Devin Townsend - The moth
InsideOut / Sony
VÖ: 29.05.2026
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
Licht an
Es scheint falsch zu sein, ein bestimmtes Devin-Townsend-Album als Opus Magnum zu bezeichnen. Gemessen an dem ausgeprägten Hang zu Extremen, der massiven epischen Wucht und der gebotenen stilistischen Bandbreite haben sich schließlich so einige Werke des Kanadiers diese Bezeichnung verdient – zuallererst das inzwischen als Klassiker geltende "Terria" aus dem Jahr 2001. "The moth" allerdings war ganze zehn Jahre in der Mache, von Anfang an als orchestrales Mammutprojekt angelegt und wird zudem als eine Art Lebenswerk Townsends angepriesen. Auch, weil es thematisch durchaus selbstreferentiellen Charakter hat, geht es doch darum, alte Verhaltensmuster zu hinterfragen und letztlich zu überwinden, ohne das eigene Selbst aufzugeben. Anders gesagt: eine Transformation der äußeren Gestalt unter Bewahrung des seelischen Heils.
Zu "Hevy Devys" eigenem Seelenheil ist allerdings nichts Genaues bekannt, doch ist anzunehmen, dass er seine schlimmsten Dämonen längst auf irgendeine seiner zahlreichen, oft exzessiven Platten ver- bzw. gebannt hat und sich insofern einer einigermaßen stabilen Verfassung erfreut. Anders lässt sich eine komplexe, dem Vernehmen nach von diversen Schwierigkeiten begleiteten Produktion wie "The moth" auch gar nicht erfolgreich bewältigen. Was deren äußere Gestalt betrifft, so ist trotz eines diesmal von Beginn an konzeptionell eingebundenen Orchesters keine grundlegende Transformation festzustellen. Wer Townsends Karriere schon länger verfolgt, wird von dem, was es hier zu hören gibt, nicht überrascht sein – aber vielleicht doch überwältigt. Denn, ohne unbedingt eine qualitative Gleichstellung behaupten zu wollen, drängen sich bei "The moth" immer wieder Vergleiche zum genannten "Terria" auf, dem 25 Jahre alten Meisterwerk.
Damals wie heute hat man es mit Musik zu tun, die für die ganz großen Konzertsäle mit der besten Ausstattung geschaffen wurde. Die Platte ist nichts für jene, die das Einfache und Eingängige schätzen, aber so ziemlich alles für die, die kein Problem damit haben, tagelang vom Scheitel bis zur Sohle in einem einzigen Album abzutauchen – um all die Gegensätze zu erkunden, die Townsend seit jeher liebt und leidenschaftlich auslebt: Beschwerlich zu erklimmende Gipfel, deren Spitzen kaum noch zu sehen sind, jähe Abbrüche und Garden Eden gleiche Täler, die zum Verharren einladen. Es dominiert also ein von gigantischen Soundwänden und epochalen Chören umrahmter, aber zum Glück nicht allgegenwärtiger Bombast mit hohem Wuselfaktor, immer wieder unterbrochen von geradezu lieblichen Momenten. Dabei hat es kaum jemals zuvor so wenig Sinn ergeben, einzelne Stücke hervorzuheben – dieses Prachtwerk hört man ganz oder gar nicht.
Selbstverständlich bewegt sich das alles permanent an der Grenze zur Überforderung, bleibt aber dank Townsends inzwischen jahrzehntelanger Erfahrung und fähiger Mitwirkenden wie insbesondere dem Nordniederländischen Orchester, das für dieses Werk den eigentlichen Anstoß gab, sowie Grammy-Preisträger Steve Vai und der einstigen The-Gathering-Frontfrau Anneke van Giersbergen immer ein uneingeschränkter Hochgenuss. Ob "The moth" deshalb konsequenterweise tatsächlich als DAS Opus Magnum des 54-Jährigen Kanadiers bezeichnet werden muss, ist wie immer eine Sache, die der subjektiven Einschätzung unterliegt. Aber eines ist klar: Den Weg dieser Motte sollte möglichst jeder hell erleuchten.
Highlights
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Tracklist
- Semi-prologue
- War beyond words
- The moth
- Ode to my eye
- Enter the city
- Covered by causes
- Lexin
- Runaways
- A proxy for god
- The mothers
- Orion
- Stay there
- Home at night
- Intermission
- Lexin runs
- The clergy
- Prepare for war
- The big snit
- Silver princess
- A life in review
- Metamorphosis
- Stained hearts
- Let go
- We don't deserve dogs
Gesamtspielzeit: 70:20 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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No Filler Postings: 413 Registriert seit 26.03.2015 |
2026-06-02 11:52:52 Uhr
Bin mir nicht sicher. Das mixing ist gewaltig auf guter Anlage. Beeindruckende Klangwelten. Komposition ist nicht immer schlüssig. Songs auch nicht so wirklich. Aber das will das Teil auch irgendwie nicht. Spannend. |
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MickHead Postings: 11845 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-05-29 09:58:01 Uhr
Jetzt komplett bei Bandcamp:https://devintownsend.bandcamp.com/album/the-moth-24-bit-hd-audio "Deluxe Edition" bei Bandcamp: https://devintownsend.bandcamp.com/album/the-moth-deluxe-edition-24-bit-hd-audio |
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VELVET UNDERGROUND Postings: 133 Registriert seit 13.06.2013 |
2026-05-28 11:48:57 Uhr
Dr. Motte |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30689 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-05-27 20:38:23 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Referenzen
John Williams; Hans Zimmer; James Horner; Danny Elfman; Disillusion; Gojira; Orphaned Land; Ayreon; Arjen Lucassen; Andrew Lloyd Webber; Trans-Siberian Orchestra; Clive Nolan; Royal Sorrow; Opeth; Nightwish; Leprous; Soen; Symphony X; Anneke Van Giersbergen; System Of A Down; Tool; The Ocean; Tesseract; The Gathering; Karnivool; Pain Of Salvation; Dream Theater; Diablo Swing Orchestra; Between The Buried And Me; Paradise Lost; Vanden Plas; Blind Guardian; Therion; Epica; Rhapsody Of Fire
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