Converge - Hum of hurt
Epitaph / Indigo
VÖ: 05.06.2026
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
Doppelschlag
System Of A Down taten es, Beach House taten es, Lana Del Rey tat es und The National taten es. Alle veröffentlichten innerhalb eines Jahres – mal mehr, mal weniger angekündigt – gleich zwei Alben. Kurioserweise haben alle diese Alben bei Plattentests.de eine 8/10 bekommen. Nicht mehr, nicht weniger. Wären wir ein YouTuber, würden wir sagen: "Verdient? Schreibt's in die Kommentare." Wir verweisen Euch hierfür aber auf unser altes und gedientes Forum. Und zerren Converge in den Ring. Nachdem "Love is not enough" im Februar 2026 unüberraschenderweise wieder ganz grandios – lies: 8/10 – ausfiel, haben sie kurze Zeit später angekündigt, dass es das noch nicht gewesen sei für dieses Kalenderjahr. Nur knapp vier Monate später folgt "Hum of hurt". Und nun kommt man als Rezensent ins Schwitzen. Erneut 8/10? Wie die ganzen genannten Beispiele davor? Vorm geistigen Auge schwirren schon die "Game of thrones"-Writer umher und faseln was von "subverting expectations". Aber wie das geendet ist, wissen wir ja. Und wer was anderes als eine weitere Großtat erwartet, ist sowieso mit dem Klammerbeutel gepudert.
Schließlich konnten die Vorabsingles "Doom in bloom" und "Hum of hurt" schon verdammt viel. Insbesondere der Titeltrack ist wohl das Epizentrum der Platte, wird von dem Zwischenstück "It used to matter" wundervoll eingeleitet und metert los mit sturem Riff, um später im atemberaubenden Finale zu explodieren. "We are so cruel / When old gives way to new", growlt Jacob Bannon, und natürlich steht bei einer solchen Doppel-Veröffentlichung die Frage im Raum, wie sich die Platten Yin-Yang-mäßig zueinander verhalten. Nun, das Artwork ist anders. Die Grafik spielt auf das titelgebende Summen zwischen 30 und 80 Hertz an, das an verschiedenen Orten der Welt zu hören ist, bis heute nicht wirklich erklärt ist – und denen, die es vermehrt wahrnehmen, das Leben schwermacht und sogar mit höheren Suizidraten in Verbindung gebracht wird. Hatte "Love is not enough" ein klassisches Converge-Cover, erinnert "Hum of hurt" in diesem Aspekt an die klar strukturierte Aufgeräumtheit eines "All we love we leave behind", natürlich ähnlich stilvoll. Was die beiden 2026er-Alben vereint? Zehn Tracks, einer davon Interlude, einer Titeltrack. Die längeren Songs eher gegen Ende platziert. Etwas mehr als eine halbe Stunde Spielzeit. Und natürlich ausreichend Arschtritte.
Die Band selbst sagt, "Hum of hurt" sei mehr in eine Emocore-Richtung gegangen, während "Love is not enough" mehr Metal-Anleihen in sich vereint habe. Das kann man so heraushören, letztlich wären prinzipiell Tracks zwischen den beiden Platten aber austauschbar, ohne dass man stilistische Brüche bemängeln müsste. "Hum of hurt" baut jedoch genau wie sein Vorgänger seinen eigenen Spannungsbogen meisterhaft auf. Zu Beginn geben Prügelattacken wie der Opener "Slip the noose" oder der besonders irre Freakout "It only gets worse" die Klinke in Hände von zähflüssigen Lavaströmen in Form von "Doom in bloom" und "Detonator". "I won't let you go" hat die Band ursprünglich 2020 für das Game "Cyberpunk 2077" beigesteuert, hier erscheint es neu aufgenommen, aber strukturell unverändert – warum auch? Dieser Highspeed-Trip verkloppt nach wie vor in bester Manier alles in der Umgebung. Die Worte "Please, just don't let me go / Please, just don't give up hope" hat man sicher noch nicht in solch einem Setting gehört.
Überraschend viel Zeit verbringen Converge auf "Hum of hurt" jedoch in langsamen Tempi, nicht nur im schwer marschierenden Closer "Nothing is over", sondern auch im sechsminütigen zentralen Epos "Dream debris", das durchaus Doom-Spuren in sich trägt. Die Percussion atmet schwer, der Bass schlägt langsam an und Bannon flüstert halb seine Zeilen. Selbst wenn der Song im Refrain Fahrt aufnimmt, ist er eher eine unaufhaltbare Dampfwalze, statt der Hammer, den manch kürzerer Track auspackt. Genau diese Dualität verbindet "Hum of hurt" mehr als vorige Converge-Alben zu einer Einheit. Doomige Songs werden nicht mehr sauber vom Geboller getrennt, sondern koexistieren als Seiten einer Medaille, der sie schon immer angehört haben. So wie sich "Love is not enough" und "Hum of hurt" zwar spiegeln und ergänzen, aber dennoch jeweils komplett für sich allein stehen können. Natürlich mit der einzig angemessenen Wertung.
Highlights
- It only gets worse
- I won't let you go
- Hum of hurt
Tracklist
- Slip the noose
- Doom in bloom
- It only gets worse
- Detonator
- I won't let you go
- It's not up to us
- Dream debris
- It used to matter
- Hum of hurt
- Nothing is over
Gesamtspielzeit: 33:34 min.
Album/Rezension im Forum kommentieren
Teile uns Deine E-Mail-Adresse mit, damit wir Dich über neue Posts in diesem Thread benachrichtigen können.
