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Bruce Soord - Ghosts in the park

Bruce Soord- Ghosts in the park

Kscope / Edel
VÖ: 15.05.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Und er lässt los

Es beginnt wenig überraschend. Mit einem Akustikgitarrenriff und Bruce Soords unverwechselbarem Timbre, perfekt, aber eben auch sehr glatt produziert. Nur der Inhalt der gewohnt lieblich vorgetragenen Zeilen unterscheidet sich maßgeblich von den vagen, im Bandgefüge entstandenen Lyrics der letzten The-Pineapple-Thief-Alben. Das lyrische Ich fragt seine Mutter, ob sie sich erinnern könne. An einen Tag am Meer, ja, an den Erzähler selbst. Schnell versteht man: Das lyrische Ich ist Soord. Er thematisiert in "Concepción" die Demenzerkrankung seiner Mutter, findet im Bild der in Santiago de Chile beobachteten Schiffswracks eine passende Metapher.

Elegant verzahnt der Songwriter Akustik- und E-Gitarrenparts in "Pillars", dem einzigen schnell ins Ohr gehenden Song auf "Ghosts in the park". Wunderbar luftig klingende Akkorde treffen auf einen traurigen Text. Nein, "this house is not in order", auch wenn es angesichts der Melodieseligkeit zunächst anders erscheinen mag. Wer in der letzten Strophe von "Meet me on the downs" konzentriert Soords mit massig Reverb unterlegten, geisterhaft dahinrauschenden Worten lauscht, hört sehr konkrete Erinnerungsfetzen. In einsamen Momenten während des Tourens mit The Pineapple Thief entstand die Basis der neun persönlichsten Songs, die Soord jemals veröffentlichte. Angesichts der Hochglanzproduktion mag man es zunächst kaum glauben, aber bei einem großen Teil der auf dem Album zu hörenden Gitarrenparts handelt es sich um First Takes, aufgenommen in Hotelzimmern. Der Beginn von "Kept me thinking" zeugt davon. Soord setzt sich auf einen quietschenden Stuhl, verspielt sich, setzt von neuem an. Dass seine Saitenanschläge nach viereinhalb Minuten wie das Ticken einer Uhr klingen, kann kein Zufall sein. Es geht um flüchtige Erinnerungen, seinen verstorbenen Vater, das Verrinnen der Zeit. In "Meet me on the downs" bringt der Multiinstrumentalist das Motiv seines fünften unter eigenem Namen veröffentlichten Albums auf den Punkt: "Memento mori." "Kept me thinking" und "Stared down" werden durch charakteristische E-Gitarrensoli aufgewertet. Endlich hat man wieder das Gefühl, dass diese Soli kein Selbstzweck sind. Kein bloßer Ausdruck einer liebgewonnenen Das-muss-so-Melancholie, sondern narrative Bestandteile eines düsteren Gesamtkunstwerks.

Anders als auf seinen vorherigen unter eigenem Namen veröffentlichten Werken spielte Soord für "Ghosts in the park" fast alle Instrumente selbst ein. Einzig der Bass auf "Kept me thinking" stammt von The-Pineapple-Thief-Kollege Jon Sykes. Zum Schluss, im fast dreizehnminütigen Titeltrack, fühlt man sich an den Karrierebeginn Soords erinnert, als er mit seinem damaligen Ein-Mann-Projekt an Mikro, Akustikklampfe, E-Gitarre, Schlagzeug und Keyboard meditative Longtracks schuf. Auf einer Bank im Oberhausener Kaisergarten begann er, den zentralen Song seines besten Albums seit langer Zeit zu schreiben. Keine unheimlichen, sich an der Schreckhaftigkeit der Leute erlabenden Wesen lauerten ihm im Kaisergarten auf, sondern Schemen naher Verwandter, die all die Lebenden für einen kurzen Moment verblassen ließen: "And all the people have passed by / The ghosts in the park take their place." Nach knapp fünf Minuten lässt Soord seine Saiten wieder klingen, als wären sie ein Metronom. Dann baut sich zum zweiten Mal ein Crescendo auf – um irgendwann abrupt abzubrechen. Anstelle von Post-Rock-Klischees setzt Soord im Titeltrack gleich an zwei Stellen auf sekundenlange Stille, lässt ab von einer greifbaren Songstruktur und von Erwartungen. Ihm gelingt ein so runder wie berührender Abschluss eines überraschend unberechenbaren Albums und ein angenehm leiser künstlerischer Befreiungsschlag.

(Dennis Rieger)

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Highlights

  • Pillars
  • Ghosts in the park

Tracklist

  1. Concepción
  2. Pillars
  3. Meet me on the downs
  4. Kept me thinking
  5. Day of wrath
  6. Our predicament
  7. Stared down
  8. You made a promise
  9. Ghosts in the park

Gesamtspielzeit: 42:39 min.

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Armin

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2026-06-03 20:45:48 Uhr - Newsbeitrag
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