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The Smashing Pumpkins - Zodeon at Crystal Hall

The Smashing Pumpkins- Zodeon at Crystal Hall

Martha's Music
VÖ: 15.05.2026

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Quak.

Warum heißt es eigentlich meistens The Smashing Pumpkins und nicht einfach Smashing Pumpkins? Letzteres könnte ja als die beschriebene Tätigkeit interpretiert werden, der Artikel davor passt aber wiederum nicht zur der Lesart. "Smashing" bedeutet aber zudem als Adjektiv sowas wie "toll" oder "klasse" und vielleicht sind diese Kürbisse ja auch schlichtweg ganz beeindruckend. Das sind Gedanken, die man kreisen lassen kann, während "Zodeon at Crystal Hall" läuft, denn viel verlangt einem das nicht ganz neue Album von Billy Corgan samt Ausführungsgehilf*innen nicht ab. Es erschien ursprünglich als Dreingabe des Vinyl-Boxsets von "Atum", wurde im November 2025 als Standalone-Album auf Platte neu aufgelegt und verlor auf dem Weg einen Song, gewann dafür aber drei hinzu. Nun ist das Ding auch digital veröffentlicht und endlich kann sich die breite Masse darüber informieren, wie die Story nach "Shiny and oh so bright" und "Cyr" weitergeht. Oder zumindest einbilden, irgendwas davon zu verstehen. Besser ist es, man lässt sich lieber mit Blumenbändchen umwickeln und von Sonnenstrahlen kitzeln. "Zodeon at Crystal Hall" ist so voll von positiver Flowerpower, voller Rauschen, Zwitschern, Zirpen und Quaken, wie man es in solch geballter Form noch nicht von Corgan gehört hat.

Ein folkiger Vibe weht durch das Album, was psychedelischem Pop der 60er nachempfunden sei. Richtig verdrogt klingt es aber nicht, eher als ob die späten Pumpkins in einem Paralleluniversum Hippies geworden wären und einen – stellenweise schon fast penetranten – Optimismus für sich entdeckt hätten. Es ist wiederum aber deutlich besser als "Atum", aus dessen Ära es stammt. Gleich die ersten beiden Songs sind tatsächlich richtig stark. "Simmatar" startet munter und fidel ins Getümmel und findet eine Melodie, die Corgan in den letzten Jahren selten so schön hinbekommen hat. "Magdalena" ist der energischste Track der Platte. "You forgot the things you love", ruft Corgan der Angesprochenen zu, findet aber selbst so einiges, was seine Band ursprünglich mal gut konnte. Produzieren gehört allerdings leider nicht dazu, denn der Song haut die Drums dermaßen laut in den Mix, dass es mit der Zeit aufs Trommelfell geht. Wer denkt, dass das immerhin besser sei, als wenn Corgan seine eigenen Vocals eklig weit nach vorne mischt, behält recht und darf sich beim darauffolgenden Gesabber von "Saffron" höchstselbst davon überzeugen.

Überhaupt steht Corgan sich wie so oft am meisten selbst im Weg. Die Lyrics sind wahlweise platt oder unnötig hochgestochen und sowieso häufig überhaupt nicht herauszuhören. Er singt, als ob er Murmeln oder einen Frosch im Mund hat, zieht Vokale merkwürdig lang und hat diesen Säusel-Filter auf der Stimme, der alles noch mal schwieriger macht. Was trällert er in "Burr"? "I'm sold without you"? "I'm salt without you"? "I'm Sault without you"? Das Internet sagt: "I'm sound without you." Sapperlot. Wenn er mit "Excelsior" einen ganz schlimmen Schunkelrhythmus auspackt, als ob die Welt mehr "Ob-La-Di, Ob-La-Da" bräuchte, und direkt darauf "Necromance" in penetrantes Gehüpfe ausbricht, droht "Zodeon at Crystal Hall" plötzlich auch im Songwriting ernsthaftzu kippen. Doch spätestens das flotte "MaryQ" bringt dank treibendem Beat und einer flotten Coda das Schiff wieder auf Kurs, sodass man über Schwachsinn der Marke "Behind the sun, where the sun never shines" locker hinweghören kann.

