Tomora - Come closer
Universal
VÖ: 17.04.2026
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
Grenzenlos gut gelaunt
Kollaborationsalben haftet oft der Fluch an, einfach durchschaubar zu sein. So formen sich auch bei "Come closer" ungehört direkt klare Vorstellungen: ein Aurora-Album mit kraftvollen Dance-Beats? Eine Chemical-Brothers-Platte mit einer einzigen Vokalistin? Doch Tomora, das gemeinsame Projekt der norwegischen Art-Pop-Musikerin Aurora mit Chemical Brother Tom Rowlands, offenbart schnell einige andere Facetten. Die Zusammenarbeit begann bereits 2019, als Rowlands – geflasht von ihrem Glastonbury-Auftritt ein paar Jahre zuvor – Aurora für "No geography" rekrutierte. Der Brite lieferte wiederum 2024 Produktionszuarbeit für "What happened to the heart?". Auf Basis des über die Jahre gewachsenen Vertrauens konnten die beiden nun in eigenen Worten "shit tonnes of fun" im Studio haben, was "Come closer" in jeder Pore anzumerken ist. Das Album wirkt wie eine Spielwiese, auf der die Künstler*innen ihre stilistischen Grenzen ausloten, ihre verschiedenen Schaffenskräfte zusammenführen und wieder auseinanderdriften lassen, wodurch eine unheimlich reizvolle Reibung entsteht.
Zu Beginn gehört die Bühne ganz Aurora. Im Titeltrack schwebt sie starr über einem schockgefrosteten Orgelbett, das sich auch von ihren animalistischen Schreien nicht aus der Fassung bringen lässt. Eine ähnliche meditative Ruhe strahlt sonst nur "Wavelengths" aus, in dem sich die Enya-Bewunderin in naturnahe Mystik hüllt: "Once I was a river / With the wisdom of a child." Was sich auf dem Papier wie leere Esoterik lesen mag, lässt im stimmlichen Ausdruck keinen Widerspruch zu. "There's no one in the world but me", heißt es an anderer Stelle in "Have you seen me dance alone?", das sich mit Reggaeton-Vibe, Tabla-Trommeln und Flamenco-tauglichen Vocals zu einem international texturierten Elektro-Walzer zusammensetzt. Es ist diese Ungreifbarkeit, die Tomora so besonders macht. Anstatt nur einfache Synthpop-Banger zu produzieren, lässt das Duo seine Kreativität ungezügelt in alle Richtungen fließen.
So steckt selbst in einem zurückhaltenden Song wie dem kleinen Synth-Folk von "Side by side" viel Leben, auch wenn Aurora in den Lyrics die Tränen nicht unterdrücken kann. Der schwere TripHop von "The thing" tritt näher ans Dunkel und schmeißt im Mittelteil kurz die Stahlpresse an. Eine vergleichbare Ästhetik zeigt "A boy like you", das mit seiner an Karin Dreijer geschulten Stimmentfremdung und der von Rowlands aufgezogenen psychedelischen Geräuschkulisse allerdings noch bedrohlicher wirkt. Mit seinem hypnotischen Groove leitet der Track jedoch auch die erste große Uptempo-Nummer der Platte ein. "Ring the alarm" bringt mit treibendem Bass-Puls und schrillen, nun ja, Alarm-Sounds sowie druckvollen Shouts ganze Häuserwände zum Wackeln – das sind also diese "block rocking beats", von denen früher die Rede war. Auch hier ballern Tomora nicht einfach stumpf nach vorn, sondern füllen die fünfeinhalb Minuten mit Details und Tempoverschiebungen.
Es spricht für "Come closer", dass dieser Song nicht einmal zu den größten Highlights gehört. Diese Ehre wird etwa dem gleichzeitig ätherischen und fest zupackenden "My baby" zuteil, das mit seiner progressiven Mentalität mehrere Gestaltwandlungen durchläuft. "Somewhere else" ist der größte Hit des Albums, ein sofort in die Blutbahn schießendes Stück Rave-Pop mit einer wunderbaren Singsang-Hook. Der Neunziger-Techno-Trip "I drink the light" scheint sogar Zeit und Raum umzustülpen, indem er seine acht Minuten wie im Flug vergehen lässt und Björks Stimme in Auroras Körper verfrachtet. Die purste Club-Euphorie vermittelt der Closer "In a minute", womit Tomora zum Abschluss nochmal ein Statement für das setzen, worauf es ihnen beim gemeinsamen Kunstschaffen am meisten ankommt. "Shit tonnes of fun", in der Tat.
Highlights
- My baby
- Somewhere else
- I drink the light
- In a minute
Tracklist
- Please
- Come closer
- A boy like you
- Ring the alarm
- My baby
- Have you seen me dance alone?
- Somewhere else
- I drink the light
- Wavelengths
- Side by side
- The thing
- In a minute
Gesamtspielzeit: 55:23 min.
Album/Rezension im Forum kommentieren
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(Neueste fünf Beiträge)
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Enrico Palazzo Postings: 9206 Registriert seit 22.08.2019 |
2026-05-28 07:48:38 Uhr
Ist das in "My Baby" ein Sample von "No Good" von The Prodigy? |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30689 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-05-27 20:38:08 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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MickHead Postings: 11845 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-04-24 10:34:15 Uhr
Laut de 4/5https://laut.de/Tomora/Alben/Come-Closer-126863 |
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MickHead Postings: 11845 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-04-21 10:18:45 Uhr
FRONTSTAGE MAGAZINE 8.8/10https://frontstage-magazine.de/2026/04/19/review-tomora-come-closer/ |
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Huhnmeister Postings: 4710 Registriert seit 22.08.2022 |
2026-04-18 21:23:52 Uhr
Wollte grad den Thread eröffnen, aber war ja irgendwie klar, dass mir MickHead mal wieder zuvorgekommen ist.Jedenfalls ne tolle Kooperation zweier Künstler, von denen ich jeweils unabhängig schon lange Fan bin. Chemical Brothers sowieso eine meiner Lieblingsmusiken seit Jahrzehnten, aber auch Aurora find ich schon länger fantastisch mit ihrer schönen skandinavischen Waldgeistermusik. In der Kombination gefällt mir das sehr. Klar, hat Björk schon so ähnlich vor 30 Jahren gemacht, aber es ist trotzdem nochmal was irgendwie Neues (wenn auch wahrscheinlich nicht Revolutionäres). Album („Come Closer“) wohl bereits offiziell erschienen. Hoffe auf 1 Rezension hier. |
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Referenzen
Aurora; The Chemical Brothers; Björk; Fever Ray; The Knife; Austra; Robyn; Ladytron; La Roux; Sassy 009; Rose Gray; Röyksopp; Simian Mobile Disco; Daphni; Caribou; Four Tet; Underworld; Leftfield; Boys Noize; Digitalism; Massive Attack; Portishead; Everything But The Girl; Lamb; Róisín Murphy; Goldfrapp; Hercules And Love Affair; Deadmau5; Amon Tobin; Fatboy Slim; The Avalanches; Hot Chip; Enya; Susanne Sundfør; Anna von Hausswolff
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- Tomora - Come closer (8 Beiträge / Letzter am 28.05.2026 - 07:48 Uhr)



