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Audio88 & Yassin - Zeit zu sterben

Audio88 & Yassin- Zeit zu sterben

Normale Musik / Recordjet
VÖ: 22.05.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Eyes wide open

Im Frühjahr 2026 beschäftigte sich das Arte-Format "Tracks" mit dem Thema "Warum Rap immer wütender wird". Die Redaktion des deutsch-französischen Fernsehsenders machte als Vertreter*innen dieses vermeintlichen Trends neben den US-Rappern Denzel Curry und Ho99o9 die Schweizerin La Gale und für Deutschland Audio88 & Yassin aus. Die Wahl-Berliner haben sich im Deutschrap längst einen Namen als intellektuelle Zyniker gemacht. Mit "Zeit zu sterben" veröffentlichen sie ihr siebtes Studioalbum, und neben Wut und Missgunst sind es vor allem Resignation und Pessimismus, die den Ton angeben.

Physisch wurde das Album bereits im März releast, bei den Streamingdiensten ist es erst jetzt verfügbar – eine deutliche Liebeserklärung an Tape, CD und Platte. Eingeleitet wird "Zeit zu sterben" von "15 Jahre", dem Geburtstagslied zum Bestehen des Duos. Der Song gerät etwas sehr pathetisch, mit einer dramatischen Hook von Pop-Sängerin Simona. Konsequenterweise wird das Album mit "Besser als morgen" abgebunden, bei dem der Hamburger Marlo Grosshardt nicht weniger leidenschaftlich ins Mikrofon singt. Dazwischen packt das Team Normal persönliche Geschichten, verhöhnt in Nebensätzen Nina Chuba oder Musikjournalist Jan Kawelke, und versucht irgendwie mit der aktuellen Weltlage zurechtzukommen. Ein Jahr ist Friedrich Merz nun im Amt und hat in dieser Zeit mehr verbale Ohrfeigen in Deutschrap-Tracks kassiert als seine Vorvorgängerin in ihren 16 Jahren Regentschaft. Natürlich widmet auch Florian Kerntopf aka Audio88 ihm ein paar bissige Lines und fordert den deutschen Regierungschef bei "Komm ran" freundlich zum Einzelkampf auf. Der von The Krauts produzierte Song ist ein seltener Banger auf "Zeit zu sterben". Die Beats von klangvollen Namen wie Dienst&Schulter oder Brenk Sinatra sind durch die Bank gelungen, aber die Hitdichte auf "Halleluja" oder "Todesliste" war ohne Frage größer.

Das unterhaltsame "Betrunkene Männer" entpuppt sich als zweischneidiges Schwert. Denn um besoffene, enthemmte Männer zu sehen, muss man nicht unbedingt ins Fußballstadion gehen, wie im Song suggeriert, sondern kann auch einfach ein Konzert von Audio88 & Yassin besuchen. Ein bisschen Selbstreflexion hätte den beiden Rappern an dieser Stelle gut zu Gesicht gestanden. Vor allem, da sie sich nur wenige Minuten später "Immer noch zwei Herrengedeck" bestellen. Hier schwelgen sie in Erinnerungen und erzählen aus einer Zeit, als das JUICE-Magazin noch ein Gradmesser für Erfolg war und die ersten Demos auf CD gebrannt wurden. Die Momente, in denen Audio88 & Yassin solches Storytelling betreiben, sind die stärksten auf "Zeit zu sterben". Das deprimierende "Nichts als die Wahrheit" hinterlässt einen Kloß im Hals, und bei "Ein Stück Hass" texten die beiden Rapper eindrucksvoll über ihre negativen Erlebnisse mit der Staatsgewalt. Insbesondere Audio88 landet mit seinen Lines immer wieder Wirkungstreffer und disst bei "Time 2 die" so treffend die Antilopen Gang, dass es eine wahre Freude ist: "Danger Dan will, dass ich ein Ticket kauf fürs U-Bahn-Fahr'n / Was bist du für ein Loser, Mann? / Wie rechts kann ne Welt sein, deren Stiefellecker links sind / Der hat doch öfter FDP gewählt, als ich täglich blinzel." Gleichmut, pure Nächstenliebe und Besonnenheit finden sich bei Audio88 & Yassin auch 15 Jahre nach ihren ersten gemeinsamen Gehversuchen nicht. Aber immerhin ist die Wut nicht blind, sondern wird mit weit aufgerissenen Augen vorgetragen.

(Andreas Rodach)

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Highlights

  • Hunger
  • Nichts als die Wahrheit
  • Komm ran
  • Immer noch zwei Herrengedeck

Tracklist

  1. 15 Jahre (feat. Simona)
  2. Bis ich nicht mehr atme (feat. Schmyt)
  3. Hunger
  4. Hasenloch
  5. Kazoo
  6. Nichts als die Wahrheit
  7. Allein zu zweit
  8. Komm ran
  9. Die Wut hält uns zusammen
  10. Ein Stück Hass
  11. Betrunkene Männer
  12. Ich entschuldige mich nicht (feat. Morlockk Dilemma)
  13. Time 2 die
  14. Immer noch zwei Herrengedeck
  15. Besser als morgen (feat. Marlo Grosshardt)

Gesamtspielzeit: 46:00 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

rheiton

Postings: 398

Registriert seit 26.03.2025

2026-06-08 21:40:22 Uhr
Danger Dan Ticket kostet 65 €, noch Fragen???

mrnovember

Postings: 540

Registriert seit 10.10.2019

2026-06-03 23:24:17 Uhr
Inwiefern ist der Antilopen Gang Diss treffend? Bzw. weiß jemand, was das für einen Hintergrund hat?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30698

Registriert seit 08.01.2012

2026-06-03 20:42:16 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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