Ein wenig Kitsch sollte man für dieses Dutzend Songs auch abkönnen. Die Synths tragen gerne etwas dicker auf und die Orgeln raspeln einiges an Käse, schaffen aber sogar hübsche balladeske Momente wie das wirklich zauberhafte "Automaton". Es passt aber in dieses Setting von Songminiaturen, die niemals die Grenze von vier Minuten überschreiten und "Zodeon at Crystal Hall" überraschend kurzweilig gestalten. Diese Kompaktheit ist eine wahre Wohltat gegenüber aufgeblasenen Luftnummern wie "Cyr" und "Atum" und zeigt, dass aus dem Hause Corgan respektive The Smashing Pumpkins durchaus noch wertiges Material kommen kann. Auch wenn offenbar niemand mehr eine Chance hat, gegen katastrophale Mixing-Entscheidungen Veto einzulegen. Da muss der Bandkopf schon selbst aus seiner Verschrobenheit rauskommen, damit seine Alben eine Chance haben, wieder wirklich groß zu werden. "Zodeon at Crystal Hall" ist demnach wohl der beste Fall, der mit dem aktuellen Corgan-Mindset möglich ist: solide Kost mit einigen Highlights, die man besser nicht über Kopfhörer genießt. Smashing!

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Simmatar
  • Magdalena
  • Automaton
  • MaryQ

Tracklist

  1. Simmatar
  2. Magdalena
  3. Saffron
  4. Huzzah!
  5. Automaton
  6. Burr
  7. Excelsior
  8. Necromance
  9. Apocalypso
  10. MaryQ
  11. Story for another day
  12. The bard

Gesamtspielzeit: 38:35 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

oldschool

Postings: 1208

Registriert seit 27.04.2015

2026-06-27 22:15:32 Uhr
Uff ja, die Produktion. Komkmt noch hinzu. Man muss die Stimme weder mögen moch hassen. Ging in den 90ern ja auch in Ordnung. Aber so in den Vordergrund gedrückt...ist nicht gerade hilfreich

Felix H

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 11662

Registriert seit 26.02.2016

2026-06-27 21:48:26 Uhr
Er hat scheinbar einen verqueren Blick auf das eigene Schaffen. Das würde die fast konstant beschissene Produktion erklären und auch, warum schon damals auf "Zeitgeist" statt den geilen Bonustracks lieber Schrott aufs Album gepackt wurde und auch, warum "Zodeon" jetzt jahrelang nur das Bonusalbum für die 3 Käufer der "Atum"-Box ist. Billy schätzt seine Stärken offenbar ganz anders ein als alle anderen.

oldschool

Postings: 1208

Registriert seit 27.04.2015

2026-06-27 20:51:16 Uhr
Wen es wirklich so wäre, hätte bei Billy diese Hormoneffekt schon vor über 20 Jahren eingesetzt. Sein erstes Soloalbum war ja auch nicht der große Wurf. Ja schade.Und selbst wenn es ganz okay ist, so ist es halt doch zu wenig, um ein "okayes" Album langfristig immer wieder mal anzuhören.Aghori Mhori Mei und Oceania waren die einzigen Alben seit 2006, die ich öfters mal wieder angehört habe.

Nada Dude

Postings: 70

Registriert seit 08.04.2014

2026-06-27 10:15:43 Uhr
Es geht eben nur noch darum, ob es eine komplette Geschmacksverirrung oder ganz okay ist. Schon lange. Ganz okay ist ja okay, aber ich frage mich, wie man sein Talent, massenhaft gute Songs zu schreiben so verlieren kann. Billy ist da ja nicht das einzige Beispiel aber ein besonders Krasses. Verlassen einen da irgendwelche Hormone mit zunehmendem Alter?

Affengitarre

User und News-Scout

Postings: 12096

Registriert seit 23.07.2014

2026-06-18 21:51:16 Uhr
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