Brockhoff - Easy peeler
PIAS / Integral
VÖ: 05.06.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 9/10
Vom Krach geküsst
Dieser "Girl-Grunge" ist ja ein globales Phänomen, nicht erst seit Snail Mail oder Boygenius die 90er-Bratgitarre entdeckten und zum beliebten Gen-Z-Accessoire machten. In Luxemburg mischt Francis Of Delirium die Szene auf, im UK ist unter anderem Nieve Ella erfolgreich mit Powerchords und lautem Pop unterwegs. Mit Lina Brockhoff, die unter ihrem hübschen, vielleicht eine Silbe zu lang geratenen Nachnamen auftritt, hat nun auch Deutschland seine ganz persönliche Kandidatin am Start. Zumindest endlich auf Albumlänge – auf den bundesrepublikanischen Bühnen ist die Hamburgerin nämlich schon seit Post-Pandemie-Tagen unterwegs und hat ordentlich Vorschusslorbeeren eingeheimst. Zwischen düsteren, mit Shoegaze liebäugelnden Riffs und zuckersüßen Vocals zeigt sich der Titeltrack ihres Debüts "Easy peeler" am ehesten vom Krach geküsst, lässt aber auch Raum für einen vordergründig aufbauenden Refrain, den man sich glatt im Formatradio vorstellen könnte. Bis man genauer hinhört: "I thought I'd have the time of my life / But I got so unhappy I died inside." Vom Offenlegen der Emotionen handelt der Song, besonders vom unabsichtlichen und all seinen Konsequenzen. Das Yin und Yang aus optimistischer Musik und abgründigen Lyrics, praktisch Genre-Kondition, verkörpert Brockhoff über das gesamte Album gekonnt.
Denn "Easy peeler" durchzieht eine Stimmung, die auch an Adult Contemporary erinnert, an Alanis Morissette oder Liz Phair, außerdem an jüngere 2000er-Pop-Rock-Acts. Nicht nur die Single "Sunny day (Deadline)" ist super eingängig, "Blue star" lässt das Rock-Label sogar beinahe gänzlich fallen, um flottem Powerpop zu huldigen. Auch "Dirty dream" geht entgegen seines suggestiven Titels in erster Linie sehr mellow zur Sache. Die Künstlerin stellt neben nachdenklichen Inhalten Harmonie und Simplizität ins Zentrum ihres Schaffens, aggressiveren oder komplexen Indie überlässt sie anderen. Ihre Stimme erinnert in ihrer Zerbrechlichkeit dabei immer wieder an Julien Baker, man höre bloß "Japanese garden", in dem zwischendurch famoses Getöse übernimmt, das dann aber doch auf roher Akustikgitarre endet, oder das verträumt gepickte "It never happened". Sobald Brockhoff Gefahr läuft, dass ihre Stücke allzu einlullend oder gleichförmig geraten, setzt sie geschickt borstige Widerhaken. So bringt zum Beispiel "Sleep it off" eine garagige, fast britrockende Gitarrenspur unter, und der Song verabschiedet sich mit harschem Verstärker-Feedback. Es sind Ausrufezeichen wie dieses oder das vom leisen Zerbröseln einer Beziehung erzählende "I've stopped getting chills for a while now", die aus einem gelungenen ein starkes Debütalbum machen: "I am playing dead / Cause I got scared."
"Easy peeler" ist die meiste Zeit sehr dicht und konventionell arrangiert, einzig "Nothing can be fixed in this place" ist eine wirklich reduzierte Komposition, mutet an wie ein Bedroom-Recording. Wenn man Brockhoff überhaupt einen Vorwurf machen kann, dann ist es diese konsequente Professionalität – ein bisschen mehr Schmutz oder vermehrt der Griff zum Fuzz wie in "The carpet song" oder "Cruel" würden der Musikerin neben ihrer Sorgfalt besonders gut zu Gesicht stehen. Als in sich geschlossenes, melancholisch-direktes und top produziertes Stromgitarren-Album mit starkem Songwriting ist "Easy peeler" aber die aufsehenerregende erste Songsammlung einer vielversprechenden Newcomerin. Der man vor allem die Hamburger Herkunft nicht anmerkt. Da können wir gern mal den deutschesten aller Schlusssätze aus dem Giftschrank bemühen: Hinter der internationalen Konkurrenz braucht Brockhoff sich nicht zu verstecken.
Highlights
- Easy peeler
- Japanese garden
- I've stopped getting chills for a while now
- Sleep it off
Tracklist
- Easy peeler
- The carpet song
- Willows
- Sunny day (Deadline)
- Blue star
- Front row
- Nothing can be fixed in this place
- Dirty dream
- Japanese garden
- I've stopped getting chills for a while now
- Cruel
- Sleep it off
- It never happened
- Hot wheels
Gesamtspielzeit: 44:24 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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Hier stand Ihre Werbung Postings: 2463 Registriert seit 25.09.2014 |
2026-06-09 05:10:55 Uhr
Das Album faengt mit Easy Peeler echt gut an, spaetestens mit Front Row wurde es dann aber ziemlich seicht und ich hatte wenig Lust, es weiter zu hoeren. |
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MickHead Postings: 12028 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-06-05 21:14:31 Uhr
Jetzt auch komplett bei Bandcamp:https://brockhoff.bandcamp.com/album/easy-peeler-debut-album-june-5th-2026 |
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MickHead Postings: 12028 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-06-05 08:29:21 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_lH5rXqy7-GAugeywymq5w1xQBvZ6up7nk&si=UTUuNyKP6BV8d5GJ Rolling Stone 3/5 https://www.rollingstone.de/reviews/brockhoff-easy-peeler-review/ Soundmag 7/10 https://www.soundmag.de/reviews/brockhoff-easy-peeler/ |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30698 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-06-03 20:42:25 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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MickHead Postings: 12028 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-05-19 20:02:46 Uhr
Tour 202603.09.2026 Köln – Helios37 04.09.2026 Berlin – Kantine am Berghain 05.09.2026 Hamburg – Molotow |
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Referenzen
Francis Of Delirium; Nieve Ella; Julien Baker; Soccer Mommy; The Beths; Blush Always; Snail Mail; Philine Sonny; Liz Phair; Alanis Morissette; Lucy Dacus; Boygenius; Ilgen-Nur; Phoebe Bridgers; The Cardigans; Courtney Barnett; My Ugly Clementine; Friedberg; Melanie Baker; Gurr; Uche Yara; Caroline Rose; Pip Blom; Indigo De Souza; Marika Hackman; Camp Cope; Florence Road; Annie Taylor; Illuminati Hotties; Slothrust; Newdad; Beabadoobee; Viji; Alvvays; Wolf Alice; Sixpence None The Richer; K's Choice; Veruca Salt; Natalie Imbruglia; Sheryl Crow; Heather Nova; The Cranberries; Aimee Mann; Olivia Rodrigo; Taylor Swift; Kelly Clarkson; Christina Perri; Nada Surf; Hole; Pixies; The Breeders
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- Brockhoff - Easy peeler (7 Beiträge / Letzter am 09.06.2026 - 05:10 Uhr)



