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Kelsey Lu - So help me God

Kelsey Lu- So help me God

Dirty Hit / Integral
VÖ: 12.06.2026

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Ein bisschen Maximalismus

Maximalismus bei Kelsey Lu? Das Debütalbum "Blood" bestach durch seine bescheidene Eleganz, doch die äußeren Parameter des sieben Jahre später erscheinenden Nachfolgers "So help me God" deuten an, dass Lu nach etwas Größerem strebt. Die Songlängen sind gewachsen und Unterstützung gibt es zwar nicht vom im Himmel sitzenden Bartträger, aber von anderen klangvollen Namen: Jack Antonoff hat ko-produziert, Kamasi Washington, Sampha und Kim Gordon haben Gastbeiträge beigesteuert. Trotz dieser Ausrufezeichen setzt die non-binäre Person aus Kalifornien jedoch weiterhin auf absolute Intimität und Rohheit, züchtet ihren Art-Pop noch immer im Schatten heran – dass das Cover schwarzes Kleid mit schwarzem Hintergrund kombiniert, kommt nicht von ungefähr. Auch Lus Trademarks haben weiterhin Bestand, diese unheimlich variable Stimme und das Cello, das innerhalb der detaillierten Arrangements immer wieder Reizpunkte setzt. "So help me God" verlangt nicht nach Aufmerksamkeit, scheint seine Brillanz stellenweise fast verhüllen zu wollen – natürlich erfolglos. Es ist eigenständige, schlicht wunderschöne Musik, die Björk-Entrücktheit ebenso meisterhaft wie erstaunlich direkte Hooks und alles dazwischen beherrscht.

Der achteinhalbminütige Opener "Reaper" baut sich mit satten Drums und Streicher-Schleiern zu einem ausnehmend geschmeidigen Stück Samt-Soul auf, ehe er in der zweiten Hälfte von Washingtons Saxofon begleitet diffundiert. Die Unschlüssigkeit ist auf "So help me God" keine Schwäche, sondern die Essenz einer Kunst, die keine klaren Antworten erzwingen will, wenn es keine gibt. "How do I know what you're thinking? / How do I know it's enough? Is this enough?", fragt das erhabene "Portrait of a lady on fire". Unter Cello-Dröhnen versteinert der Song in stiller Sehnsucht, dem gleichnamigen Film-Meisterwerk nicht unähnlich. Doch Lu gibt sich der Schönheit des Erstarrens nie ganz hin, legt auch großen Wert auf Dynamik und Abwechslung. Das Akustikgitarren-dominierte "What can I do" steht etwa im direkten Kontrast zum darauffolgenden "Running to pain", das mit viel Anlauf zur atemlosen Elektropop-Offensive ausholt – mehr Ohrwurm-Qualität gibt es nur im James-Bond-Triphop von "Only the lonely". Eine von Lus Vocals unterstrichene Eindringlichkeit prägt sowohl die zurückhaltenderen als auch die lebendigeren Tracks, die das eigene Seelenleben wie ein Poltergeist heimsuchen und auch dann noch bleiben, wenn sie bereits verstummt sind.

Im Herzen des Albums schlägt das grandiose "Comfort", das als spektraler Psychedelic-Folk auch auf Moses Sumneys "Grae" seinen Platz gefunden hätte und mehrere Tempowechsel bis zur wuchtigen Rock-Bridge aufzieht. "American sonnet" hält im Anschluss sieben Minuten lang die Zeit an. Das Cello eröffnet mit einer zu Tränen rührenden Melodie, bevor Lu wundervolle Stimmakrobatik auf Piano-Anschlägen und schrillen Samples aufführt. In der Schlussminute entwickelt der Song aus dem Nichts einen Techno-nah pulsierenden Beat, den "852" allerdings selbstbewusst auflaufen lässt. "Better than that" leitet den Schlussakt der Platte ein, wandelt sich in Samphas Beisein vom reduzierten Klavierstück zum kunstvollen, verspielten Kopfnicker. Es ist etwas schade, dass Kim Gordons Mitwirkung nicht klar herauszuhören ist, doch hat sich Lu eine so markante künstlerische Identität erarbeitet, dass die ganzen prominenten Namen ihre Stempel ruhig woanders aufdrücken dürfen. Da kann auch das finale "Cutting the head off a ghost" zur triumphalen Weltumarmung ausholen, ohne je anbiedernd zu wirken. Ein bisschen Maximalismus hat sich Kelsey Lu verdient.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • Reaper
  • Portrait of a lady on fire
  • Comfort
  • American sonnet

Tracklist

  1. Reaper
  2. Portrait of a lady on fire
  3. What can I do
  4. Running to pain
  5. Comfort
  6. American sonnet
  7. 852
  8. Only the lonely
  9. Better than that
  10. Cutting the head off a ghost

Gesamtspielzeit: 49:46 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

bender

Postings: 283

Registriert seit 03.04.2020

2026-06-24 10:29:55 Uhr
Eine schöne Entdeckung. Besonders der erste Song hat es mir angetan.

ThomZH

Postings: 33

Registriert seit 21.02.2026

2026-06-13 09:02:22 Uhr
Die Rezession, Referenzen und Mitwirkenden schüren schon mal sehr hohe Erwartungen - bin gespannt, ob sich diese erfüllen - danke schon mal für den Tipp!

vincent92

Postings: 183

Registriert seit 22.11.2016

2026-06-12 17:46:50 Uhr
Bin echt beeindruckt. Alles Songs, die einen nicht sofort packen, sondern erst langsam wachsen. Voll schöner Details und immer mit einer gewissen Portion Schräglage. Danke für den Tipp.

MickHead

Postings: 13252

Registriert seit 21.01.2024

2026-06-12 10:03:19 Uhr
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https://kelseylu.bandcamp.com/album/so-help-me-god

Musikexpress 5/6

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Rolling Stone 3.5/5

https://www.rollingstone.de/reviews/kelsey-lu-so-help-me-god-review/

Plattentests.de-Sammelaccount

Postings: 73

Registriert seit 19.07.2022

2026-06-10 21:19:47 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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