Shinedown - Ei8ht
Atlantic / Warner
VÖ: 29.05.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
Genug des Guten
Shinedown wollen mehr. Auf ihrem neuen und mit Abstand längsten Studioalbum haben die Amerikaner gleich 18 Songs am Start. Nicht unbedingt, weil sie so viel zu erzählen haben – im Gegensatz zum Vorgänger handelt es sich nicht um ein Konzeptwerk. Aber ganz sicher, weil sich die "Planet zero"-Formel als erfolgreich erwiesen hat und es schließlich nie zu viele Songs geben kann, die sich ohne Umschweife im auditorischen Cortex einnisten. Erstaunlich dabei: Die Band kann über die volle Distanz hinweg ein annähernd gleichbleibend hohes Niveau ohne nennenswerte Abstriche halten. Unter den 18 Titeln findet sich nicht ein einziges Exemplar, das sich als klarer Skip-Kandidat anbietet, wenn man Freunden voller Stolz diese neueste Bereicherung seiner Musiksammlung vorspielen möchte. Wegen der Formelhaftigkeit und äußerst konventionellen Machart ist "Ei8ht” damit zwar noch lange kein Meisterwerk, aber ein klarer Anwärter für das 2026 meistgehörte Album in Diskotheken, auf Gartenpartys und überall dort, wo junge oder junggebliebene Leute eine gute Zeit erleben möchten.
Besagte Diskothek brennen sie mit "Burning down the disco" zwar frühzeitig nieder, aber dafür lässt es sich zu diesem Song besonders lustvoll auf der Asche der Tanzbude herumstampfen. Bis zum Genickbruch geheadbangt hat man bis dato eh schon mit "At the bottom" und "Dance, kid, dance". Bereits die ersten drei Songs initiieren somit die Dopaminausschüttung, bilden aber nur die Aufwärmphase eines Albums, das fortan einen Hit nach dem anderen hervorbringt. Zunächst ist "Three six five" bei aller Einprägsamkeit allerdings eher was für die Tränendrüse, und es wird nicht das letzte Mal sein, dass Shinedown, wie schon auf "Planet zero", gerade während der dezenteren Passagen besonders überzeugen.
Denn wie vor vier Jahren ist es das latent Wehmütige, das vielen Songs anhaftet und ihnen mehr Nachhall verleiht, als es die reine Struktur vermag. Jeder Titel ist assoziations- und erinnerungsreich, lässt vergangene Tage aufleben und bessere Zeiten herbeisehnen. "Young again" zum Beispiel ist so ein Moment, in dem ältere Zeitgenossen womöglich voller Neid und Nostalgie auf Teenager schauen, deren Blicke sich erstmals treffen und ein hormonelles Feuerwerk entzünden. Im Vergleich dazu wäre "Dizzy" fast schon ein Schwachpunkt – wenn man nicht spätestens nach dem dritten Durchgang engagiert den Refrain mitsingen würde. Was man bei "Imposter" sowieso tut, wobei sich dieser Song durch eine schleppende Düsternis hervorhebt.
Und so geht es in einer Tour weiter. Würden Shinedown hier alles als Single auf den Markt schmeißen, wären die Charts zeitweise eine vermutlich ziemlich monotone Angelegenheit. Dabei bieten Titel wie "Machine gun", "Outlaw" und "Safe and sound" eigentlich nur Standardprogramm, was wiederum unterstreicht, auf welchem Niveau das Quartett hier rumturnt. Weniger wohlmeinend könnte man auch sagen: mit welcher Berechnung es an die Sache herangeht. Aber schöne Songs sind auch dann nicht weniger schön, wenn ihnen die Radio- und Musiksendertauglichkeit aus jeder Pore tropft. Das bereits millionenfach abgerufene Video zu "Searchlight" ist dafür ein guter Beleg, wobei der Titel beinah verblasst vor dem intensiven, atmosphärisch bestechenden "Deep end" und dem einmal mehr mitreißend melancholischen, großes Abhängigkeitspotenzial aufweisenden "So glad that you asked". "The pilot" macht diesen 18-Pfünder schließlich komplett, mit dem Shinedown durchaus eindrucksvoll beweisen, dass viel manchmal doch viel helfen kann.
Highlights
- Three six five
- Young again
- Dizzy
- Imposter
- Deep End
- So glad that you asked
Tracklist
- At the bottom
- Dance, kid, dance
- Burning down the disco
- Three six five
- Young again
- Dizzy
- Imposter
- Machine gun
- Outlaw
- Safe and sound
- Searchlight
- Bear with me
- Deep end
- Killing fields
- Back to the living
- Wide open
- So glad that you asked
- The pilot
Gesamtspielzeit: 64:28 min.
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