Klimt 1918 - Àmor
Prophecy / SPKR
VÖ: 12.06.2026
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
Faraway, so close
Was war zuerst da, das Huhn, das Ei, der Dino oder das Omelette? Wir sind uns nur teilweise sicher, dafür wissen wir aber, dass Klimt 1918 ein Album mit dem Titel "Àmor" bereits vor einiger Zeit – während der Pandemie – angekündigt haben. Und dass die Liebe der Fans zu den italienischen Post-Rock-Shoegazern länger hält als die immer ausufernderen Wartezeiten zwischen ihren Alben. Was sind schon fast zehn Jahre seit "Sentimentale Jugend" im endlosen Lauf der Äonen? Also lasst Euch einen guten Rotwein ein und genießt einen tiefen Schluck aus der Badewanne der Emotionen!
Es ist ja nicht so unüblich für diese Band, dass sie eine Weile braucht. Nachdem die Gebrüder Soellner plus die Herren Pesola und Pace, später Conte, die ersten drei Alben – darunter die ewige Sternstunde "Dopoguerra" – in vergleichsweise flottem Abstand veröffentlichten, dauerte es bis zur bislang letzten Platte schon einmal acht Jahre. Die kam dann aber als ausuferndes Doppelalbum daher. So etwas macht heute ja kaum noch jemand. Stattdessen haben sie nun kuschelige Liebeslieder mit zweieinhalb Minuten Länge geschrieben, die sofort mit dem eingängigen Refrain ins Haus fallen.
Natürlich nicht. Auch wenn "Àmor" nach den Aufnahmen im heimischen Rom für den finalen Schliff von der Studiolegende Tony Doogan in Glasgow abgemischt und von Frank Arkwright in den Londoner Abbey Road Studios gemastert wurde, pfeifen Klimt 1918 auf algorithmische Fehlentwicklungen. Die elf Songs überschreiten mehrheitlich die Fünf-Minuten-Grenze und bekommen alle Zeit, sich in Ruhe aufzubauen. Der Sound schließt dabei erstaunlich nahtlos an den Vorgänger an, was heißt: Die Metal-Wurzeln bleiben eher rudimentär zu erahnen, die Wave- oder Pop-Elemente von "Dopoguerra" sind ebenfalls nur noch in Ansätzen vorhanden. Es sei denn, man packt ein "Dark" vor das "Wave", dann freut sich der Fan von The Cure und Artverwandtem über die elegisch-düsteren Soundwände.
Denn die Wall of Sound ist hier noch wuchtiger und ertränkt die Hörerschaft fast im dahinfließenden Schönklang. Von der ersten bis zur letzten Sekunde wickeln sich die Gitarren, Bässe, Drums, Drones und Synthesizer ineinander und umeinander, sodass die Empfänger dieser himmlischen Musiksendung sich auf dieses dick gepolsterte Bett legen können. Selbst der Gesang ist so tief in den großen Hall gemischt, dass er an keiner Stelle den Vordergrund einnimmt. Highlightsucher und Rezensenten drücken auf Repeat, um die Einzelheiten herauszupicken. Wie das Auftaktdoppel "Dream core" und "Aventine" viele kleine Melodien zusammenbringt und die Atmosphäre grundiert. Oder "Eros" mit einem zunächst fast zögerlichen und später immer mutigeren Altsaxofon Assoziationen an Dystopien à la "Blade Runner" weckt. Während "Nexus" weiter tief, aber von optimistischen Drums angetrieben, in die 80er eintaucht und mit "Un été invincible" zwei andere Arten von Sommerhit abliefert. Und dann baut der Titelsong kompakt einen dunklen Turm aus Gitarren, auf dem sich das majestätische "Petricore" ausbreitet. Wer noch genug Energie hat, wandert zum Finale durch die "Aftersun", um auf dem "Mountain" in der diesigen Ferne Glocken zu vernehmen. Nach einer Platte, eingeläutet in Zeiten des gebotenen Social Distancings, die Menschen wie eine klanggewordene Umarmung vereint. Molto amore für "Àmor".