(Neueste fünf Beiträge)
| User | Beitrag |
|---|---|
|
fakeboy Postings: 6770 Registriert seit 21.08.2019 |
2026-06-10 09:13:15 Uhr
Ich mag gerade das Aufgeräumte und Eingängige an den Alben - Bad Faith ist mittlerweile mein liebster Converge-Song überhaupt. Chaos ist auch nice aber doch auch recht schnell ermüdend (ich bin auch kein besonders grosser Fan von Jane Doe).Ich habe noch kein Converge-Album so oft gehört wie Love Is Not Enough. Hum of Hurt kann da noch nicht ganz mithalten. Bin noch zögernd, ob ich es ich mir überhaupt physisch anschaffen soll. |
|
Vivat Virtute Postings: 247 Registriert seit 05.11.2023 |
2026-06-10 07:47:28 Uhr
Mal abgesehen von der Tatsache, dass ein Album mit den besten Songs aus beiden VÖs sicher klüger gewesen wäre:Bin ich eigentlich der einzige, der sich ein Bisschen daran stört, wie wahnsinnig eingängig beide Alben sind? Klar, das ist alles ziemlich gut, aber wie Hierkannmanparken schon sagt, legt man gerade "Love is not enough" doch recht schnell wieder zur Seite. Und auch in "Hum of hurt" findet man sich doch eher schnell zurecht. Erscheint mir alles im Vergleich zu früheren Output eher simpel, oder? Im Vergleich dazu check ich bis heute nicht vollständig, was in den ersten knapp 6 Minuten von "No heroes" abgeht. Und das ist nun wirklich nicht ihr bestes Album. |
|
Affengitarre User und News-Scout Postings: 11956 Registriert seit 23.07.2014 |
2026-06-09 19:44:01 Uhr
Ja, da gehe ich mit. |
|
Hierkannmanparken Postings: 3135 Registriert seit 22.10.2021 |
2026-06-09 18:42:34 Uhr
HoH finde ich deutlich spannender als LINE, ist nur der erste Eindruck. Aber bei LINE hatte ich gleich das Gefühl, auf bekanntem Terrain zu sein, alles in ähnlicher Form schon zu kennen, hab dadurch das Album auch relativ schnell abgehakt, auch wenn die Songs an sich wieder gut sind. Aber das hier steckt voller interessanter Details. |
|
fakeboy Postings: 6770 Registriert seit 21.08.2019 |
2026-06-09 11:42:21 Uhr
Dream Debris schreckt mich mit dem ewig langen gleichen Basston zu Beginn eher etwas ab. Es dauert schlicht zu lange und es passiert zu wenig, bis etwas passiert...Insgesamt finde ich das Album auch etwas schwächer als Love Is Not Enough. Und es zeigt sich einmal mehr: aus 2 Alben, die im selben Jahr veröffentlicht werden, könnte man fast immer ein einziges, besseres machen. Auf Love Is Not Enough finde ich die langsameren Songs weniger gelungen - daher hätte ich am liebsten stattdessen 3-4 Songs von Hum of Hurt drauf und fertig wäre ein perfektes 12-Song-Converge-Album. |
Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.
Referenzen
The Dillinger Escape Plan; Greg Puciato; Coalesce; Both; Cave In; Disembodied; Trap Them; Young And In The Way; Full Of Hell; Meth.; Breach; KEN Mode; Portrayal Of Guilt; Chat Pile; Pile; The Locust; Frail Body; Blacklisted; More Than Life; Umbra Vitae; Integrity; End; These Arms Are Snakes; Nails; Cult Leader; Poison The Well; Better Lovers; System Of A Down; The Armed; The Hirsch Effekt; Crouch; Oathbreaker; Mastodon; Shai Hulud
Bestellen bei Amazon
Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv
Converge - The dusk in us
(2017)
Converge - Axe to fall
(2009)
Converge - No heroes
(2006)
Converge - You fail me
(2004)
Threads im Plattentests.de-Forum
- Converge - Hum of Hurt (23 Beiträge / Letzter am 10.06.2026 - 09:13 Uhr)
- Converge - Love Is Not Enough (95 Beiträge / Letzter am 03.05.2026 - 14:40 Uhr)
- Converge live (127 Beiträge / Letzter am 15.04.2026 - 23:30 Uhr)
- Converge - You fail me (53 Beiträge / Letzter am 21.02.2026 - 22:35 Uhr)
- Converge (155 Beiträge / Letzter am 17.11.2025 - 19:56 Uhr)
- Converge - Jane Doe (106 Beiträge / Letzter am 26.05.2025 - 07:05 Uhr)
- Converge - Axe to fall (245 Beiträge / Letzter am 07.12.2023 - 14:18 Uhr)
- Converge & Chelsea Wolfe - Bloodmoon: I (108 Beiträge / Letzter am 18.11.2022 - 16:33 Uhr)
- Converge - The Poacher Diaries Redux (5 Beiträge / Letzter am 18.03.2022 - 13:57 Uhr)
- Converge - All we love we leave behind (101 Beiträge / Letzter am 25.11.2021 - 16:43 Uhr)
- Converge - No heroes (208 Beiträge / Letzter am 15.05.2020 - 22:37 Uhr)
- Converge - The dusk in us (153 Beiträge / Letzter am 24.03.2020 - 19:22 Uhr)
- Converge - Beautiful ruin (EP) (11 Beiträge / Letzter am 26.11.2018 - 12:35 Uhr)
- Converge - I can tell you about pain / Eve (8 Beiträge / Letzter am 01.08.2017 - 08:21 Uhr)
- Converge - Thousands Of Miles Between Us (1 Beiträge / Letzter am 02.11.2015 - 22:07 Uhr)
- Supermachiner (Jacob Bannon, Converge) (7 Beiträge / Letzter am 25.05.2008 - 20:05 Uhr)





