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The Coral - 388

The Coral- 388

Run On
VÖ: 07.05.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Brise aus der Vergangenheit

"Play that song again / You know the one / The one we used to smoke to / When we were young." Nostalgie gehörte schon immer fest zur Identität von The Coral. Schon seit ihrem selbstbetitelten Debüt greift die britische Psych-Pop-Band munter auf die Musikgeschichte zurück, vornehmlich auf die 60er. Wie die zitierten Eröffnungszeilen vermuten lassen, bekommt dieser Faktor auf ihrem nunmehr 13. Studioalbum jedoch eine neue, explizitere Bedeutung. Im Zuge einer Dokumentation über ihre Anfänge und einer begleitenden Tour entstand bei The Coral die Inspiration, eine gänzlich die Vergangenheit zelebrierende Platte zu kreieren. "388" ist in jeder Hinsicht oldschool: ohne jede Ankündigung oder Vorabsingle veröffentlicht und komplett live unter Zuhilfenahme eines TASCAM-Tape-Geräts aufgenommen, das dem Album seinen Namen gibt. Auch stilistisch lehnen sich James Skelly und Co. zurück, um ohne jeden Druck ihren Lieblingssounds vor allem aus dem Ska und Soul zu huldigen.

So gleitet gleich der Opener "Let the music play" einen sonnendurchfluteten Rocksteady-Groove samt Mariachi-Bläser-Hook entlang, während Skelly sein bestes Falsett auspackt. Dass die zwei folgenden Songs rhythmisch ähnlich sind, sorgt ohne Zweifel für eine gewisse Gleichförmigkeit – doch The Coral sind zu versierte Musiker, als dass sie das Album in Langeweile kippen lassen würden. "Ride that train" formt mit Gitarrenschlenkern und einer einfachen Keyboard-Melodie ein herrlich entspanntes Stück Psych-Reggae. "Leave it in the past" verschiebt die Parameter leicht, indem es mit Piano und Steh-Bass beschwingter daherkommt. Der Fünfer aus Hoylake blickt beständig auf die andere Seite des Atlantiks, doch schmeckt man aus seiner Musik weiterhin die Seeluft der Merseyside. Ähnlich wie Skellys Cousin Miles Kane oder der in Frankreich verortete Peter Doherty sind The Coral in einem geschmackvollen, souligen Spätwerk angekommen, das wie von selbst Küstenbilder auf die innere Leinwand malt.

Die eigenen Sehnsüchte der Band richten sich allerdings weniger auf einen Ort als auf eine bestimmte Zeit. "Wrote a hundred songs / We'll never be so young again", heißt es etwa im nur auf Akustikgitarre und Gesangsharmonien reduzierten Lagerfeuerlied "You and me (and the beautiful sea)". An dieser Stelle langsam aufkommende Befürchtungen, "388" könnte womöglich doch etwas zu seicht geraten sein, untergräbt das famose "Shame", indem es handfester nach vorne treibt und leichte Morricone-Vibes versprüht – passend, dass auch der Protagonist aus einem alten Western stammen könnte: "I walk / Where no one knows me / I talk / But I won't say my name." Nicht nur hier zeigen The Coral feine Risse in der sommerlichen Leichtigkeit des Albums auf. "Here come the tears" badet in einer Melancholie, die seinem Titel gerecht wird. Das von Skellys Bruder Ian geschriebene "Yellow moon" wirkt mit seinen Keyboard-Flöten gar ein wenig unheimlich – natürlich nur im Sinne eines Retro-Grusels, bei dem man an bespukte Herrenhäuser und andere Horrorklischees denkt.

Der Doo-Wop-Schmachter "Sad girl" trägt die nachdenkliche Stimmung weiter, doch mit "High tide" zeigt sich die Sonne wieder. "When the sea meets the sky and you're losing your mind / It's summertime", erklärt Skelly, während Paul Duffy das eingängigste Bass-Riff der Platte raushaut. Größtes Highlight der zweiten Albumhälfte ist allerdings "Spirit catcher", ein hypnotischer Vier-Viertel-Soul-Groover mit mehrstimmigen Vocals und tollen Bläser-Parts. "Crossing the sands" bringt zum Abschluss noch den dezenten Western-Touch zurück und klingt tatsächlich so, als würde eine nicht näher definierte Gestalt in den Horizont reiten. Angesichts der Lässigkeit, mit der The Coral solche aus der Zeit gefallenen Song-Perlen aus dem Hemdärmel schütteln, ist es kaum vorstellbar, dass sie vor wenigen Jahren noch 20 Tracks starke Konzeptalben produziert haben. Aber wir wollen nicht so viel in der Vergangenheit abhängen.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • Let the music play
  • Shame
  • Spirit catcher

Tracklist

  1. Let the music play
  2. Ride that train
  3. Leave it in the past
  4. You and me (and the beautiful sea)
  5. Shame
  6. Here come the tears
  7. Yellow moon
  8. Sad girl
  9. High tide
  10. Spirit catcher
  11. Crossing the sands

Gesamtspielzeit: 38:20 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

EddieWouldGo

Postings: 1

Registriert seit 13.06.2026

2026-06-13 19:47:04 Uhr
Tolle Platte. Kommt meinem Lieblings-Coral-Album Butterfly House sehr nah.

Enrico Palazzo

Postings: 9324

Registriert seit 22.08.2019

2026-06-08 12:49:23 Uhr
Für mich klingt das Album leider nach langweiliger Altherreb-Band.

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Postings: 2463

Registriert seit 25.09.2014

2026-06-08 12:41:15 Uhr
Muss auch sagen, dass ich mit der Stimme wieder klarkomme. Ein Glück!

Schöne Platte.

The Libertine

Postings: 448

Registriert seit 29.08.2022

2026-06-08 11:46:11 Uhr
Eine Platte die direkt ins Ohr geht und sich trotzdem nicht abnutzt.

Man hätte hier doch wirklich die 8 ziehen können. Für eine 7 ist das doch insgesamt zu gut? Vielleicht wegen der Schnellschussanmutung?

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Postings: 2463

Registriert seit 25.09.2014

2026-06-07 13:31:01 Uhr
Auf den obigen Kommentar von JohnWesley werde ich im Übrigen nicht eingehen.
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