Highlights
- Aventine
- Eros
- Un été invincible
- Petricore
Tracklist
- Dream core
- Aventine
- Nihil Vltra
- Eros
- Nexus
- Un été invincible
- Arcade
- Àmor
- Petricore
- Aftersun
- Mountain
Gesamtspielzeit: 59:55 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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oldschool Postings: 1208 Registriert seit 27.04.2015 |
2026-06-30 20:40:54 Uhr
aber nur vielleicht!!!Ich mag die anderen Alben eigentlich l lieber, weil der Sound besser ist.Da sist ist ein einigster Brei |
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Cayit Postings: 374 Registriert seit 05.05.2014 |
2026-06-30 10:45:53 Uhr
AMOR ist vielleicht bisher ihre Beste Platte! |
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Pivo Postings: 1484 Registriert seit 29.05.2017 |
2026-06-17 15:01:56 Uhr
Ich gehe mit Cayit mit. Das Album ist ein echter Brocken. Der Hall geht schon ziemlich an die Schmerzgrenze und sehr viel länger hätte das Album nicht dauern dürfen ehe ein Ermüdungseffekt eingetreten wäre.Nach einige Durchläufen kann ich aber sagen, dass es stetig gewachsen ist und auch die 8/10 völlig in Ordnung geht. Es ist soundtechnisch einfach den Weg der Sentimentalen Jugend noch konsequenter weitergegangen und bevor sie ein schlechteres Dopoguerra gebracht hätten, dann lieber ein gleichwertiges Sentimentale.... Ich bin zufrieden mit dem Album. Ein Highlight in diesem Jahr ist es in jedem Fall. |
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Cayit Postings: 374 Registriert seit 05.05.2014 |
2026-06-16 17:54:01 Uhr
'Aftersun' was für eine Wucht...Man kann förmlich den Rauch aus den Lautsprechern rauskommen sehen, überhaupt das ganze Album ist mit Wall Of Sound voll gepackt. Es(Album) braucht auf jeden fall seine Zeit um zu wirken! |
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oldschool Postings: 1208 Registriert seit 27.04.2015 |
2026-06-12 19:59:21 Uhr
Ich mochte die Band bisher sehr. Und der Sound hat sich ja auch nicht geändert. Es war immer Hall in der Stimme und auch der Wall of Sound ist nicht neu.Doch wie in der Rezendsion bereits zu lesen ist "der Wall of Sound ist hier noch wuchtiger". Vielleicht ist die Band etwas übers Ziel hinausgeschossen. Gerade wenn ein Song explodiert, merkt man den LOUDNESS WAR sehr deutlich und es zumindestens zeitweise ein Soundbrei. Der Gesang hallt irgendwo aus weiter Ferne durch den Raum und nicht selten wirkt es so, als ob er nie richtig ankommt. Wie gesagt - alles nicht neu, doch bisher wusste man das alles ganz gut auszuloten. Ich höre nach wie vor tolle Melodien und die Songs haben eine tolle Dynamik. Ein gutes Album, mit dessen Produktion ich mich nicht ganz anfreunden kann. Vielleicht brauche ich aber nur etwas mehr Rotwein.... |
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Referenzen
Another Day; Arctic Plateau; Alcest; Aereogramme; The Unwinding Hours; Amplifier; Mogwai; Oceansize; Dredg; Deafheaven; A Place To Bury Strangers; My Bloody Valentine; The Cure; Bauhaus; The Twilight Sad; Editors; Interpol; Joy Division; Arab Strap; Les Discrets; I Like Trains; The Appleseed Cast; Elliott; Logh; Cursive; Mono; Crippled Black Phoenix; God Is An Astronaut; Boris; Explosions In The Sky; Gregor Samsa; The Paper Chase; Clann Zú; My Vitriol; Secret Machines; Kinski; Caspian; These Arms Are Snakes; Marillion; Amusement Parks On Fire; A Whisper In The Noise; Immanu El; There Will Be Fireworks; The Chameleons; O. Children; Snowden; Antimatter; Anathema; She Wants Revenge; U2
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