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Iceage - For love of grace & the hereafter

Iceage- For love of grace & the hereafter

Mexican Summer / Open
VÖ: 29.05.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Auf glühenden Kohlen

Eiszeit bei Iceage? Man konnte sich latent Sorgen um den Fortbestand der kämpferischen dänischen Vaudeville-Punks machen, nachdem ihr letztes reguläres Album "Seek shelter" schon von 2021 datiert und die Compilation "Shake the feeling: Outtakes & rarities 2015 - 2021" ein Jahr später die Band vorläufig von der musikalischen Landkarte abräumte. Während der Rest des Quintetts seitdem womöglich damit beschäftigt war, "All the junk on the outskirts" aufzusammeln, zeigte sich Sänger Elias Bender Rønnenfelt dagegen umso hyperaktiver: Mit den Soloplatten "Heavy glory" und "Speak daggers" erkundete der Däne die eher Americana-lastige Seite seines Schaffens, auf der EP "Lucre" verlegte er sich zusammen mit Dean Blunt auf eine groovy-neblige, elektronische Post-Punk-Spielart. Doch irgendwie lässt sich nichts damit vergleichen, wenn Rønnenfelt dem disziplinierten Radau seiner Mitmusiker mit loderndem Organ vorsteht – fast wie ein Jeffrey Lee Pierce, der an der unerträglichen Intensität des Seins zu verpuffen droht.

Gut also, dass der Frontmann auf dem sechsten Iceage-Longplayer direkt zu Anfang in aller Eile über glühende Kohlen marschiert – wie immer, wenn es wie im überfallartigen Opener um die Liebe geht. Ein Riff-Intro schreddert, ein feinsinniges Glockenspiel bimmelt schüchtern, bevor "Ember" alle Punkrock-Register zieht – nur Rønnenfelt hält sich noch halbwegs zurück, ehe im ersten Akustik-Break ein emphatisches "I love you in an ominous way" aus ihm herausbricht. Der emotionale Startschuss für ein Album, das die Power von Iceage auf einem durchnässten Bierdeckel zusammenstreicht. Nicht so orchestral wie der Vorgänger, meist ohne die Dark- und Irish-Folk-Anleihen von "Plowing into the field of love", weniger zerstörerisch als "New brigade" – trotzdem versprüht "For love of grace & the hereafter" eine ähnliche Dringlichkeit wie jenes Debüt. Das "Match head girl" aus dem folgenden ruppigen Indie-Rocker steht auch schon in Flammen – kein Wunder bei so viel hektischem Ad-Lib-Singalong und aufgeregt achtelnden und sägenden Gitarren.

Vergleichbar kompliziert aus allen Löchern platzt "For love of grace & the hereafter" in der Folge nur noch, wenn sich "Salve for every sore" per Math-Frickelei um die Black-Midi-Nachfolge bewirbt. "Tender blades" hingegen schleppt einen schluffigen Blues durch die Albummitte – wie es sich für die laut Kollege Tyczkowski vermutlich sumpfigste Post-Punk-Band gehört. Allemal mitreißender wirkt der Fünfer jedoch im voll wüster Verzweiflung vorwärts punkenden Mitgröhler "The weak" und bei "Lifetime", das nach dem mit lockeren Handclaps und feurigen Leads auftrumpfenden "Star" lediglich "a lifetime of beatings" in Aussicht stellt. Keine Neuigkeit, denn schon zuvor teilt der tosende Rocker "Mother-of-pearl" zur Genüge aus, während "No fear" mittels gemütlich rumpelndem Basslauf als gelassener Indie-Popowackler überzeugt. Vor dem maßvollen Closer "True blue" noch schnell den großen Zeh ins reißende "Holy water" gestippt – denn ein wenig Abkühlung wird nach diesem erneut vorzüglichen Album ja wohl erlaubt sein.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Ember
  • The weak
  • Mother-of-pearl
  • Lifetime

Tracklist

  1. Ember
  2. Match head girl
  3. The weak
  4. No fear
  5. Salve for every sore
  6. Mother-of-pearl
  7. Tender blades
  8. 1835
  9. Star
  10. Lifetime
  11. Holy water
  12. True blue

Gesamtspielzeit: 41:15 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

MickHead

Postings: 11845

Registriert seit 21.01.2024

2026-05-29 15:09:34 Uhr
Jetzt auch komplett bei Bandcamp:

https://iceage.bandcamp.com/album/for-love-of-grace-the-hereafter

MickHead

Postings: 11845

Registriert seit 21.01.2024

2026-05-29 10:13:29 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:

https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_kzlCrpVBE9ZxynookAe5VtzR_68AeNP0E&si=z_DUr8zEFJn9hJuy

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30689

Registriert seit 08.01.2012

2026-05-27 20:36:26 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Euroboy

Postings: 473

Registriert seit 14.06.2013

2026-05-07 17:22:05 Uhr
"The Weak" gefällt mir richtig gut. Hat so einen schönen krachigen Garage-Punk Vibe.

saihttam

Postings: 2969

Registriert seit 15.06.2013

2026-05-07 01:13:59 Uhr
Geil! Gar nicht mit gerechnet.
Zum kompletten Thread

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