjorn & John) (2 Beiträge / Letzter am 05.10.2016 - 15:26 Uhr)
- Lykke Li - I never learn (37 Beiträge / Letzter am 04.08.2014 - 09:23 Uhr)
- Lykke Li - Wounded rhymes (56 Beiträge / Letzter am 25.07.2013 - 22:41 Uhr)
- Lykke Li - Youth novels (19 Beiträge / Letzter am 19.07.2011 - 08:40 Uhr)



