Greg Mendez - Beauty land
Dead Oceans / Cargo
VÖ: 29.05.2026
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
Ein Schrei
Viele Farben springen einen beim Blick aufs Albumcover an. Doch rasch erkennt man den Schatten einer Person, die mit hängenden Schultern durch die Berglandschaft des "Beauty land" schlurft. Deren Umrisse decken sich mit denen des Mannes, der im Musikvideo zum Opener "I wanna feel pretty" mit tief in den Jackentaschen vergrabenen Händen durch einen uramerikanischen Vorort schlendert. Es ist Greg Mendez selbst. Der Songwriter zählt bis vier, schafft bereits in den ersten Sekunden maximale Nahbarkeit. Ein liebliches Riff und das Anschlagen eines Tamburins werden kontrastiert durch den niedergeschlagenen Gesang über einen Melancholiker, der sich in der Einsamkeit einer Silvesternacht so lange betrinkt, bis er sich selbst in die Entzugsklinik einliefert. Dort angekommen, bleiben ihm nur noch Tagträume: "I couldn't believe it, I felt so free. [...] Except for the gleam in my eye where I see / The places I would be if I wasn't me."
Dem Konzept der Verbindung souverän aus dem Ärmel geschüttelter gefälliger Melodien und depressiver Texte bleibt Mendez 26 Minuten lang treu. Handelt es sich bei dem namenlosen lyrischen Ich der bemerkenswert kurzen 14 Tracks stets um dieselbe Person? Dafür spricht etwa, dass mehrere Songs traurige Einblicke aus einem Krankenhaus geben. Timbre und formvollendete Poesie in "Looking out your window" und "Geranium" erinnern an Neil Young, der als Endzwanziger die Songwriting-Meilensteine seiner Ditch-Trilogy erschuf. Für den Erzähler im "Beauty land" geht es jedoch nicht an den Santa Monica State Beach. Stattdessen muss er Geld verdienen. Und lässt sich dabei in "Serving drinks", begleitet von einem fröhlichen Marimba-Sound, von anderen Männern argwöhnisch betrachten. Hilfe sucht er abseits der Klinik nur noch ganz oben, falsettet in "Frog" zum Orgelklang seines Keyboards ein Stoßgebet gen Himmel. Sein vages Ziel wiederholt das lyrische Ich am Ende von "No evil" mantraartig, wenn Mendez nach schüchternem Fingerpicking plötzlich stärker in die Saiten greift: Raus aus der Misere will er, "til I can't see no evil".
Selten fällt es so schwer, Album-Highlights herauszupicken. Die 14 fast gänzlich im Homestudio mitgeschnittenen Eindrücke aus dem "Beauty land" überzeugen ausnahmslos und ergeben ein Gesamtkunstwerk, das sich in seiner bittersüßen Traurigkeit und angenehmen Kompaktheit zwar an Werken der späten Sechziger und frühen Siebziger orientiert, dabei aber lyrisch vom Hier und Jetzt erzählt. Vordergründig politisch wird es nie. Und doch bedarf es nicht viel Interpretationsvermögens, um beim Lauschen von Texten über Drogenabhängigkeit und freudlose Gelegenheitsjobs nicht an Mendez' Heimatstadt Philadelphia, scheinbar gefangen in einer Abwärtsspirale aus Opioidkrise und steigender Arbeitslosigkeit, zu denken. Und letztlich auch an ein Land, in dem viele Tellerwäscher inzwischen schon froh sind, auch einen Monat später noch Tellerwäscher sein zu dürfen. Letztlich zeigt es bereits das expressionistische Albumcover: Innen- und Außenleben sind nicht auseinanderzuhalten. Ein beeindruckender Abgesang!
Highlights
- I wanna feel pretty
- Looking out your window
- No evil
- Geranium
Tracklist
- I wanna feel pretty
- Looking out your window
- Mary/Dreaming
- Everybody wants to be your friend (except me)
- Gentle love
- Frog
- It breaks my heart
- Sunsick
- No evil
- Geranium
- Interlude in D minor
- Serving drinks
- So mean
- Concussion
Gesamtspielzeit: 26:14 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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dreckskerl Postings: 12222 Registriert seit 09.12.2014 |
2026-06-16 19:43:09 Uhr
Sehr, sehr starkes Album. |
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saihttam Postings: 2998 Registriert seit 15.06.2013 |
2026-06-11 22:56:33 Uhr
Toller Künstler! Fand den selbstbetitelten Vorgänger in all seiner Kürze und Prägnanz ganz toll. Hier muss ich noch ein bisschen reinkommen, aber habe Hoffnung, dass das wieder was wird. |
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Plattentests.de-Sammelaccount Postings: 73 Registriert seit 19.07.2022 |
2026-06-10 21:20:07 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Referenzen
Elliott Smith; Neil Young; Tim Buckley; Nick Drake; Harry Nilsson; George Harrison; Donovan; Cat Stevens; Songs:Ohia; Magnolia Electric Co.; Mac DeMarco; Vic Chesnutt; Eels; Sparklehorse; Mark Kozelek; Red House Painters; Sun Kil Moon; Bonnie 'Prince' Billy; Tom Odell; Bill Calahan; Bon Iver; The Tallest Man On Earth; Bright Eyes; Gilbert O'Sullivan; Gordon Lightfoot; Joan Baez; Bruce Springsteen
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- Greg Mendez - Beauty land (3 Beiträge / Letzter am 16.06.2026 - 19:43 Uhr)



